Der russische Vormarsch: Was tun?Deckmantel der Geschichte

Wie Wladimir Putin die Vergangenheit missbraucht, um seine Politik der Gegenwart zu rechtfertigen von 

Am 18. März feierte Wladimir Putin einen persönlichen Sieg über die jüngere Geschichte seines Landes: Im prachtvollen Georgs-Saal des Kremls proklamierte er den Anschluss der Krim. Mit seiner Rede hat Russlands Präsident nicht nur seine Landsleute erreicht, sondern auch die Debatte in Deutschland über die Annexion der Krim – die erste Annexion in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg – verwirrt. Seither wird diskutiert, ob Putin mit seinen Ausführungen nicht doch recht habe und sein Vorgehen daher verständlich sei.

Um den Anschluss der Krim zu erklären, langte Russlands Präsident tief in die Vergangenheit und deutete die Geschichte für seine Zwecke. Diese Art von Geschichtspolitik ist so altbekannt wie simpel: Man verkürzt und verdreht die Vergangenheit so lange, bis der Gegner der Gegenwart diskreditiert ist. Putin hat eine Falle aufgestellt. Er tut so, als ginge es ihm ums Gestern, um historische Gefühle, um alte Ungerechtigkeiten. Russland und die Russen stellt er als Opfer des Westens, einer sich ausdehnenden Nato und finsterer Faschisten in Kiew dar. Russische Staatsjournalisten und Diplomaten wiederholen das wortgetreu. Man sollte ihnen genau zuhören, denn die russische Argumentation bedeutet in ihrem Kern nichts anderes als einen Angriff auf das friedliche Zusammenleben in Europa. Putin hat im Wesentlichen drei Thesen aufgestellt, die ungeheure Sprengkraft enthalten.

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Erste These: Die Ukrainer und Russen sind eins. Im Georgs-Saal rief Putin: "Wir sind ein Volk. Kiew ist die Mutter aller russischen Städte. Die Rus (ostslawisches Reich des Mittelalters, Anm. d. Red.) ist unsere gemeinsame Wurzel." Putin nickte zum brausenden Beifall der Abgeordneten. Seine Worte waren keineswegs nett und freundschaftlich gemeint. Sie waren eine gefährliche Umarmung. Denn wenn Putin sagt, Ukrainer und Russen seien ein Volk, dann bedeutet das, dass einer überflüssig ist, mehr noch: dass es eines von beiden Völkern gar nicht gibt. Und natürlich sind das die Ukrainer, die wörtlich auf Russisch "am Rande" heißen, deren Sprache als ulkiger "Dialekt" verhöhnt wird, deren Traditionen als urrussisch vereinnahmt werden. Damit wird der Ukraine per Umarmung das Existenzrecht abgesprochen. Putin hat das nicht erfunden, er greift nur in die Kiste großrussischer Stereotype. Und diese Propaganda funktioniert offensichtlich weit über Russland hinaus: Auch im Westen behaupten viele, es gäbe gar keine ukrainische Nation. Eine Absurdität angesichts der ukrainischen Nationalbewegung, die weit über hundert Jahre zurückreicht und ihre Zentren von Charkiw bis Kiew und Lwiw hatte.

"Euch gibt’s gar nicht!" ist eine uralte Lüge des Nationenkampfes in Europa. Wenn der Nachbar einem nicht passt, spricht man ihm kurzerhand die Existenz ab. So machten es die Türken über siebzig Jahre lang mit den Kurden und die Griechen es ab 1992 mit dem jungen makedonischen Nationalstaat. So teilten Preußen und Russland vom 18. bis 20. Jahrhundert viermal Polen. So versagten die Serben im Jugoslawienkrieg ab 1992 den Bosniern das Existenzrecht. Diese Behauptung führt häufig geradewegs in bittere Kämpfe, die meist damit enden, dass beide Seiten nach großen Opfern merken, dass es den anderen doch gibt.

Lesen Sie dazu auch "Der Umfang mit dem sowjetischen Erbe ist der Kern des Konflikts" von Wladimir Sorokin und weitere Artikel zum Thema in der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

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Nun stehen russische Truppen an den nördlichen und östlichen Grenzen der Ukraine, dem Land, das es nach Putins Verständnis so nicht geben sollte. Zu Wochenbeginn ist eine Brigade abgezogen worden. Doch ist jederzeit möglich, was auf der Krim schon vorgeführt wurde: die Intervention und Annexion, wenn das Leben von Russen aus Moskauer Sicht bedroht ist.

