Das also ist der Mann, dem Deutschland das Ende der Atomkraft verdankt. Nicht ihm alleine, natürlich, aber ihm wahrscheinlich mehr als jedem anderen. Rainer Baake, Sigmar Gabriels neuer Staatssekretär im Energieministerium, ist ein hochgewachsener Mann mit auffällig hellen Augen und einem Körperbau, für den man in seinem Alter, mit Ende fünfzig, gewöhnlich einigen Aufwand betreiben muss.

Mr. Atomausstieg, kann man das so sagen?

"Ich nehme das jetzt mal als Kompliment."

Wie sonst. Mögen die erneuerbaren Stromquellen die Deutschen noch in euphorische Anhänger und misstrauische Skeptiker spalten, mit der Atomenergie ist das Land fertig. Wer wirklich im Jahr 2014 noch den abgeschalteten AKWs hinterhertrauert, der muss lange suchen, bis er einen Gleichgesinnten findet.

Was das mit Rainer Baake zu tun hat? Nun, es war Baake, der in den Achtzigern in der ersten rot-grünen Landesregierung in Hessen als Umweltstaatssekretär die Betreiber der Hanauer Nuklearbetriebe quälte. Baake war es, der als grüner Energieexperte kurz vor dem Regierungswechsel am Ende der Ära Kohl einen Plan für den Atomausstieg entwickelte. Baake war es, der diesen Plan als Staatssekretär im Bundesumweltministerium Jürgen Trittins umsetzte. Und als Bundeskanzler Schröder damals, genervt vom Protest seiner Kumpane in der Energiewirtschaft, die Parole "mehr Fischer, weniger Trittin" ausgab – da war es weder dieser noch jener, sondern immer noch Rainer Baake, der mit der Industrie einen "Atomkonsens" aushandelte. Eine Formulierung wie erdacht zur Demütigung der besiegten Branche, der natürlich nichts ferner lag, als dem Ausstieg aus der Kernenergie freiwillig zuzustimmen.

An Rainer Baake führt in der Energiepolitik kein Weg vorbei, dabei ist es im Grunde bis heute geblieben. Als in Fukushima die Reaktoren absoffen und explodierten, rief er im Umweltministerium an, um an eine alte Sicherheitsanalyse zu erinnern – sie betraf genau jene deutschen Atomkraftwerke, die dann tatsächlich zuerst abgeschaltet wurden. Und als im vergangenen Herbst die neue Bundesregierung gebildet wurde, da konnte es nur auf Baake als Manager der Energiewende hinauslaufen – sei es auf seinem gegenwärtigen Posten, sei es als grüner Umweltminister in einer schwarz-grünen Koalition.

Es liegt nahe, sich eine solche Karriere als vorsichtigen Vormarsch in die Institutionen vorzustellen, aus der außerparlamentarischen Opposition der grün-alternativen Anti-AKW-Szene in die Mitte des energiepolitischen Mainstreams. Baake sieht das anders: Im Streit um die Atomkraft, sagt er, habe er sich auch schon vor zwanzig Jahren als Vollstrecker eines Mehrheitswillens gesehen. Regierten die rot-grünen Regierungen nicht mit stabilen Mehrheiten? Na also.

Man muss sich für einen Moment in die frühen Jahre von Rot-Grün zurückversetzen, um ermessen zu können, wie viel Kaltschnäuzigkeit diese Haltung erfordert. Die erste rot-grüne Landesregierung in Hessen, gebildet Mitte der Achtziger, wurde von einem Ministerpräsidenten geführt, der den Heutigen vor allem durch einen Satz in Erinnerung blieb: "Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt" – so sprach Holger Börner damals über linke Demonstranten.