Wenn man die bekanntesten deutschen Moderatoren fragt, was die Begegnung mit Peter Stockinger aus ihnen gemacht habe, wird jede Antwort zu einer Verneigung.

"Es war das Glück meines Lebens, ihn zu treffen", sagt Moderatorin und Kabarettistin Elke Heidenreich. "Ich habe alles von ihm gelernt, was ich kann."

"Er hat ein breites Kreuz und eine klare Haltung", sagt der ZDF-Anchorman Claus Kleber. "Ich vermisse ihn im Alltag wirklich sehr."

"Ich habe ihm alles zu verdanken", sagt die Entertainerin Anke Engelke.

"Er war der Chef meines Lebens. Sein Anspruch wirkt in jeder meiner Sendungen fort", sagt Hart aber fair-Moderator Frank Plasberg.

"Er stand jahrelang unsichtbar hinter mir, ist ein Vorbild", sagt Fernsehikone Christine Westermann.

Wer heute Fernsehen oder Radio einschaltet, sieht Menschen, die der ehemalige Programmchef des Südwestfunks (SWF) Peter Stockinger geformt hat. Heute erklären sie einem Millionenpublikum das Weltgeschehen, leiten Gesprächsrunden oder machen gute Unterhaltung. Niemand sonst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat es fertiggebracht, so viele herausragende Medientalente so früh zu erkennen und aufzubauen, wie er.

Stockinger, heute 75, stellt toskanischen Wein auf den Mittagstisch im Wintergarten. Seit er vor 16 Jahren in Rente ging, lebt er im Haus seiner Eltern. Der Wintergarten mündet in ein Wohnzimmer, dort steht ein Holzbuddha neben einem alten Ledersofa. Seinerzeit, als Stockinger nachts von seinen Schichten im SWF3-Radio zurückkehrte, war er oft zu müde, um nach einem Teller Spaghetti noch ins Bett zu finden. Auf diesem Sofa schlief er regelmäßig ein.

Sie nannten ihn "Rübezahl", wegen der wilden roten Haare und des Vollbarts

Es war die Zeit, als er die intellektuelle Popwelle SWF3 in Baden-Baden aufbaute: Als Mitgründer und späterer Programmchef machte er sie zu einem deutschlandweit erfolgreichen Sender, an dessen Konzept sich andere Stationen orientierten. Es lautete: zwei Drittel der Sendezeit gute Musik, von Queen, Depeche Mode, Elton John; die Stars pilgerten ins Funkhaus, um sich interviewen zu lassen. Und ein Drittel guter Journalismus. Stockinger schuf ein Popradio für junge, denkende Menschen. Dafür brauchte er intelligente Moderatoren. Jeden wählte er persönlich aus. Neben den erwähnten TV-Größen waren das auch Frank Schirrmacher (heute Mitherausgeber der FAZ) und Harald Schmidt (der später die Late-Night-Show in Deutschland etablierte). Auch Jörg Kachelmann gehörte dazu. Er hinterließ angeblich eine traurige Sekretärin, als er ging, und wurde später als Wettermoderator der ARD bekannt.

Früher nannten sie Stockinger bei SWF3 "Rübezahl", wegen seiner wilden roten Haare und wegen des Vollbarts. Der Bart ist noch da, schlohweiß. Im Gespräch mit ihm ist das Erste, was auffällt, sein Bass, der beruhigend wirkt wie eine väterliche Umarmung. Als er hört, was seine Schüler über ihn sagen, schüttelt er den Kopf und dann den ganzen Oberkörper, als wolle er die vielen Komplimente abschütteln. "Ich bin nicht der große Zampano!" Diesen Satz wird er noch häufig wiederholen.