Zweite These: "Selbst wenn es euch gibt, euer Land gehört uns." Wladimir Putin wies genüsslich darauf hin, was mittlerweile auch in jeder deutschen Talkshow zum Besten gegeben wird: dass der ehemalige KPdSU-Generalsekretär Nikita Chruschtschow die Krim 1954 in einer Wodkalaune an die Ukraine angegliedert hat. Als die Sowjetunion zerfiel, sagt Putin, sei Russland um die Krim "beraubt" worden. Und deshalb sei es nur natürlich, dass sie zu Russland zurückkehre. Diese "Wiedervereinigung" würden doch gerade die Deutschen verstehen. Und eine erstaunlich große Zahl an Deutschen tut das auch.

Putin und seine Verteidiger verschweigen jedoch die Tatsache, dass es in Europa sehr viele Krim-Halbinseln gibt. Sewastopol und Jalta sind seit dem Ende der Sowjetunion Teil der unabhängigen Ukraine, so wie Südtirol italienisch ist. Ganz Europa ist ein Flickenteppich, wo die Muttersprache der Bevölkerung, ihr ethnischer Hintergrund und die Staatsgrenzen selten übereinstimmen. In Schleswig-Holstein leben Dänen, und in Dänemark leben Deutsche. Als Ungarns Grenzen nach dem Ersten Weltkrieg neu gezogen wurden, blieb ein Teil der Ungarn in den Nachbarstaaten Rumänien, Slowakei und Serbien. Das mag ungerecht sein, ist aber bis heute so geblieben. Es leben Albaner in Serbien, Serben im Kosovo und türkischsprachige Muslime in Griechenland. Na und?

Leserkommentare
  1. Wir basteln uns ja auch die Vergangenheit zurecht, wie wir sie gerade brauchen: Da soll Khrushchevs Schenkung der Krim, samt Leuten mit Haut und Haar an die Ukraine völkerrechtlich OK gewesen sein, die freien Wahlen und das Selbstbestimmungsrecht der Krim aber nicht.

    Hat nicht auch Deutschland 1955 das Saarland "annektiert" und 1990 die DDR?

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    • iuklin
    • 04. April 2014 19:15 Uhr

    Das Saarland ist deswegen deutsch geworden, da das Referendum im Saarland zum einem von Deutschland angenommen und vor allem, was noch viel wichtiger ist, von Frankreich akzeptiert wurde. Die DDR war ein souveräner Staat, als sie dem Hoheitsgebiet der BRD beitrat. Des Weiteren wurden beide Ereignisse durch Völkerechtsverträge legitimiert. Von daher hinkt Ihr Vergleich und ist damit historisch falsch.

    Das Gute an der Vergangenheit ist, dass man sie ohnehin beliebig interpretieren kann, je weiter zurück desto besser (es gibt immer weniger Zeitzeugen).
    Denken wir an Jugoslawien: Außer in Serbien wurden in allen Teilrepubliken der ehemaligen Jugoslawien nach durchgeführten demokratischen Wahlen Referenden über die staatliche Souveränität abgehalten. Durften die das?
    Wer durfte das anerkennen? Was war mit den Serben? Ach ja, wir Westeuropäer wollen es nicht wieder tun (denn wir lehnen ja solche Volksabstimmungen ab). Es sei denn, wir benötigen Argumentationshilfe.
    Und war es das letzte Mal, das der Westen derartige Referenden unterstützte? Wahrscheinlich nicht. Im Augenblick passt es aber ganz und gar nicht nicht ...
    Der Unterschied (jedenfalls bisher): Es starben in Folge des Referendums auf der Krim deutlich weniger Menschen als aufgrund der diversen Referenden im ehemaligen Jugoslawien.
    Und im Grunde genommen ist es unter vielen nur partiell akzeptablen Lösungen immer noch eine der besten, die Bewohner entscheiden zu lassen, was sie tun wollen.

    • Spez
    • 04. April 2014 20:37 Uhr

    Mehr haben Sie nicht. Statt auf die Argumente einzugehen, verweisen Sie auf das Saarland und die DDR. So einen Quatsch können Sie doch nicht ernst meinen. Woher beziehen Sie ihr Geschchtswissen.

    Das Saarland und die wiedererstandenen Länder der DDR ( NICHT die DDR) sind der Bundesrepublik Deutschlad beigetreten.

