Er habe die "Katze noch gar nicht aus dem Sack gelassen", soll Martin Heidegger einmal seinen Freunden anvertraut haben, und seitdem durften die Philosophen rätseln. Was meinte er damit? Meinte er seine Denktagebücher, die geheimnisumwitterten schwarzen Wachshefte, die ganz zuletzt veröffentlicht werden sollten, gleichsam als Schlussstein im Gewölbe seiner philosophischen Kathedrale?

Wenn es sich so verhält, dann ist Heideggers Katze jetzt aus dem Sack. Die Schwarzen Hefte, fast 1300 Seiten stark, sind in der Welt, und auch wenn mancher Gedanke darin bekannt war: Die Hefte sind ein philosophischer Wahnsinn und in einigen Abschnitten ein Gedankenverbrechen. Es gibt nun keine Beruhigung mehr. Die treuherzige Geschichte, Heidegger habe sich nur kurz, nur für einen Wimpernschlag der Weltgeschichte, vom Faschismus verführen lassen, ist falsch. Selbst dort, wo er zu Hitler auf Distanz ging, tat er es nicht aus moralischer Empörung; er tat es, weil er sich vom Regime mehr erhofft hatte. "Aus der vollen Einsicht in die frühere Täuschung über das Wesen des Nationalsozialismus ergibt sich erst die Notwendigkeit seiner Bejahung, und zwar aus denkerischen Gründen."

Diesen Satz bringt Heidegger 1939 zu Papier, also zu einem Zeitpunkt, als er der Fabel nach Hitler längst abgeschworen und tapfer geistigen Widerstand geleistet hatte. Tatsächlich sieht Heidegger sich getäuscht, weil der Nationalsozialismus in der "Seinsfrage" versagt habe, genauer: weil er selbst die Ausgeburt jener neuzeitlichen "Machenschaften" war, die er doch überwinden sollte – amerikanisiert, rechnerisch und bodenlos technisch. Die Braunhemden, erkennt er, sind auch nur vom altmodernen Schlag, sie verbreiten Radio und Kino, sie mechanisieren deutsche Bauernhöfe und malen anschließend "Blut und Boden"-Parolen drauf. "Im Wesentlichen" hat Hitler nichts geändert, noch immer laufen die Deutschen dem "Fremden" nach, anstatt mit Hölderlin den "letzten Gott" zu empfangen. Hitler, das weiß er nun, wird die verhasste "Neuzeit" nicht überwinden, er kann sie nur noch "vollenden" und eine neue Lage schaffen. "Warum", so Heidegger nach dem Überfall auf Russland, "sollte nicht die Reinigung und Sicherung der Rasse dazu bestimmt sein, eine große Mischung zur Folge zu haben: die mit dem Slaventum?"

Heidegger schreibt dies 14 Jahre nach der Veröffentlichung von Sein und Zeit, einem Buch, das ihm 1927 über Nacht zu internationalem Ruhm verholfen und ihn auch für viele jüdische Studenten zum philosophischen Gottvater gemacht hatte. Heideggers Beschreibung des "In-der-Welt-Seins" war bahnbrechend und traf den Nerv der Zeit. Emmanuel Levinas zählt Sein und Zeit zu den "vier, fünf schönsten Büchern" der Philosophiegeschichte, denn Heidegger hatte eine blass gewordene Philosophie wieder existenziell dringlich gemacht: Der Mensch ist kein Ding, er ist ein "Selbstverhältnis" und muss seine "Geworfenheit" durch eine authentische Selbstwahl beglaubigen. So beginnt Heidegger mit der "Sorge um sich", er beginnt mit dem Subjekt. Und 1941 berauscht er sich an der Vorstellung, "die Technik" möge die Erde in die Luft sprengen, damit das "jetzige Menschentum" verschwinde, als "Reinigung des Seins von seiner tiefsten Verunstaltung".

"Das Dunkelste ist das Feuer und die Glut."

