Es war im November, als die "Lieben Freunde der Deutschen Umweltstiftung" eine vielversprechende E-Mail erreichte. Betreff: "Jetzt mitmachen: PureForest". Der Absender war Jörg Sommer, der Vorsitzende der Umweltstiftung. Beim PureForest, so erfuhren die Empfänger der Nachricht, handele es sich um einen 7,8 Millionen Euro schweren Fonds, der in Wald investiere und dessen Zeichnungsfrist in wenigen Wochen ende. Es wäre, so schrieb Sommer, "ein starkes politisches Signal, wenn dieser Fonds bis zum letzten Cent gezeichnet, besser noch überzeichnet wäre". Die Rendite stimme ja auch: "Rund 7,5 Prozent (vor Steuern) werden erwartet. Das sollen die Banker erstmal nachmachen." Er selbst, so versicherte Sommer, habe längst in diesen Fonds investiert. "Vielleicht sehen wir uns bald im Investorenkreis? Ich würde mich freuen."

Man fragt sich: Warum trommelt eine gemeinnützige Stiftung für eine spezielle Geldanlage? Warum nutzt der Vorsitzende den offiziellen E-Mail-Verteiler seiner Organisation für solch ein Werbeschreiben? Weshalb verschweigt Jörg Sommer, dass hinter dem Angebot ein Unternehmer steht, der mit seiner Einrichtung verbandelt ist: Harry Assenmacher, Mitglied des "Senats" der Umweltstiftung? Und was ist das überhaupt für ein Investment, das Sommer da als "ökologisch", "fair" und "revolutionär" preist?

Wer diesen Fragen nachgeht, der stößt auf eine Firma, die bei rund 13.000 deutschen Kleinanlegern schon mehr als 70 Millionen Euro eingeworben hat. Und die Tendenz ist stark steigend.

ForestFinance heißt das Bonner Unternehmen. Inhaber ist Harry Assenmacher, 58 Jahre alt, ein grüner Tausendsassa: früherer taz-Journalist; ehemaliger Geschäftsführer beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND); Ex-Geschäftsführer des alternativen Verkehrsclubs VCD; Mitglied im Global Economic Network; Autor mehrerer Bücher, die Titel tragen wie Das große Umwelthandbuch.

Assenmachers Geschäftsstrategie ähnelt der des umstrittenen Windanlagenbauers Prokon: Er vermengt hehre ökologische mit attraktiven ökonomischen Versprechen.

Das zentrale Anlagevehikel der Firma trägt den beziehungsreichen Namen WoodStockInvest. Für 35.500 Euro können Anleger einen Hektar Weideland in Panama erwerben, der aufgeforstet und 25 Jahre lang bewirtschaftet wird. Abzüglich des Landpreises soll er eine Verzinsung von "bis zu zehn Prozent" pro Jahr abwerfen. Durch den Zinseszinseffekt ergebe sich, so liest man in der Informationsbroschüre, die auf Anfrage per Post zugeschickt wird, eine Ausschüttung von maximal 320.000 Euro – nominal also beinahe eine Verzehnfachung des Einsatzes.

Sind diese Versprechen seriös? Die ZEIT hat dazu mit Branchenexperten aus Deutschland, Mittelamerika und dem angelsächsischen Raum gesprochen. Sie hat die Zahlen von ForestFinance mit den Kalkulationen konkurrierender Anbieter verglichen. Und sie hat Fachpublikationen namhafter Institutionen wie der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zu Rate gezogen.

Das Resultat dieser Recherchen: Die Angebote von ForestFinance erscheinen maßlos überteuert, die in Aussicht gestellten Renditeziele realitätsfern. Es sieht danach aus, als hätten deutsche Privatanleger wieder einmal hohe Millionenbeträge in wacklige Ökoinvestments gesteckt.

Dies ist ein schwerer Vorwurf. Und obwohl er sich mit einer Fülle von Indizien untermauern lässt, ist er bis auf Weiteres nicht letztgültig zu beweisen. Dies liegt in der Natur der Sache – in der Natur der Ressource Holz. Ein Baum muss wachsen. Manche Tropenhölzer wie zum Beispiel Teak gedeihen in Ländern wie Panama relativ zügig. Doch 15 bis 18, besser noch 20 bis 25 Jahre, braucht es trotzdem, bis ein Teakbaum so groß ist, dass es sich lohnt, ihn zu fällen.