    Welche FREIEN Wahlen meinen Sie? Etwa diese Abstimmung auf der Krim, bei der die Menschen von bewaffneten russischen Soldaten beobachtet wurden? Diese Pseudo-Abstimmung, zu der die Gegner gar nicht erst erschienen sind?

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen zum konkreten Artikelthema und verzichten Sie auf das Verbreiten kruder Theorien. Danke, die Redaktion/sam

  2. http://www.counterpunch.o...

    Viewing the Ukraine Crisis From Russia’s Perspective
    by FLOYD RUDMIN
    Tromsø, Norway.

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    Nur das.

    ... wäre das Papier/die Bytes wenigstens wert :)

  3. Vorweg, es geht nicht um Gunst oder Missgunst gegenüber Putin, noch geht es um die gerne in Deutschland bevorzugte moralische Komponente und deren Einordnung. Es geht vielmehr um eine Einordung Russlands und seines Präsidenten in die Realpolitik.

    Putin ist weder ein Zar, ein Stalin, ein Heiliger, ein Diktator, ein Vorzeigedemokrat, ein Liberaler oder ein purer Menschenfreud. Seine Aufgabe ist es, sich mit den russischen Gegebenheiten, der sogenannten russischen Volksseele, den divergierenden Strömungen in Russland und der weltpolitischen Rolle auseinanderzusetzen und zu versuchen ein Optimum zu erzielen. Dies ist ihm bisher ganz gut gelungen, auch wenn immer nur im Westen das Augenmerk auf die Erfüllung der sogenannten westlichen Maßstäbe gelegt wird.

    Wo begann Putin? In der Ära des daueralkoholisierten Tanzbären Jelzin herrschte in den westlichen Wirtschaft- und Politikzentralen Goldgräberstimmung. Ein Einstieg in die brachliegende russische Ökonomie und Energie-Ressourcen versprach nicht nur Bares, sondern auch die Implementierung westlicher Werte in eine nach Orientierung suchenden russischen Gesellschaft. Dann kam Putin wie aus dem Nichts und schob der westlichen Missionierung einen Riegel vor. Seitdem ist er vor allem in den deutschen Medien das Sinnbild für alles Verwerfliche schlechthin.

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    hinzu zu fügen !!!

    Auch so eine Geschichtslegende. Putin gehörte seit 1996 in versch. Funktionen dem Präsidialapparat des "Trunkenbolds" Jelzin an (u,a. Chef des Inlandsgeheimdienstes).

    "Aus dem Nichts" soll die Kontinuität und die Mitverantwortung Putins und seiner Freunde zur/an der Politik der "Jelzin-Familie" verkleistern.

    "...Dann kam Putin wie aus dem Nichts und schob der westlichen Missionierung einen Riegel vor..."

    Auf WO fand ich vor einigen Wochen einen Kommentar: Sinngemäss stand da: "...Unsere westlichen Politiker erinnern mich an einen Haufen Missionare ihre Heftchen in der Fussgängerzone verteilend..."
    Dieser Meinung kann ich mich nur anschliessen...

  4. Russland hat seit der Beendigung des Sowjetreiches ein Problem mit dem bis dahin unter der Decke gehaltenem Nationalismus und Rassismus. Putin ist sich dessen bewusst und versucht deren Kräfte, die sich in der Opposition in immer wieder neuen Bewegungen sammeln, zu schwächen. Andrerseits versucht er die nationalistisch orientierte Wählerschaft für seine Politik zu gewinnen und sie so einzubinden, dass sie für Russland keinen größeren Schaden im internationalen Rahmen verursacht.

    Einen russischen Staat und seine Verfasstheit kann man sich nicht einfach backen. Jeder der etwas Positives für die Gesellschaft erreichen möchte, muss auf deren Belange und Eigenarten Rücksicht nehmen. Ein demokratisches bzw. scheindemokratisches Model westlichen Musters ist illusorisch, wenn man die Gesamt-Interessen-Wahrung der russischen Bevölkerung und deren internationale Friedfertigkeit im Auge hat.

    Putin hat während seiner Amtszeit noch keinen Krieg vom Zaun gebrochen, sondern im Gegenteil, er hat geholfen, vom Westen schon bereits angekündigte Kriege, erfolgreich zu verhindern. Dies ist international gesehen ein Erfolg, zumal wenn man in diesem Zeitrahmen die vom Westen verursachten Opfer und Schäden in den bisherigen Kriegsgebieten betrachtet.

