Geschlossene Trinkhalle in der Dieselstraße in Duisburg-Bruckhausen - Klicken Sie auf das Bild für weitere Fotos von Duisburg

Die Bilder, die sich andere von Duisburg machen: abgewohnte Gebäude, Industriebrachen, geschlossene Geschäfte, eine ästhetisch eingefangene Ödnis. "Hübsch hässlich habt ihr’s hier", sagt Pater Brown, gespielt von Heinz Rühmann, im Film Das schwarze Schaf.

Von der A 42 schaut man auf die Umrisse der Hochöfen. Wenn ich die sehe, bin ich angekommen, von dort, wohin es mich verschlagen hat, zurück an den Ort, wo meine Geschichte begann. Ich will, dass sie eines Tages auch hier endet. Die Ruhrpott-Romantik verstellt mir den Blick auf Duisburg nicht. Das satte Grün des Duisburger Waldes, die Sechs-Seen-Platte, Hochöfen, die über der Stadt thronen, die hohen Schlote, deren Spitzen in den Himmel stechen. Meine Freunde rümpfen die Nase, obwohl sie noch nie hier waren.

Zuerst war die Kohle da, dann kamen Menschen, dann die Maschinen, dann noch mehr Menschen, dann der Stahl und noch mehr Menschen. Aber man war nicht nur Arbeitsdrohne. Untereinander und miteinander. Gegensätze zu leben muss man sich leisten können. Unter Tage und am Hochofen zählte, sich aufeinander verlassen zu können. Nicht integriert, sondern miteinander vernetzt und verwoben zu einem starken Band. Eine Arbeiterbewegung entstand, eine Gewerkschaft, eine Sozialdemokratie und eine eigene Kultur, die selbstbewusst etwas bewegte. Aber dann war die Kohle weg, der Stahl, die Arbeitsplätze, und das saugte der Gegenwart alle Kraft aus, sodass die Zukunft woanders stattfand. Die Stadt ist zum Inbegriff westdeutscher Tristesse geworden.

Günter Wallraff deckte in Duisburg Skandale auf, Schimanski war das Abbild des gebrochenen Helden ohne Happy End, und Adolf Sauerland war die traurige Figur, die mit ihrem Klammergriff ans Amt Synonym wurde für die Apathie der ganzen Stadt. Und nun die Zuwanderung von Ausgegrenzten aus Bulgarien und Rumänien. Diese Bilder haben sich festgefressen. Pleite, überschuldet, ohne Spielraum, ohne Hoffnung.

"Na und!", möchte ich den Verfassern der Städte-Rankings, den Verkündern der Zukunftsatlanten und den Orakeln der Apokalypse entgegenschreien. Duisburg muss sich nur selbst neu erfinden. Wir können uns nur selbst helfen. Wer hat schon eine ganze Stadt von Verbündeten, die alle eine lebenswerte Stadt wollen, weil sie so rau und ehrlich und direkt ist, wie ihre Menschen, die man einfach lieben muss.

Duisburg ist das Barmädchen im Saloon. Sie hat einen zweifelhaften Ruf, aber ein goldenes Herz. Sie versucht erst gar nicht, die vielen Makel zu verhüllen, weil sie keine Allüren hat. Nehmt also das Barmädchen, so wie es ist, und steht zu ihm. Es wird euch glücklich machen.

Meine Liebe zu Duisburg ist bedingungslos. Wie es sich für eine echte Liebe gehört.

Das Bild ist von dem Fotografen Christian Werner