Papst Franziskus (Mitte) nach einer Messe am Aschermittwoch in Rom © Osservatore Romano/Reuters

Der neue starke Mann im Vatikan hat einst Football gespielt und sieht auch so aus. George Pell ist ein kräftiger Typ, spricht Englisch und kommt von weit her, aus Australien, wo er bisher die katholische Diözese Sydney geführt hat. Doch nun, in einem Alter, in dem andere sich zur Ruhe setzen, packt der 72-Jährige seine Sachen und zieht nach Rom.

In der vergangenen Woche hat Papst Franziskus Pell zum Präfekten des Wirtschaftssekretariats ernannt. In dieser neuen Institution laufen künftig alle wirtschaftlichen Aktivitäten des Heiligen Stuhls und des Vatikans zusammen. Das Sekretariat soll Budgets planen, Zahlen kontrollieren, alles effizienter machen – beaufsichtigt wird es von einem 15 Köpfe zählenden Wirtschaftsrat. Kardinal Pell, sonst ganz "nüchterner Angelsachse", wie einer seiner Kollegen sagt, zeigte sich in einem Interview "tief geehrt".

In der Welt der 2000 Jahre alten katholischen Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Gläubigen kommt dieser Schritt einer Revolution gleich. Der Münchner Reinhard Kardinal Marx spricht von einem "tiefen Einschnitt in der Geschichte des Heiligen Stuhls". Der Papst hat Pell auch noch seinen persönlichen Sekretär zur Seite gestellt – ein weiteres, klares Signal, welch überragende Bedeutung die Reform in seinen Augen hat.

Angesichts immer neuer Finanzskandale sieht Franziskus die Glaubwürdigkeit der Kirche bedroht. Beim Geld legt er daher enorme Energie an den Tag. Der aktuelle Beschluss ist nur der jüngste in einer ganzen Reihe von Entscheidungen, mit denen der Papst die Kurie und ihre Finanzen umkrempelt. Franziskus schafft damit Fakten. Er ist dabei, einen jahrelangen Kampf zu entscheiden, in dem es um Macht, Eitelkeiten und die Zukunft der Kirche geht.

Bisher gab es munteres Nebeneinander. Es fängt schon damit an, dass es neben dem Heiligen Stuhl, also der juristischen Vertretung der katholischen Kirche, noch den Vatikan gibt, also den physischen Staat inmitten Roms, Heimat des Heiligen Stuhls. Beide verfügen über separate Haushalte in dreistelliger Millionenhöhe.

In der Sphäre des Heiligen Stuhls verwaltet die APSA das Vermögen der Kirchenzentrale und hält den Kontakt zu den Notenbanken der Welt. Eine andere Institution, die Präfektur, kümmerte sich bisher um die Budgets und die Revision in den rund 200 Einheiten der Kurie. Unabhängig davon gibt es noch eine Finanzaufsicht, die alle Geldflüsse überwacht. Eine Sonderrolle, losgelöst von allem, spielt noch das Institut für die religiösen Werke, kurz IOR, besser bekannt als Vatikanbank – obwohl es weder dem Vatikan unterstellt ist, noch eine Bank ist.

Einen übergeordneten Finanzminister, bei dem alles zusammenläuft, gab es bisher nicht. Dieser Rolle am nächsten kam der Kardinalstaatssekretär, der Regierungschef des Papstes. Er entschied, welche Informationen den Pontifex erreichten und welche Veränderungen in Angriff genommen oder unterlassen wurden. Doch ausgerechnet Tarcisio Bertone, der unter Benedikt XVI. dieses Amt bekleidete, war einer der größten Bremser, wenn es um Reformen ging. Das harte Ringen um die Vatikanfinanzen gilt als zentraler Faktor für den Rücktritt des alten Papstes.

Indem Franziskus nun das Wirtschaftssekretariat gründet, mit Pell an der Spitze, setzt er ein Zeichen – und dem Kardinalstaatssekretär eine Macht aus eigenem Recht entgegen. Schon der Name der neuen Institution signalisiert, dass sie dem Staatssekretariat, der alten Bastion der Macht, ebenbürtig ist. Das Wirtschaftssekretariat ist nicht dem Kardinalstaatssekretär, sondern direkt dem Papst unterstellt. Kardinal Pell steigt zu einem der mächtigsten Männer in Rom auf.

Auch der neue Wirtschaftsrat, der ihm beisteht, zeigt, welcher Wind durch den Vatikan fegt. Er besteht aus 15 Personen, wie das Kollegium der 15 Kardinäle, das bisher in Finanzfragen das letzte Wort hatte. Im Gegensatz zu diesem erlauchten Gremium werden dem Rat aber sieben Experten, also Laien, angehören – und nur noch acht Geistliche. Der Kreis wird sachkundiger, internationaler, offener. Eine Kleinigkeit? In Konzernen: ja. Im Vatikan: nein.