Julian Vester (mitte) und das Team der Agentur Elbdudler. © Benne Ochs für DIE ZEIT

Julian Vester ist 30 Jahre alt. Vielleicht ist dies ein Alter, in dem man noch eine kleine Revolution anzetteln kann. Er probiert es, und zwar im Unternehmen, das er selbst gegründet hat. In seiner Agentur Elbdudler in Eimsbüttel entscheidet heute jeder selbst, wo, wann und wie viel er arbeitet – und wie viel Geld er dafür möchte. Funktioniert das?

DIE ZEIT: Herr Vester, was verdienen Sie?

Julian Vester: Ich bekomme ein Geschäftsführergehalt von 6000 Euro. Als Firmeninhaber zahle ich mir zurzeit keine Gewinne aus.

ZEIT: Ihre Offenheit erstaunt.

Vester: Ich verstehe die ganze Heimlichtuerei ums Geld überhaupt nicht. In unserer Firma kann jeder jeden Euro nachvollziehen.

ZEIT: Und jetzt soll auch jeder das Gehalt bekommen, das er sich wünscht. Haben sich Ihre Angestellten gefreut?

Vester: Die Reaktionen waren gemischt. Bei uns ist zwar alles transparent, aber man führt sich ja trotzdem nicht jeden Tag vor Augen, wer wie viel verdient. Das musste erst mal sacken. Grundsätzlich fiel die Idee hier auf fruchtbaren Boden, weil wir ohnehin vieles anders machen. Am Ende haben alle gesagt: Wir probieren das einfach mal aus.

ZEIT: Und wie?

Vester: Ich habe eine Liste mit allen Namen und aktuellen Gehältern erstellt. Daneben sollte jeder sein Wunschgehalt eintragen und sich dabei vier Fragen stellen: Was brauche ich? Was verdiene ich auf dem freien Markt? Was verdienen meine Kollegen? Und: Was kann die Firma sich leisten? An diesem Punkt gab es die ersten Konflikte. Aber genau das wollte ich. Wenn Unzufriedenheit da ist, muss man damit umgehen. Wir haben daraufhin ein Peer-Review-System eingeführt: Jeder sucht sich zwei bis fünf Kollegen, die das Wunschgehalt absegnen.

ZEIT: Was haben Ihre Angestellten gefordert?

Vester: Ein Drittel hat sich eine Gehaltserhöhung verordnet. Das zweite Drittel hat zwar diskutiert, ist aber beim bisherigen Gehalt geblieben. Der Rest war zufrieden. Die höchste Forderung lag bei 1000 Euro Aufschlag.

ZEIT: Und Sie?

Vester: Ich hätte gerne 9000 Euro im Monat.

ZEIT: Wie finden Ihre Mitarbeiter das?

Vester: Okay. Ich kann das ja begründen. Ich bin der Geschäftsführer und trage die Verantwortung. Ich hätte mir noch mehr geben können.