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    • EHR19
    • 04. April 2014 20:35 Uhr

    Danke für Ihren Kommentar. In der schwarz-weißen Zeit, die wir jetzt erleben, ist es sehr wichtig, die Komplexität des Weltgeschehens und der Geschichte immer vor Augen zu behalten. Dann wird man einiges anders bewerten, als manch ein Journalist es für uns im Sinne des "politisch Korrekten" zu deuten versucht.

    ist "1993-2013: is the twenty years long "pas de deux" of Russia and the USA coming to an end?" zu finden im Blog von Vineyardsaker vom Oktober 2013 .

    Hier ein Auszug aus einem längeren Artikel;"...The latest tensions between the EU and Russia over Greenpeace's stunt in the Arctic only confirmed a fact which nobody really bothers denying anymore: Western political and financial elites absolutely hate Vladimir Putin and they are appalled at Russia's behavior, both inside Russia and on the international scene. This tension was quite visible on the faces of Obama and Putin at the G8 summit in Lough Erne where both leaders looked absolutely disgusted with each other. Things got even worse when Putin did something quite unheard of in the Russian diplomatic history: he publicly said that Kerry was dishonest and even called him a liar...."

    Die Sicht der Dinge von 1990 bis heute und die divergierende Entwicklung von EU, USA versus RU.

    "Realpolitiker Putin (1)...
    ...Realpolitiker Putin (2)"

    Da keiner der beiden Texte auch nur ansatzweise einen Bezug zum Artikel hat, frage ich mich gerade, wie Sie es geschaft haben, damit auf der 1. Seite zu landen und zu bleiben.
    Wenigstens den einen oder anderen Nebensatz mit Bezug hätten Sie anstattshalber einflechten können, aber denn wäre es ja nur Seite 2. geworden?

  5. Mit seiner Rede hat Russlands Präsident nicht nur seine Landsleute erreicht, sondern auch die Debatte in Deutschland über die Annexion der Krim – die erste Annexion in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg – verwirrt. Seither wird diskutiert, ob Putin mit seinen Ausführungen nicht doch recht habe und sein Vorgehen daher verständlich sei.

    Um zu diskutieren, wäre es hilfreich, die Rede auch zu verlinken.

    Hier mit deutscher Übersetzung (Phoenix):
    http://www.youtube.com/wa...

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    • Ghede
    • 04. April 2014 18:53 Uhr

    "Um zu diskutieren, wäre es hilfreich, die Rede auch zu verlinken."

    Aber dann könnte sich der geneigte Leser selber ein Bild machen und würde womöglich auf Passagen wie:

    "Nach dem Verschwinden der Bipolarität ist diese Welt nicht etwa stabiler geworden. Wichtige internationale Institutionen erstarken nicht, im Gegenteil, häufig ist es so, dass sie an Bedeutung verlieren. Unsere westlichen Partner, allen voran die Vereinigten Staaten, ziehen es vor, in ihrer praktischen Politik nicht vom Völkerrecht, sondern vom Recht des Stärkeren Gebrauch zu machen. Sie glauben an ihre Erwähltheit und Exklusivität, daran, dass sie die Geschicke der Welt lenken dürfen und daran, dass immer nur sie allein Recht haben können. Sie handeln so, wie es ihnen einfällt: mal hier, mal da wenden sie Gewalt gegen souveräne Staaten an, bilden Koalitionen nach dem Prinzip "wer nicht mit uns ist, ist gegen uns"."

    stoßen und käme gar auf den Gedanken, dass Putin jenseits aller Rethorik durchaus etliche sehr valide Punkte anspricht, über die zu diskutieren sich lohnt. Vor allem würde das Bild ins Wanken geraten, wonach Putin eine "Blut-und-Boden"-Politik verfolgt.

  6. "Heute wird die Kiewer Regierung von einem konservativ-liberalen Technokraten geführt, der unter seinen Ministern drei Rechtsextreme hat. Nur von Faschisten zu sprechen ist daher falsch."

    Man stelle sich eine derartige Regierungskoalition mal in Deutschland vor: 3 in Worten: DREI rechtsradikale Minister.

    Wie unsere Nachbarn wohl darauf reagieren würden?

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    Wie unsere Nachbarn wohl darauf reagieren würden?

    Man stelle sich mal vor, in der Schweiz bewirbt sich eine populäre Kandidatin für das Amt des Staatsoberhauptes, die verkündigt sie würde gerne Frau Merkel in den Kopf schießen und Deutschland niederbrennen.

