Bereits 1992, während der Dreharbeiten zu seinem ersten Musikvideo, hatte er Sofia Coppola kennengelernt und sie 1999 geheiratet. Die Ehe zerbrach, als Coppola ihren Film Lost in Translation vorbereitete, der 2003 in die Kinos kam. Die unsympathische Nebenfigur, ein erfolgreicher Fotograf, der seine Frau vernachlässigt und lieber mit einer blonden Hollywood-Schauspielerin flirtet, hat erstaunliche Ähnlichkeit mit Spike Jonze, dem damals eine Affäre mit Cameron Diaz nachgesagt wurde.

Sie waren ein Paar: Sofia Coppola und Spike Jonze heirateten 1999 und ließen sich 2003 scheiden © Fred Prouser/Reuters

Als Her vor einigen Wochen in Amerika in die Kinos kam, wurden sofort Parallelen zu Lost in Translation gezogen. Nicht nur, dass beide Filme das Lebensgefühl ihrer Zeit spiegeln, sie sind der Gegenwart genau jene zwei, drei Schritte voraus, die die Zuschauer noch nachvollziehen können. In Her wird beispielsweise die Abhängigkeit vom Smartphone so überhöht, dass daraus eine Liebesbeziehung entsteht. Scarlett Johansson spielt in beiden Filmen mit, und auch in Her gibt es eine eher schwierige Nebenfigur, diesmal eine international erfolgreiche Schriftstellerin, die auch optisch Ähnlichkeit mit der echten Sofia Coppola hat. In Her läuft die Scheidung zwischen ihr und der männlichen Hauptfigur, in Rückblenden wird erzählt, wie sie sich am Anfang ihrer Beziehung gegenseitig inspiriert – und dann nur noch heftig miteinander gestritten haben. "Ich bin von den Vergleichen mit Lost in Translation nicht überrascht", sagt Spike Jonze. "Ich liebe diesen Film, und wenn man etwas liebt, wird es einen immer beeinflussen. Und klar, Scarlett ist in beiden Filmen dabei, beide Geschichten spielen vor dem Hintergrund einer modernen, utopisch wirkenden Großstadt. Da liegt der Vergleich natürlich nahe." Mehr möchte er dazu nicht sagen. Hollywood-Diplomatie.

Was, glaubt er, macht eine glückliche Beziehung aus? Er zögert, denkt nach. "Hmmm. Das ist eine große Frage. Wenn ich versuchen würde, sie zu beantworten, würde ich scheitern. Es gibt ja diese Debatte, ob uns die moderne Technologie einsam macht. Das glaube ich nicht. Es war auch vor den Smartphones und dem Internet möglich, Nähe zu anderen zu vermeiden." Fällt es ihm selbst leicht, Nähe zuzulassen? "Bei Menschen, die ich sehr gut kenne: ja."

Er rutscht auf dem Sofa kurz nach vorne und wieder zurück. Lächelt. Privater möchte er nicht werden, aber dann will er doch noch etwas über das Glück in der Liebe sagen. "Wahrscheinlich ist es das Anstrengendste in einer Beziehung, dir selbst ehrlich einzugestehen, was du wirklich brauchst, und es zu schaffen, das deinem Partner zu sagen. Und umgekehrt. Dass man gemeinsam feststellt, was man sich geben kann und was nicht. Und das alles, ohne diese Diskussion als Angriff zu verstehen."

Spike Jonze wird in diesem Jahr 45, seit über einem Vierteljahrhundert beeinflusst er die Popkultur, seit einigen Jahren arbeitet er auch für das Medienunternehmen Vice, das MTV der Gegenwart. Er will einfach nicht aufhören, immer wieder Neues auszuprobieren. "Darum geht es doch: die Dinge anders zu machen. Du hast keine Ahnung, wie du es hinbekommen sollst, und dann versuchst du es trotzdem und lernst, während du es versuchst." Das New York Times Magazine hat es einmal so beschrieben: Eine neue Idee von Spike Jonze beginnt meistens mit der Frage "Wäre es nicht cool, wenn ...?". Jonze nickt. "Ja, so kann man das sagen."

Im vergangenen Jahr hat er den Auftrag bekommen, Regie zu führen bei den ersten YouTube-Awards in New York. "Wir alle kennen ja diese langweiligen Awardshows mit rotem Teppich", sagt Jonze, "da dachte ich mir, können wir nicht etwas anderes machen? Zum Beispiel: Musikvideos live zu produzieren?"

Wäre es nicht cool, wenn ...? Also brachte er erfahrene Musikvideoleute, die noch nie Live-Fernsehen gemacht hatten, zusammen mit erfahrenen Live-Fernsehmachern, die noch nie Musikvideos gemacht hatten. Heraus kam eine ziemlich wilde, aber nie langweilige Sendung, in der die Schauspielerin Greta Gerwig mit einem Kinderchor zur Musik von Arcade Fire tanzte. "In den Wochen der Vorbereitung habe ich mich gefühlt wie ein Teenager", sagt Jonze, "all diese tollen Künstler zusammen in einem Raum, es war großartig."

Dann ist unsere Interviewzeit zu Ende. Eine Frage noch: Hatte der Teenager Spike Jonze eine Idee davon, wie er als Erwachsener sein würde? "Ich erinnere mich genau, ich war 15, als ich mir die Frage gestellt habe: Wie werde ich wohl sein, wenn ich 30 bin? Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen. Nur eines habe ich mir gedacht: Als Erwachsener wirst du einen Bart tragen. Und er sah in meiner Fantasie auch ungefähr so aus wie der Bart, den ich heute trage."

Dann verabschiedet er sich für die Fotoaufnahmen, die in einem anderen Raum stattfinden. Aus der Entfernung ist ein letztes Mal seine Stimme zu hören, in diesem erstaunlich hohen, jungenhaften Ton. Es ist, als sei die Stimme von Spike Jonze einfach in dem Alter stehen geblieben, das für ihn so prägend war. Dreizehn, für immer.