Baake dagegen nimmt eine Position ein, wie sie ähnlich auch von den Klimaschützern der EU um Klimakommissarin Connie Hedegaard vertreten wird: Sie wollen den Klimaschutz aus der Sphäre der Auflagen und Grenzwerte befreien und zum Geschäftsmodell machen. Aus dieser Perspektive ist weniger die Zahl der Windräder und Solaranlagen wichtig als ihr Preis. Erst wenn die Erneuerbaren den konventionellen Energieträgern auch ökonomisch überlegen sind, können sie ihren Siegeszug in weniger reichen Erdteilen antreten, weshalb es nun darauf ankomme, die Ökostrombranche zu Einsparungen und weiteren Effizienzgewinnen zu zwingen. "Die Geschichte wird zeigen", sagt Baake, "ob Deutschlands größter Beitrag zum globalen Klimaschutz nicht in der Entwicklung der Erneuerbaren bestehen wird."

Das ist ein plausibles Argument. Dass Sonne und Wind in Europa inzwischen als ernst zu nehmende Energiequellen gelten, hat die Fantasie von Umweltschützern in Indien und China ungeheuer beflügelt. Andererseits berufen sich inzwischen auch australische Ökoreaktionäre auf das Beispiel der deutschen Energiewende: teuer und bringt nichts. Aber ist es nicht eine Flucht ins Grundsätzliche, Deutschlands konkretes Klimaziel für das Jahr 2020, wenn es außer Reichweite gerät, plötzlich nicht mehr so wichtig zu finden? Angeblich war es doch mit dem Atomausstieg vereinbar. Warum, Herr Baake, produziert die deutsche Strombranche trotz ihrer vielen neuen Windräder und Solaranlagen immer mehr CO₂?

Eine "sehr ärgerliche Entwicklung" sei das, sagt Baake – die aber mit der Energiewende nichts zu tun habe: Schuld sei allein der schlechte Zustand des europäischen Emissionshandels, der Kohlestrom zu billig mache. Daran allerdings wird sich so schnell nichts ändern, weshalb man als Laie glauben könnte, dass die Fachleute des Ökolagers sich auf diese Situation eingestellt hätten. Wie sieht der Plan B aus, wenn der Emissionshandel als Stütze der Energiewende ausfällt? "Einen Plan B? Den sehe ich nicht. Wer die CO₂-Emissionen aus den Kohlekraftwerken reduzieren will, muss den Emissionshandel reformieren."

Kann das wahr sein: Die ökologische Bilanz der deutschen Energiewende liegt in den Händen der europäischen Regierungschefs, weil allein diese über die Zukunft des Emissionshandels entscheiden? "Der deutsche Gesetzgeber kann daran nichts ändern." Also auch Staatssekretär Baake nicht.

Aber wird er am Ende daran gemessen werden? Drei Jahre, großzügig geschätzt, bleiben ihm nun als Gestalter, danach ist Wahlkampf. Wenn Baake bis dahin auf seinem Posten durchhält, dann wird er in diesem Wahlkampf zum Kronzeugen werden. Entweder der eigenen Partei, um zu begründen, dass echter Umweltschutz ohne grüne Regierungsbeteiligung eben doch nicht zu haben ist – oder für die Parteien der großen Koalition, um das Gegenteil zu bezeugen.

Am Ende hat das Gespräch fast zwei Stunden gedauert. Über die Mechanik der Energiewende, über ihre politischen und ökonomischen Grundlagen, über das Kleinklein und das große Ganze kann man mit Rainer Baake wunderbar reden. Nur eine Frage muss offenbleiben: Ist er eigentlich zufrieden mit dem, was er tut? Oder würde der grüne Staatssekretär in der schwarz-roten Regierung, wenn sein Minister ihn nur ließe, irgendetwas anders machen? Am Ende wird dies die Frage sein, auf die es ankommt. Rainer Baake beantwortet sie nicht.