Was ist geschehen, wie kommt es zu dieser apokalyptischen Radikalisierung? Auch wenn Heideggers Denkweg oft beschrieben wurde, so sind die Schwarzen Hefte doch ein Protokoll aus erster Hand, sie ratifizieren sein Denken ungefiltert und mit schockierender Klarheit. Die Hefte beginnen im Oktober 1931 und zeigen den Philosophen in der Krise; der Ton ist ratlos, sein brachiales Selbstbewusstsein erschüttert. "Was sollen wir tun?" lautet der erste Satz, und Heidegger kämpft einen "einsamen" Kampf: gegen Kollegen wie Karl Jaspers, der Sein und Zeit als Gebrauchsanweisung zur privaten Selbsterhellung missdeute. Und er kämpft gegen sich selbst. Wütend nennt er Sein und Zeit eine "Schreiberei", die nicht ursprünglich genug gedacht sei. "Der grauenhafte 'Erfolg' ist ja nur, daß noch mehr und noch bodenloser über das 'Sein' geschwatzt wird."

Das "hysterische Existenzgetue" ödet ihn an, es passt nicht mehr in die neue "Weltbedrängnis". Was sich in seinen Vorlesungen schon andeutet, bekommt nun eine scharfe Kontur: Heidegger hat in Sein und Zeit das Subjekt überschätzt; der Glaube, der Mensch könne sich durch eine authentische Wahl zum "Eigentlichen" befreien, ist ein Irrglaube. Denn was ist jetzt, Anfang der dreißiger Jahre, noch der Mensch? Der Mensch "hat sich weggeschlichen aus dem Wesen", er sei nur "eine kleine, an den Strand geschwemmte Muschel". Die "letzten Menschen rasen durch Europa", und deshalb müsse das "Getue um den Menschen" verschwinden. Heidegger ist nun wieder der philosophische Riese auf den Schultern geistiger Zwerge – unter ihm Heerscharen von Seinsvergessenen und Massenmenschen, Aufschneidern und Schreihälsen. Sechs Millionen Menschen haben keine Arbeit, aber Heidegger sieht überall die geistige "Not der Notlosigkeit".

An dieser Stelle muss man kurz innehalten und einen Freiburger Studenten erwähnen, der 1968 rebellischen Studenten die Stichworte liefern wird: Herbert Marcuse war fasziniert von Heidegger, denn er glaubte, dieser liefere ihm das analytische Besteck für das Verständnis des kapitalistischen Menschen. Aber jetzt ist er entsetzt und bereitet seine Flucht in die Schweiz vor. Marcuse sieht, dass sein Lehrer einen irrwitzigen Fehler begeht: Heidegger, schreibt er 1934 in der Zeitschrift für Sozialforschung, streicht das Subjekt durch und übergibt es dem totalitären Staat. "Der Kampf gegen die Vernunft treibt ihn den herrschenden Gewalten blind in die Arme."

Deutschland ist dafür ausersehen, das "Geschick des Abendlandes" zu wenden

Genau so war es. Wo Heidegger in Sein und Zeit vom Einzelnen spricht, da sprechen die Schwarzen Hefte von "Volk" und "Staat", und wo früher von "Entscheidung" die Rede war, da wartet nun das "Geschick" des "Seins". Denn wenn die Menschen unfähig sind, ihr "Da-Sein" aus innerer Kraft zu erschließen, dann muss das "Sein" den Menschen von außen "in sein Wesen stoßen". 1931 will Heidegger den "Menschen hindurchjagen durch die ganze Fremdheit des Wesens von Sein", doch dazu bedarf es einer nationalen Revolution, die in der "Verkommenheit des abfließenden Zeitalters" das "Geschick des Abendlandes" wendet und den "Wiederanfang" wagt. "Wenn das anbrechende deutsche Dasein groß ist, dann trägt es Jahrtausende vor sich her ..."

