Uli Hoeneß © Michael Dalder/Reuters

Einmal schauen, wie der berühmteste Straftäter der Republik bald leben wird, einmal hören, welche Arbeiten auf ihn zukommen: Nächste Woche dürfen Journalisten sich ein Bild davon machen, welche Haftbedingungen Uli Hoeneß in der Justizvollzugsanstalt in Landsberg am Lech erwarten. Dort muss der Ex-Präsident des FC Bayern München demnächst seine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten antreten.

Während sich die Scheinwerfer der Medien bereits auf die Zukunft richten, scheinen sich langsam ein paar Rätsel der Vergangenheit zu klären, die nach dem Urteil offen geblieben waren: Woher kam das Geld zum Beispiel? Wie konnte es sich so drastisch vermehren?

Kenner der Vorgänge, die zum Fall des Fußballmannes führten, berichten neue Details. Nach Informationen der ZEIT waren neben dem Züricher Bankhaus Vontobel weitere Banken direkt an den Spekulationen des Managers beteiligt – unter ihnen Julius Bär. Der Eindruck, Hoeneß habe seine Geschäfte immer nur über einen Devisenhändler bei Vontobel abgewickelt, ist demnach abwegig. Viel Geld floss hin und her, zwischen den Banken, aber auch zwischen den Konten von Uli Hoeneß. Zudem wird deutlich, dass die Mittel des heute 62 Jahre alten Managers in Zürich größer waren als bisher bekannt.

Mutmaßungen, dass hinter dem Fall mehr stecken müsse als die wahnwitzigen Geschäfte eines Einzelnen, werden durch die neuen Erkenntnisse eher geschwächt als gestützt. Allerdings, so viel scheint auch klar: Uli Hoeneß war kein überforderter Zocker, sondern wusste, was er tat.

Bislang lautete die Lesart des Falles: Hier war der Spekulant Uli Hoeneß, der sich mittels Pager über das Geschehen an den Börsen auf dem Laufenden hielt – dort der oberste Devisenhändler bei der Bank Vontobel, dem Hoeneß persönlich vertraute und seine Aufträge erteilte. Ein Geschäft wie unter Buddys also. "Ich habe außerordentlich oft mit der Bank telefoniert, sogar nachts", sagte Hoeneß in seiner Einlassung vor Gericht.

Konkret liefen die Zockereien des Uli Hoeneß deutlich organisierter und komplexer ab. Kenner beschreiben die Devisenabteilung von Vontobel als klein – zu klein. "Die können Devisenhandel nur während der Bürozeiten anbieten", heißt es. Nicht nachts also. Zudem müsse auch der besagte Devisenhändler mal Urlaub machen. Finanzkreisen zufolge, schloss Vontobel daher Kooperationsverträge mit mindestens zwei anderen Banken ab. Mit deren Hilfe stellte man sicher, dass der Großkunde Uli Hoeneß seine Geschäfte zu jeder Tages- und Nachtzeit abwickeln konnte.

Wenn Hoeneß in der Nacht zockte, rechneten die Banken anderntags ab

Eine dieser Adressen war Julius Bär, eine weit größere Schweizer Privatbank. Dort kann ständig mit Devisen gehandelt werden, an 16 Stunden des Tages über Zürich und nachts, in den restlichen 8 Stunden, über Singapur. "Kunden, die rund um die Uhr handeln wollen, werden dann nämlich weitergeleitet", ist zu hören. In der Praxis lief das nach Aussagen mehrerer Kenner wie folgt: Vontobel und Julius Bär vereinbarten jeden Tag aufs Neue ein Limit dafür, wie viel Kapital Hoeneß einsetzen durfte. Dieser bekam Ansprechpartner bei der Partnerbank genannt, die er anrufen konnte und denen er seine Aufträge durchgab. "Er konnte sich direkt an Leute bei Julius Bär wenden", heißt es übereinstimmend.

Kunde der anderen Banken war nicht Hoeneß, sondern Vontobel. Hatte Hoeneß nachts gehandelt, wurde das am nächsten Tag zwischen den Instituten abgerechnet. Sofern die Geschäfte bei der Partnerbank zu Verlusten geführt hatten, glich Vontobel diese aus. Hatte Hoeneß Gewinne erzielt, landeten diese auf seinem Konto. Es sei Geld "hin und her" geflossen, berichtet ein Kenner.