Madison in Wisconsin wird regelmäßig vom Money Magazine zu einem der Orte in den USA gewählt, in denen es sich am besten leben lässt. Noch besser geht es den Leuten in Madisons Vorort Maple Bluff: Sie sind so gut betucht und so weiß, dass sie als Mitbewohner ihres Steuerparadieses sogar einen schwarzen Professor aus Ruanda ertragen können. Was ihnen allerdings nicht passt, ist die Leiche des blonden, jungen Mädchens, das im Cheerleader-Kostüm auf dessen Türschwelle liegt.

Einige schnelle Striche reichen Mukoma wa Ngugi, um die Szenerie zu öffnen. Nairobi Heat ist der erste Kriminalroman des 1971 geborenen, in Kenia aufgewachsenen und heute in den USA lebenden Sohnes von Ngugi wa Thiong’o, einem der wichtigsten schwarzen Schriftsteller Afrikas. Mordverdacht gegen einen Afrikaner – das führt direkt hinein in die verqueren Gefühls-, Macht- und Geldbeziehungen zwischen den USA und Afrika, die durch die Präsidentschaft eines Afroamerikaners nicht einfacher geworden sind.

Professor Joshua Hakizimana behauptet, die tote Blondine nicht zu kennen. Zudem hat er Nerven aus Stahl. Fotos zeigen ihn mit Bill Clinton und dem Dalai Lama. Während des Genozids in Ruanda 1994 hat er Tausende Flüchtlinge gerettet. Groupies nennen ihn daher den "schwarzen Schindler". Wo kommt das dicke Geld her, das in der Villa des Professors steckt?, fragt sich Detective Ishmael, der den Todesfall untersuchen soll. Er ist zwar selbst schwarz und prinzipiell solidarisch, trotzdem orientiert er sich an den Fakten. Eine Spur führt zur Stiftung "Never Again", als deren Aushängeschild Joshua dient. Der Fall wird zum Politikum. Der Ku-Klux-Klan mobilisiert, Joshua ist nichts zu beweisen. Ishmael steckt in der Klemme, nicht einmal die Tote ist identifiziert.

Ein anonymer Anruf verspricht die Lösung in Kenia. Ishmael fliegt nach Nairobi und erfährt, wie seine afrikanischen Brüder ihn sehen. Mzungu nennt ihn der Taxifahrer am Airport, "weißer Mann". Der erfahrene Bulle aus den USA muss erneut in die Lehre. Sein kenianischer Kollege O gewöhnt ihn an lokales Tusker-Bier und an die Gewalt in den Flüchtlingssiedlungen, wo man als Polizist so schnell ziehen muss wie Dirty Harry. Kenia ist gesetzlos wie der Wilde Westen, aber mit Billigung des IWF und seiner neuen Weltordnung, deren fester Bestandteil Hilfsprogramme und schlechtes Gewissen sind. Kneipenschießereien, Mord und Verrat bahnen den beiden Bullen den Weg zum Begreifen dessen, was 1994 tatsächlich geschah. Nur so viel: Den Slogan "Never again" haben die meisten Freunde und Gutmenschen als Aufforderung verstanden, nie wieder arm und hilflos zu sein. O und Ishmael ziehen ihre Konsequenzen und gründen eine afro-amerikanische Detektivagentur. Der Folgeband Black Star Nairobi ist in den USA bereits erschienen . Man darf schon jetzt gespannt sein.