Deutschland steht an der Zeitmauer, aber zu Heideggers großem Verdruss will das Volk nichts davon wissen. Den Deutschen fehlt der "Mut zum Schicksal", sie flüchten sich ins Katholische oder in "Kulturerlebnisse". "Wir stehen vor dem Nichts – allerdings, aber so, daß wir mit dem Nichts und diesem Stehen nicht Ernst machen." Deshalb muss jemand kommen, der Ernst macht und die Deutschen von ihrer Entfremdung entfremdet. Endlich, 1933, ist der Retter da.

Bei Adolf Hitler gerät Heidegger ins Schwärmen, offenbar hat ihn das Sein selbst vorbeigeschickt. Es sei eine "Beglückung", dass "der Führer eine neue Wirklichkeit erweckt hat, die unserem Denken die rechte Bahn und Stoßkraft gibt". Ein "herrlicher erwachender volklicher Wille steht hinein in ein großes Weltdunkel", und ein "großes Glauben geht durchs junge Land". Die "Welt geht wieder der Wahrheit" entgegen und bindet Deutschland zurück an die "ursprünglichen Mächte".

Für die Nazis ist Heidegger eine Trophäe – der berühmteste deutsche Philosoph bekennt sich zum "Führer" und verschafft dem Regime intellektuelle Reputation. So wird Heidegger 1933 Rektor der Universität Freiburg, aber er fühlt sich "zur Übernahme gedrängt" und ahnt, dass er höchstens "das ein oder andere" verhüten könne. Das Rektorat scheitert nach kurzer Zeit, Heidegger glaubt sich isoliert, um ihn herum nur "Lärmer, Macher, Streber, Gaukler, Deutler", all die Mäßigen und Mittelmäßigen, die "vertraulich tun mit der kleinen und faden Erregtheit der Menge und ihrem dünnen Vergnügen; die im Trüben treiben und das Törichte begaffen".

Heidegger ist abgestoßen von den Vulgärnationalsozialisten, und deshalb versteht er sein Denken als "Metapolitik", die weiter denke, als die NS-Hohlköpfe dies je vermöchten. An der seinsgeschichtlichen "Notwendigkeit des Nationalsozialismus" duldet er keinen Zweifel, aber er fürchtet, dass der nationalrevolutionäre Aufbruch zum Erliegen komme. "Der Nationalsozialismus ist ein barbarisches Prinzip. Das ist sein Wesentliches und seine mögliche Größe. Die Gefahr ist nicht er selbst – sondern dass er verharmlost wird in eine Predigt des Wahren, Guten und Schönen." Bald beschwert er sich über Wagners "Unterleibsmusik" und einen "Amerikanismus der Biederkeit"; ein "Zeitalter, in dem der Boxer als der große Mann gilt", habe für tiefere Fragen keinen Sinn. Und 1938, die Konzentrationslager waren längst mit Sozialdemokraten und Kommunisten gefüllt, notiert er: "Es fallen keine Entscheidungen mehr, die sich der Wahrheit des Seins aussetzen." Das "Seyn", das "stille Herdfeuer im verlassenen Hause des 'Seienden'", zieht sich zurück. "Das Dunkelste ist das Feuer und die Glut."

"Das beste Blut der Besten des eigenen Volkes"

In solchen Sätzen kündigt sich ein Einstellungswechsel an, den Heidegger dann unter dem Eindruck der Kriegsereignisse vollziehen wird. Er bekommt Zweifel, ob der Nationalsozialismus die verachtete "Neuzeit" überwindet – oder doch nur "vollendet". Heidegger wittert einen "Verbleib beim jetzigen Menschentum", ein Ausweichen vor der Wahrheitsfrage, denn "niemand will sich mehr opfern". Der "Nationalsozialismus ist keine fertige Wahrheit, er muss noch ein Geheimnis haben und etwas zu verschweigen". Wenn "aber das Gegenwärtige schon das Erreichte und Gewollte wäre, dann bleibt nur ein Grauen vor dem Verfall übrig". Die "Bewegung" müsse im Kampf bleiben. Doch "wo steht der Feind und wie wird er geschaffen?"