    Hört sich irgentwie krasser an, wenn man die Namen Putin und Merkel austauscht, oder?

    Und das rechtfertigt es, dass Russland sich die Krim einverleibt? Das rechtfertigt die militärische Bedrohung der Ukraine?

    • Auer
    • 04. April 2014 19:19 Uhr

    In einigen Länderparlamenten sitzen doch rechtsradikale abgeordnete, und ? sollen die Amerikaner jetzt in Mecklenburg Vorpommern oder in Sachsen einmarschieren?

    • ldh
    • 04. April 2014 21:05 Uhr

    Diese wurde jedenfalls damals noch von der EU mit Sanktionen belegt:
    http://www.zeit.de/2010/0...

    Eine Putsch-Regierung, die Faschisten als Minister hat, wird aber heute als Verhandlungspartner der EU anerkannt!

    angehört, wird systematisch verschwiegen, auch dass Juden zu den Führern der Maidan-Bewegung gehören. Die überwiegende Mehrzahl der Repäsentanten des ukrain. Judentums bekennt sich zur Maidan-Bewegung und "Revolution".

    • vastus
    • 05. April 2014 6:35 Uhr

    Fakt aber ist, dass in Russland auch Stalinisten, also ebenfalls mittlerweile unter Putin Faschisten die Oberhand gewinnen. Daher haben viele Kritiker dieses Artikel recht, denn er ist wie die Position Putins absolut einseitig. Und darin liegt die eigentliche Gefahr, die im Artikel durchaus richtig beschrieben wird. Es ist aber jene völkische und nationalistische Sicht von Autokraten, die das Pulver auf der Erde verteilt.

    Wir sehen dies ja auch in Korea, wo ein autokratisches Regiem seine Bevölkerung ausbeutet und mit der Angst vor dem Krieg nach Mafia-Methode die Mehrheit unter seiner Kontrolle hält. Daher ist es auch wichtig zu erkennen, wie die Oligarchen in Russland zu ihrem Vermögen und Macht gekommen sind. Und bei Putin geht es nicht um die Kontrolle der Mehrheit über demokratische Prozesse, es ist die Kontrolle über die Mehrheit der Oligarchen mit den Mitteln eines Geheimdienstchefs.

    Viel schlimmer als das aber finde ich es, dass Diplomatie trotz dieses Wissens mit solchen Menschen verhandeln und nach Lösungen suchen muss. Sie müssen den anderen respektvoll behandeln, obwohl sie wissen, dass vor ihnen menschenverachtende Kreaturen sitzen, die kaum noch einen wirklichen moralischen Wert mit ihnen teilen.

    • Ghede
    • 04. April 2014 18:53 Uhr

    "Um zu diskutieren, wäre es hilfreich, die Rede auch zu verlinken."

    Aber dann könnte sich der geneigte Leser selber ein Bild machen und würde womöglich auf Passagen wie:

    "Nach dem Verschwinden der Bipolarität ist diese Welt nicht etwa stabiler geworden. Wichtige internationale Institutionen erstarken nicht, im Gegenteil, häufig ist es so, dass sie an Bedeutung verlieren. Unsere westlichen Partner, allen voran die Vereinigten Staaten, ziehen es vor, in ihrer praktischen Politik nicht vom Völkerrecht, sondern vom Recht des Stärkeren Gebrauch zu machen. Sie glauben an ihre Erwähltheit und Exklusivität, daran, dass sie die Geschicke der Welt lenken dürfen und daran, dass immer nur sie allein Recht haben können. Sie handeln so, wie es ihnen einfällt: mal hier, mal da wenden sie Gewalt gegen souveräne Staaten an, bilden Koalitionen nach dem Prinzip "wer nicht mit uns ist, ist gegen uns"."

    stoßen und käme gar auf den Gedanken, dass Putin jenseits aller Rethorik durchaus etliche sehr valide Punkte anspricht, über die zu diskutieren sich lohnt. Vor allem würde das Bild ins Wanken geraten, wonach Putin eine "Blut-und-Boden"-Politik verfolgt.

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    • xila
    • 04. April 2014 22:05 Uhr

    "Vor allem würde das Bild ins Wanken geraten, wonach Putin eine "Blut-und-Boden"-Politik verfolgt."

