Wer über die gute Schule nachdenkt, dem fällt sofort ein, was sie braucht: kleine Klassen, gut ausgebildete Lehrer und reichlich Geld. Doch wie gut auch immer man diese Zutaten verrührt, mit dieser Annahme könnte man schrecklich falsch liegen. So wenigstens scheint es nach der Lektüre einer Studie der Ökonomen Roland G. Fryer Jr. und Will Dobbie von der Harvard-Universität. Die beiden Forscher haben 35 charter schools in New York untersucht und die Daten zu Klassengröße, Lehrerqualifizierung und Einsatz von Mitteln auf ihre Effektivität für die einzelnen Schulen geprüft.

Fryer, ein junger Ökonomie-Star, der 2011 für seine Forschung zu den Gründen für Schulerfolg mit dem sogenannten Genie-Preis der MacArthur-Stiftung ausgezeichnet wurde, und Will Dobbie haben Schüler, Schulleiter und Lehrer interviewt, sie haben Unterrichtsvideos studiert, Stundenpläne ausgewertet und nach Faktoren gesucht, die mit besseren Testergebnissen korrelierten. Sie fanden, dass kleinere Klassen, höhere Ausgaben pro Schüler und besser qualifizierte Lehrer nichts mit den Testergebnissen in Muttersprache und Mathematik zu tun hatten. Genau genommen hatten die Schulen, die mehr Geld pro Schüler zur Verfügung hatten, schlechtere Ergebnisse in diesen standardisierten Tests.

Getting Beneath the Veil of Effective Schools: Evidence from New York City ("Der Blick hinter den Schleier erfolgreicher Schulen" beziehungsweise sinngemäß: "Das Geheimnis erfolgreicher Schulen"), so der Titel der Studie, lässt Datenberge zum Vorschein kommen, die man so nicht vermutet hätte. Es handelt sich bei der Untersuchung nicht um Ursachenforschung, sondern um die Korrelation von Geld, gut ausgebildeten Lehrern und kleinen Klassen zum Erfolg bei standardisierten Tests in den zwei Hauptfächern. Wenn aber diese Ingredienzien nicht der Schlüssel zum Erfolg sind, was macht dann die gute Schule aus, deren Erfolg an guten Testergebnissen festgemacht wird?

Charter schools, die die Forscher ausgesucht hatten, sind staatlich finanzierte, aber keine staatlichen Schulen, die hauptsächlich in Bezirken mit hohem Anteil an Minderheiten und unterprivilegierten Schülern arbeiten. In Fryers und Dobbies Untersuchung werden bestimmte Muster deutlich: Schulen, die faktenlastigen Unterricht machten, hohe akademische Anforderungen stellten, die eine Kultur schufen, die die Leistungen der Schüler in den Mittelpunkt stellten und die die Lehrer fortbildeten, haben durchgängig bessere Ergebnisse erzielt. Das galt für alle Charter Schools, egal, ob sie ihren Schwerpunkt in Kunstfächern hatten oder auf knallharte Disziplin ausgerichtet waren. Schulen hingegen, die sich mehr der emotionalen Befindlichkeit ihrer Schüler oder deren Selbstwertgefühl verschrieben hatten, hatten durchweg schlechtere Ergebnisse als solche, die "unnachgiebig akademische Ziele anstrebten".

Wie haben die Forscher eine Schulkultur gemessen, die bessere Leistungen ermöglicht? An der Menge des Feedbacks, das die Lehrer erfuhren, der Zahl der Tage, an denen Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet wurden, an der Anzahl der Bewertungen und Beurteilungen, die die Schüler bekamen, und schließlich an der Zahl der Stunden, die die Schüler tatsächlich an ihren Tischen verbrachten. Jeder der Faktoren korrelierte mit besseren jährlichen Testergebnissen. Die traditionellen Zutaten, die man gewöhnlich für wichtig hält, zeigten nicht diese Korrelation. Worauf kommt es also an? Auf Lehrer, die von der Schulleitung, von Schülern, anderen Lehrern und Eltern Feedback erhalten und sämtliche Arbeiten, egal, ob Hausaufgaben oder Klassenarbeiten, zeitnah besprechen. Dazu ein Leistungsethos, erweiterte Unterrichtszeit und eine erhöhte Dosis an Tutorials. All das erklärt etwa 50 Prozent des Unterschieds in der Effektivität und somit auch des Erfolges von Schulen.

Freilich zeigen die Ergebnisse auch, dass eine Schulkultur des regelmäßigen Feedbacks und des Kümmerns besser zu realisieren ist, wenn mehr Geld da ist. Kleine Arbeitsgruppen und längere Schultage brauchen auch mehr Geld. Und doch zeigt diese Untersuchung, dass Geld allein keine Lösung der Probleme bringt, wenn die Schulkultur nicht stimmt.