1. Die Debatte steckt in der Waldsterben-Falle

Ach ja, der Klimawandel. Davon will keiner mehr etwas hören? Das war doch vor Kurzem noch anders. Was ist seitdem passiert? Das Falsche. Wir wurden aufgeschreckt, wurden überalarmiert. Wer hatte Angst vor dem Klimawandel? Natürlich die Deutschen – wir haben ja immer Angst. Das Thema kam an, es wurde wichtig, es wurde schick. Eine Zeit lang redeten die Menschen häufiger vom Klima als vom Wetter. Längst haben alle verstanden, dass der Klimawandel ein Problem ist. Trotzdem dreht sich die Welt noch immer. Und so ist der Angstreflex irgendwann zum Gähnreflex geworden – obwohl sich am Grundproblem nichts geändert hat. Es ist ein ähnliches Muster wie beim Thema Waldsterben zu beobachten: Die Katastrophe mag ausgeblieben sein, dem Wald jedoch geht es nach wie vor nicht gut. Aber wer will davon noch etwas hören? Eben.

2. Viele Klimatologen haben Alarmismus betrieben …

Düstere Szenarien von der Zukunft der Erde zeichnen die Alarmisten unter den Klimaforschern mit Vorliebe. Eindringlich und allzu eifrig bringen sie ihre Botschaften unters Volk, indem sie sich einer möglichst unheilvollen Rhetorik bedienen. Der Alarmist liebt seinen erhobenen Zeigefinger und doziert apodiktisch. Seine Alarmflut bedroht die Glaubwürdigkeit der ganzen Zunft – und beschädigt damit die Wissenschaft. Doch der Alarmist ist stolz darauf, das Thema Klimawandel populär gemacht zu haben, er umgibt sich gerne mit Politikern (hält sich wohl bisweilen selbst für einen) und weiß deshalb auch, was genau nötig ist, um den Weltuntergang abzuwenden: kein Fleisch essen, kein Auto fahren, keinen Strom aus Kohle verbrauchen, keine Flugreisen. Damit überschreitet er die Grenze zwischen Wissenschaft und Aktivismus. Die relativ junge Disziplin der Klimaforschung ist so im hohen Maße ideologisiert worden. Und der Klimaschutz fast religiös belegt: Schlechtes Verhalten führt zu schlechtem Wetter.

3. … und die Medien sind ihnen unkritisch gefolgt

Bloß kein böses Wort über Klimaforscher, kein Zweifel an ihren Ergebnissen und Vorhersagen – das könnte ja Wasser auf die Mühlen der Klimaskeptiker sein! So haben Journalisten viel zu oft reagiert. Natürlich lässt sich das Wagenburgverhalten der Meinungsführer im Klimabetrieb leicht erklären, indem man sie als Opfer einer von der Öl- und Kohlelobby gesteuerten Kampagne darstellt, die sich tapfer gegen Angriffe von allen Seiten wehren müssen (obwohl sie eigentlich nur in Ruhe ihrer Forschungsarbeit nachgehen möchten). Aber welcher Journalist würde etwa Angela Merkel so unkritisch gegenübertreten?

4. Die Klimadiplomatie ist gescheitert

Die Emissionen nehmen weiter zu, allen UN-Klimagipfeln zum Trotz. Die Menschen wollen fliegen, essen, reich sein. Selbst in Deutschland erhöht sich die Menge des ausgestoßenen Kohlendioxids wieder. Weltweit wird vermehrt Strom aus dreckiger Kohle produziert. Ein globales Abkommen zur Treibhausgasreduktion ist unwahrscheinlich. Die Taktik, nur mit Krieg gegen das Molekül CO2 die Erderwärmung zu begrenzen, hat in eine Sackgasse geführt. Es mag naiv gewesen sein, zu glauben, dass die Staaten zur Vernunft kommen und sich zu Einsparungen verpflichten würden. Es war jedenfalls fahrlässig, dies als einzige Strategie zu verfolgen.

5. Wir müssen etwas riskieren, auch in Deutschland

Bei weiter steigenden Temperaturen wird der Druck größer, zu anderen Mitteln zu greifen. Eine Möglichkeit könnte das – umstrittene – Geo-Engineering sein, also das bewusste Eingreifen in die Stoffkreisläufe dieses Planeten. Viel zu lange ist diese Option verteufelt worden. Tatsächlich ist jede Form des Geo-Engineering zumindest heikel. Doch hierzulande sind die Vorbehalte übermäßig stark ausgeprägt. Wir Deutschen wollen überhaupt kein Risiko eingehen, deshalb wehren wir uns gegen alle neuen Techniken. Schon Geothermie, Fracking und Kohlenstoffspeicherung haben hierzulande ein miserables Image – selten zu Recht. Der Klimawandel verlangt uns einen Mentalitätswandel ab. Wir müssen etwas riskieren!