Seite für Seite rechnet Heidegger nun ab mit den vergnügungssüchtigen, "vermenschten Menschen", die sich mit ihrem toten christlichen Gott in der "Not der Notlosigkeit" verhausen. Niemand, der anfängt mit dem "Wiederanfang"; stattdessen hat sich unter Hitler die Seinsvergessenheit "verfestigt". Die Nationalsozialisten stecken mit ihren Stiefeln fest in den Endmoränen der Neuzeit – im Zeitalter des Rechenhaften mit seinem Nationalismus, Biologismus und primitiven Rassismus.

Und dann, mit Beginn des Zweiten Weltkriegs, gibt es keinen Zweifel mehr: Der Nationalsozialismus ist für Heidegger nicht der Überwinder, er ist bloß eine Variante jener "Neuzeit", die er doch ursprünglich bekämpfen sollte. Damit treibt Deutschland in ein Untergangsschauspiel, in dem die Metaphysik der Moderne unter wechselnden Masken mit sich selbst im Kampf liegt – jener "bodenlose" Geist der "machinalen Oekonomie", den die "schlechthin ungebundenen" Juden mit ihrer "zähen Geschicklichkeit des Rechnens und Schiebens und Durcheinandermischens" mit zu verantworten haben. Nach Hitlers Überfall auf Europa steht für Heidegger fest: Die Juden sind eine feindliche Macht und haben sich überall eine "Unterkunft im 'Geist'" erobert. Doch zum "ursprünglichen" Denken sind sie unfähig. "Je anfänglicher die künftigen Entscheidungen und Fragen werden, um so unzugänglicher bleiben sie dieser 'Rasse'."

Einige dieser antisemitischen Ausfälle sind Ende vergangenen Jahres bekannt geworden und riefen prompt die Allianz der apologetischen Aufpasser auf den Plan. Die judenfeindlichen Zitate, so der Vorwurf, seien aus dem Zusammenhang gerissen, im Übrigen sei Heideggers Antisemitismus weltbekannt und beschränke sich auf die unter katholischen Gotteskindern übliche Judenfeindschaft. Doch dieser hermeneutische Trick, Heideggers Antisemitismus erst festzustellen, um ihn dann luftdicht verpackt von seiner Philosophie abzuspalten, verfängt nicht mehr. Die Judenfeindschaft in den Schwarzen Heften ist kein Beiwerk; sie bildet das Fundament der philosophischen Diagnose.

Heidegger trauert um das abwesende "Sein", aber nicht um die Menschen

Mit diabolischem Scharfsinn versucht Heidegger nämlich nachzuweisen, dass alle Kriegsparteien demselben Denken entspringen – ebenjener "Rechenhaftigkeit" der jüdisch infizierten abendländischen "Metaphysik", die sich auf dem europäischen Schlachtfeld in einer "Despotie des Niemand" selbst zugrunde richtet. Anders gesagt: Für Heidegger gleichen sich die Kriegsgegner aufs Haar. Die "imperialistisch-kriegerische" Denkweise (Hitler) und die "menschheitlich-pazifistische Denkweise" (des Westens) sind "nur die zueinandergehörigen und je als Vorwand vorgebrachten 'Gesinnungen'", also "Ausläufer" desselben wurzellosen Denkens, das er den Juden zur Last legt. "Daher kann sich auch beider das 'internationale Judentum' bedienen" – also jene "Rechenhaften", die für Heidegger die "Entrassung der Völker" betreiben und deren leere Rationalität offensichtlich noch den Faschismus durchdringt. Das Weltjudentum führt Krieg, aber sterben müssen die anderen. "Das Weltjudentum, aufgestachelt durch die aus Deutschland hinausgelassenen Emigranten, ist überall unfaßbar und braucht sich bei aller Machtentfaltung nirgends an kriegerischen Handlungen zu beteiligen, wogegen uns nur bleibt, das beste Blut der Besten des eigenen Volkes zu opfern." Angesichts dieser Sätze fragt sich Peter Trawny, der Herausgeber der Schwarzen Hefte, in seinem Buch Heidegger und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung (Klostermann), ob der Philosoph behaupte, die Nazis seien "von den Juden verführte Deutsche". Vermutlich ja.