    Putin hat sich für die Russischstämmigen und -sprachigen in den benachbarten Ländern ausdrücklich für zuständig erklärt, auch wenn sie keine russischen Staatsbürger sind. Das mit dem Boden ergibt sich dann spätestens aus dem, wozu ihn das zu berechtigen glaubt, wie man am Beispiel der Krim exemplarisch sehen konnte.

    So was und mit so einer Begründung hat es tatsächlich seit den "Heim ins Reich"-Anschlüssen der dreißiger Jahre meines Wissens nirgends mehr gegeben, zumindest nicht in Europa. Ich lasse mich in diesem Punkt gerne korrigieren, wenn hier jemand noch andere Beispiel wissen sollte; ich jedenfalls kenne keines.

    Aber womit Sie natürlich recht haben könnten, ist, daß dies von den Hörern dieser Rede wahrscheinlich gar nicht erfaßt wird. Natürlich geht Putin nicht her und verwendet die betreffenden Begrifflichkeiten, und da nicht einmal die meisten Journalisten spontan sagen konnten, was an dieser Rede eigentlich so beunruhigend ist - was viele empfunden haben; ich empfand es auch -, kann man es von anderen Zuhörern erst recht nicht erwarten. Und viele wollen ihm auch einfach gerne glauben.

    Schon komisch. Seit Jahren warne ich davor, daß unsere Politik, über die man ja nichts anderes als verdrossen sein kann, die Deutschen noch dem nächstbesten Rattenfänger mit ein bißchen Charisma in die Arme treiben wird, aber an Putin hätte ich dabei nie gedacht. ;-)

    • HPC
    • 05. April 2014 0:32 Uhr

    "Vor allem würde das Bild ins Wanken geraten, wonach Putin eine "Blut-und-Boden"-Politik verfolgt."

    Dass wollten die Medien den deutschen Bürgern schon im Eroberungskrieg der Nato im Kosovo weismachen, dass Milosevic eine nationalistisch-serbische Politik verfolge. Das war damals beim Kosovo dann tatsächlich eine gewaltsame Annexion in Zusammenarbeit mit den nationalistisch-islamistischen Terroristen der UCK. Später kam die von den deutschen Medien unterschlagene tatsächliche Übersetzung der Rede von Milosevic auf dem Amselfeld über das Internet in den Umlauf.

    Später wurde es jedem klar (bis auf den üblichen gläubigen Medienopfern), dass die Medien von Anfang an gelogen hatten und zu unsauberen Propagandainstrumenten der Nato verkommen waren. Wie jetzt wieder bei der Ukraine. Es ist schon mies zu wissen, dass man von vorne bis hinten von der Presse belogen wird. Aber so erfährt man am eigenen Leibe, wie sich aufrechte Menschen in der Hitlerdiktatur mit deren gewaltiger Propaganda gefühlt haben müssen. Die Propaganda gegen die Sowjetunion und Stalin unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, was heute die meisten Medien über Russland/Ukraine und Putin verzapfen.

    Schlechte Freunde verderben gute Grundsätze.

    • Marula
    • 04. April 2014 18:54 Uhr

    Nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Ja, "die Ukrainer, die wörtlich auf Russisch "am Rande" heißen", aber das heißen sie auf Ukrainisch ja auch. Die Niederländer kommen aus "Holland", aus Holzland. Na und?

    Es gibt schon genug Politiker auf beiden Seiten, die versuchen, einen Zwiespalt zu säen zwischen den Völkern und damit ihr politisches Süppchen zu kochen. Das sollte man nicht noch unterstützen und immer weiter anheizen.

    Beide Länder werden immer miteinander auskommen müssen.

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    "Und natürlich sind das die Ukrainer, die wörtlich auf Russisch "am Rande" heißen, deren Sprache als ulkiger "Dialekt" verhöhnt wird".

    Ja, das übersetzt sich als "am Rande". So wie der Begriff "Mark" im Deutschen.

    Wo wird das "als Dialekt verhöhnt"? Es ist ein ostslavischer Dialekt, dem Russischen so verwandt wie das Hessische dem Thüringischen. Da gibt's ein paar Lautverschiebungen und einige wenige Abweichungen im Vokabular. Das ist keine eigenständige Sprache. So was nennt man einen Dialekt.

    Und wer sagt, das sei ulkig? Das sind nicht fundierte Behauptungen.

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  • Schlagworte Wladimir Putin | Russland | Ukraine | Sowjetunion | Kiew | Krim
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