In der vergangenen Woche brachten wir eine Besprechung des Amazon-Bestsellers Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer des bisher vor allem als Katzenkrimi-Autor hervorgetretenen Akif Pirinçci. Das Buch erscheint in der Manuscriptum Verlagsbuchhandlung und dort in der Imprint-Reihe Lichtschlag in der Edition Sonderwege. Dieser Verlag wird geleitet von Thomas Hoof, gelernter Buchhändler und ehemaliger Geschäftsführer der nordrhein-westfälischen Grünen, der im Jahr 1988 das Versandhaus Manufactum und unter dessen Dach den Verlag Manuscriptum gegründet hat. Mit dem Satz "Es gibt sie noch, die guten Dinge" bewirbt Manufactum teure Gebrauchsgegenstände und gibt sich als Vorreiter einer ökologisch nachhaltigen Konsumkultur. Hoof führte Manufactum bis 1998, dann verkaufte er das Unternehmen an die Otto Group. Seinen Verlag Manuscriptum behielt er.

Der Rechtsform nach gehen der Unternehmer und Manufactum also getrennte Wege. Und doch gehören sie offenkundig noch immer zusammen. Der Hauptsitz von Manufactum befindet sich im selben Haus wie der Verlag Manuscriptum. Überdies sind die Schriftzüge von Manufactum und Manuscriptum nahezu identisch. Und Manufactum verkauft in seinen Filialen und im Netz bis heute Bücher von Manuscriptum. Aber keine Titel aus dem politischen Verlagssegment. Sie passten, wie Manufactum auf Anfrage mitteilt, nicht zu den Werten des Unternehmens.

Die Thomas-Hoof-Gruppe, die sonst in der Land- und Bauwirtschaft und in der Produktentwicklung agiert, begreift sich selbst als "Wertschöpfungsverbund". Welche ideologischen Werte schöpft aber Hoofs Verlag? Die Reihe Lichtschlag in der Edition Sonderwege, in der Pirinçcis Buch erscheint, wird seit 2013 von André F. Lichtschlag herausgegeben, genauso wie, gedruckt und im Netz, die Zeitschrift eigentümlich frei. Ein Blick auf personelle Überschneidungen unter den Autoren, auch auf deren Sprache und Themen, zeigt, wie eng verwandt sein Blatt den rechten Zeitschriften SezessionundBlaue Narzisse und dem Internetportal Politically Incorrect ist. Und natürlich der Jungen Freiheit, die das Zentralorgan der neuen Rechten in Deutschland ist.

Bisher ist das Buch von Pirinçci in einer fünfstelligen Erstauflage beinahe ausschließlich übers Netz verkauft worden, aber im stationären Buchhandel kaum zu haben. Verhindert also generell nur noch der klassische Buchhandel den Erfolg der neuen Rechten durch das Netz?

Der Verleger Götz Kubitschek, ein ehemaliger Oberleutnant der Reserve und von der Bundeswehr wegen "rechtsextremistischer Bestrebungen" entlassen, hat erst vor Wochen erfahren, dass auch nicht jeder Onlinehändler auf inhaltliche Kriterien verzichtet. Ausgerechnet Amazon strich zwölf Bücher seines rechten Antaios-Verlags aus dem Angebot – und zwar aus politischen Gründen, was André F. Lichtschlag sogleich öffentlich beklagte. Schlecht wäre es für Thomas Hoof, sollte es ihm einmal ähnlich ergehen. Er müsste sich dann etwas Neues einfallen lassen. Und am besten etwas so Lukratives wie damals den Versandhandel Manufactum.