"Moral ist nur Glitzerlack"

Es ist wie so oft in Heideggers Werk. Mit lyrischer Trauer belauscht der Waldgänger das letzte Weh des dahinschwindenden "Seyns", aber für das Leiden der Menschenwesen findet er keine Worte. "Moral" ekelt ihn an, denn Moral ist nur der Glitzerlack über der "händlerischen Rechenhaftigkeit der englisch-amerikanischen Welt". Es ist quälend zu sehen, wie Heidegger dabei einen großartigen Gedanken ruiniert, seine schon in Sein und Zeit formulierte Kritik am neuzeitlichen Subjekt, das durch sein Rechnen und Vorstellen die Welt immer schon zurichtet und nur duldet, was ihm gleicht. Heidegger, der Allesdurchschauer, ist in den Schwarzen Heften selbst dieses arme, sich im Spiegel seiner Vorstellungen verlaufende Subjekt – was er zum rettenden "Seyn" fetischisiert, das ist seine eigene Projektion und genau darauf berechnet, stets das Gegenteil dessen zu sein, was als humanes Versprechen in der Welt ist: Demokratie, Recht und Freiheit.

Kein Wort verlor Heidegger nach dem Weltkrieg über die Ermordung der europäischen Juden, vielleicht aus Unvermögen, vielleicht aus Scham. Oder einfach deshalb, weil er sich treu geblieben war. Trawny berichtet, Heidegger sei immer noch der Überzeugung gewesen, das "Weltjudentum" habe Deutschland im Zweiten Weltkrieg in die Knie zwingen wollen, und tatsächlich obsiegt für ihn 1945 abermals der Geist der Moderne, der "Wille zur Macht innerhalb der planetarisch gesehenen Geschichte. In dieser Wirklichkeit steht heute Alles, mag es Kommunismus heißen oder Faschismus oder Weltdemokratie." All diese Schamlosigkeiten haben nicht verhindert, dass Heidegger wieder zu Ehren kam, und in Lutz Hachmeisters Buch Heideggers Testament (Propyläen Verlag) ist jetzt nachzulesen, wie dreist und bauernschlau er sich dabei in Szene setzte. Selbst Rudolf Augstein ging beim berühmten Spiegel-Interview, das 1966 geführt wurde, seiner Vertuschungsstrategie "auf den Leim". Man fand sich sympathisch, denn auch Augstein konnte die "Schwarzen" unter Adenauer nicht ausstehen – jene Christkatholischen, die für den konfessionellen Neuheiden Heidegger schon immer die Pest waren.

Und nun? Trawny sieht Heideggers "gesamte Erbschaft" bedroht, aber sein Werk besteht ja nicht nur aus Schwarzen Heften. Allerdings: Die geräuschlose Wiedereingliederung Heideggers in die konservativen Kontinuitäten der deutschen Geistesgeschichte hat einen Rückschlag erlitten, nun helfen auch die stilecht aufgerüschten Fleißarbeiten nationaler Selbstversöhner nicht mehr, die Heidegger als spirituelle Deckungsreserve für kapitalistische Sinnkrisen ins Schaufenster stellen. Das Unfassbare bleibt, und es wird eher größer. Wie konnte es geschehen, dass sich ein deutscher Philosoph – nach Lessing und Kant, nach Heine und Hegel – bei vollem Bewusstsein in die globale Vernichtung hineinfantasierte und die Auslöschung der vom undeutschen Geist verdorbenen Welt zum Letztbeweis für die "Größe des Seyns" veredelte? Aber so war es. 1941, nachdem Deutschland die Welt in Brand gesteckt hat, bringt Martin Heidegger, der "größte Denker des Jahrhunderts", der "Held des geheimen Deutschland", der "Hölderlin im Turm der Philosophie", der "geniale Fortsetzer des Griechentums", diesen Satz zu Papier: "Alles muss durch die völlige Verwüstung hindurch. Nur so ist das zweitausendjährige Gefüge der Metaphysik zu erschüttern."