Ich sähe ja auch aus wie ein Terrorist, scherzte eine Freundin, als ich von meinem Problem mit Sicherheitspersonal erzählte. "Ihre Papiere bitte! Your papers please!" Bei jeder zweiten Reise in den vergangenen fünf Jahren habe ich diesen Satz an deutschen Flughäfen, in Zügen oder Bahnhöfen der Deutschen Bahn gehört. Dieser Satz war in den meisten Fällen nur an mich und an Menschen gerichtet, die ähnlich aussehen wie ich. An deutschen Flughäfen muss ich meistens zum "doublecheck", während andere Passagiere unbehelligt weiterlaufen dürfen. Am Münchner Flughafen wurde mein Handgepäck im Jahr 2013 bei drei von sechs Umstiegen auf gefährliche Partikel hin untersucht. Ein Spürhund schnüffelte sogar meinen Arsch nach Sprengstoff ab.

Am Flughafen Berlin-Schönefeld sagte mir einmal ein Grenzpolizist, dass er meinen Namen in der Antiterrordatei recherchieren müsse. Er lachte, während er langsam meine Passnummer eintippte, und streifte sich über den Schnauzbart, als der Computer stockte. Es dauerte fünfzehn Minuten, bis ich weiterdurfte – die Rechner und Datenbanken seien nun mal sehr langsam, sagte der Beamte bedauernd.

Egal, ob im Zug oder auf Flughäfen – ich kann mich stets auf die Aufmerksamkeit der Bundespolizei verlassen. Meine dunkle Hautfarbe, meine braunen Kulleraugen und mein Dreitagebart reichen dazu offenbar aus. "Racial profiling" nennt sich die Methode, vorbeugende Kontrollen aufgrund erkennbarer ethnischer Merkmale.

Racial profiling ist grundsätzlich auch in Deutschland verboten. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierungen aufgrund einer ethnischen Zugehörigkeit oder äußerer Merkmale wie der Hautfarbe. Das Bundesinnenministerium verweist gegen den Vorwurf der Diskriminierung auf das Bundespolizeigesetz. Laut Paragraf 22 Absatz 1a darf die Bundespolizei zur Verhinderung unerlaubter Einreise in Zügen und Flughäfen "jede Person kurzzeitig anhalten, befragen und verlangen, dass mitgeführte Ausweispapiere oder Grenzübertrittspapiere zur Prüfung ausgehändigt werden, sowie mitgeführte Sachen in Augenschein nehmen". Die Bundespolizei interpretiert diesen Paragrafen so, dass sie in erster Linie Menschen kontrollieren darf, die nicht biodeutsch erscheinen.

Das Bundesinnenministerium möchte trotz massiver Kritik von Migrantenverbänden und Parteien an dieser Praxis festhalten. Sie erhöhe "das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden spürbar", heißt es in einem internen Bericht des Ministeriums. Andere EU-Staaten gehen mit ihrer Gesetzgebung und Kontrollpraxis noch weiter. Als ich bei einer anlasslosen Kontrolle am Nordbahnhof von Brüssel meinen Reisepass nicht vorzeigen konnte – weil ich meinen Reisepass selbstverständlich nicht immer dabeihabe –, drohten die Polizeibeamten, wenn ich mich nicht an Ort und Stelle ausweisen könne, müsse ich 500 Euro Strafe zahlen. Nur eine lange Diskussion und mein Presseausweis brachten mich aus dieser misslichen Lage.

In bayerischen Zügen liegt meine persönliche Kontrolliert-werden-Quote bei 100 Prozent. In einem Regionalzug nach Kempten im Allgäu saßen neulich zwei weiße Amerikaner mit überdimensionierten Reiserucksäcken und deutsche Kurgäste, die sich auf ihren Aufenthalt auf der Alm freuten. Von der Bundespolizei kontrolliert wurden nur drei Passagiere: ein junger Schwarzer, ein Mädchen mit Kopftuch und ich. Bekannte erzählen mir immer wieder von Situationen, in denen sie gewaltsam festgehalten und abgeführt wurden. Viele von ihnen meiden unnötige Aufenthalte auf Bahnhöfen.

Nehmen wir – illegale Migration beiseitegeschoben – mal an, dass der Islamismus in Europa eine echte Gefahr für uns Bürger darstellt. Dann müsste die Bundespolizei konsequenterweise alle Passagiere kontrollieren. Denn nicht jeder Terrorist hat dunkle Haare und Haut. Er kann auch ein blonder, blauäugiger Konvertit sein. Ich fühle mich durch die jetzige Praxis der Bundespolizei nicht nur diskriminiert, mein Sicherheitsgefühl schrumpft auch bei jeder Kontrolle weiter. Es gibt nur eine gute Lösung: Entweder jeder wird überprüft oder keiner.