Künstler Max bemalt eines der Zimmer im Grandhotel für Flüchtlinge in Augsburg (Archivbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Ort trägt zwei Namen. Den einen haben sich Größenwahnsinnige ausgedacht: "Grandhotel Cosmopolis". Natürlich ist "Grandhotel" ein Witz. Es handelt sich um einen schmucklosen, hellgelben Sechziger-Jahre-Bau, ein ehemaliges Pflegeheim in der Augsburger Altstadt. Aber am Eingang schreiten die Gäste über einen roten Teppich und werden respektvoll von Concierges in rot-goldenen Anzügen begrüßt. An der Wand neben der Rezeption: Weltzeituhren. Nicht New York, London, Paris, sondern Gaza, Port-au-Prince, Lampedusa.

In der Lobby spielt ein Popsänger aus Afghanistan Klavier, auf der Couch hat es sich ein Christ aus dem Iran gemütlich gemacht. An der Bar bedienen zwei Mazedonier, vor der Theke toben tschetschenische Kinder.

Der Asylbewerber als willkommener Gast, die Flucht als Urlaub, in dem man Bekanntschaften schließt, Erholung findet, Inspiration – das ist die Vision.

Die Bürokraten vom Regierungsbezirk Schwaben, die die Vision verwalten, nennen den Ort GU XV. Die 15. Gemeinschaftsunterkunft in Augsburg, ein Asylbewerberheim des Freistaats Bayern, des Bundeslands mit der restriktivsten Asylpolitik.

Seit Monaten protestieren Flüchtlinge in Deutschland gegen menschenunwürdige Behandlung. Sie marschieren quer durch die Republik, nähen sich die Lippen zu, hungern sich bewusstlos. In Augsburg haben Bürger ihnen ein Hotel gebaut, mit Rosengarten im Innenhof und Domblick vom Balkon.

Im Grandhotel gibt es 27 Flüchtlingszimmer und 18 Zimmer für ganz normale Hotelgäste, elf Künstler-Ateliers, einen Seminarraum, ein Café, ein Restaurant und, wenn die Laien-Bauarbeiter irgendwann fertig werden, eine Galerie.

Gerade wurde das Grandhotel Cosmopolis beim Bundeswettbewerb "Deutschland – Land der Ideen" als Sieger geehrt. Jürgen Fitschen, der Co-Chef der Deutschen Bank, sagte in seiner Laudatio: "Die Bundessieger liefern mit ihren Ideen moderne Lösungen für die Zukunft unserer Städte. Sie sind Vorbilder, denn sie setzen ihre Visionen mit Leidenschaft, Engagement und Kreativität in die Tat um." Aber taugt dieses eigenartige Hotel, in dem man Gäste, Künstler und Flüchtlinge kaum auseinanderhalten kann, für mehr als einen Applaus bei einer Preisverleihung? Taugt es für ein modernes Märchen?