Wer in diesen Tagen Gold kauft, macht sich die Hände ziemlich schmutzig. So sind beispielsweise 98 Prozent der Goldförderung im Kongo laut einer aktuellen Studie der Vereinten Nationen Schmuggelware. Paare, die sich Eheringe kaufen, und Rentner, die ihr Geld krisensicher anlegen wollen, finanzieren somit ungewollt die Waffenkäufe von Rebellengruppen.

Die EU hat diesen Missstand erkannt. Mitte dieser Woche legte die Kommission den Entwurf eines Gesetzes vor, das für Transparenz im Geschäft mit sogenannten Konfliktrohstoffen sorgen soll. Es geht darum, die Lieferkette von der Mine bis zum Händler nachzuvollziehen. Und es geht um mehr als nur um Gold. Auch bei Wolfram, das bei der Herstellung von Glühbirnen verwendet wird, bei Zinn, das zum Beispiel in der Legierung der Ein-Euro-Münze steckt, oder bei Tantal, einem wichtigen Baustein für Handykondensatoren, sollen Käufer künftig über den Weg von der Förderung bis zur Produktion aufgeklärt werden.

Der Gesetzesentwurf ist jedoch lückenhaft. Unternehmen sollen nämlich selbst darüber entscheiden dürfen, ob sie Informationen über die Herkunft der Minerale veröffentlichen oder eben nicht. Die Lobby hat also ganze Arbeit geleistet. Jahrelang kämpften Unternehmensverbände – ganz vorn mit dabei der Bundesverband der Deutschen Industrie – für diese Aufweichung. So sei ein verbindliches Gesetz laut BDI "mit der Einführung von Sorgfaltspflichten für europäische Akteure in der Rohstofflieferkette verbunden". Na, hoffentlich!, sollte man dem BDI antworten. Nur ein Beispiel: Im Kongo sind nach Recherchen von Nichtregierungsorganisationen 40 Prozent der Bergarbeiter Kinder.

Auch die mit der Förderung einhergehenden Umweltzerstörungen sind dort und anderswo immens. Zur Auswaschung des Goldes werden Zyanide und Quecksilber verwendet; danach gelangt das Edelmetall vielfach in Aktentaschen und kleinen Koffern über die Grenzen. Zum Beispiel in Dubai wird es dann entweder eingeschmolzen oder gleich zu Schmuck verarbeitet – um schließlich in Indien, China oder in einem der prächtigen Einkaufszentren Dubais verkauft zu werden. Allein die Rebellen im Ostkongo sollen mit diesem Handel bis zu 600 Millionen Dollar verdient haben.

Die Amerikaner haben bereits die Notbremse gezogen. Seit 2010 sind börsennotierte amerikanische Firmen dazu verpflichtet, die Lieferkette der sogenannten Konfliktrohstoffe Gold, Zinn, Tantal und Wolfram offenzulegen. Allerdings nur, wenn ihre Mineralien aus dem Kongo oder einem seiner Nachbarländer stammen. Die Umsätze bewaffneter Gruppen in der Region sollen seither um 65 Prozent gesunken sein.

Europas Industrie hingegen wehrt sich lautstark. Der BDI warnt davor, dass schon die Anwendung des US-Gesetzes für die betroffenen Unternehmen Kosten von acht Milliarden Euro verursachen würde.

Klar: Es entstehen Kosten, wenn Unternehmen die Lieferkette kontrollieren. Aber könnte es nicht sein, dass die meisten Verbraucher gerne fünf Euro mehr für ihr Handy bezahlen, wenn sie dafür eine Gegenleistung bekommen, die ihnen Firmen in Europa heute nicht geben: die Garantie nämlich, dass mit ihrem Geld weder Kinderarbeit noch Waffenkäufe ermöglicht werden?

Europa täte gut daran, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das Unternehmen zur Transparenz verpflichtet, statt ihnen die Entscheidung darüber zu überlassen, ob sie transparent sein wollen oder nicht. Übrigens: Sollten sich Europa und die USA auf ein transatlantisches Wirtschaftsabkommen einigen, könnten US-Rohstofffirmen künftig über den Umweg Europa amerikanische Gesetze umgehen. Die Lobby hätte auf ganzer Linie gesiegt.

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