Philipp Mißfelder (Archiv) © Axel Schmidt/Getty Images

Nun kommen die Helden aus ihren Löchern. Als es noch Posten zu verteilen gab im Zuge der Koalitionsverhandlungen, haben sich die sogenannten jungen Abgeordneten der Union artig weggeduckt. Die Kanzlerin wollte die Koalition mit der SPD, die SPD die Rente mit 63, also kam die Reform, der die sonst lautstarken Wortführer für einen demografischen Ausgleich nichts entgegensetzten. Aber jetzt, wo alles gelaufen ist, kommen diejenigen, die kein Regierungsamt ergattert haben, groß raus. Auf einmal warnt der CDU-Abgeordnete Jens Spahn, es könne Stimmen gegen das Gesetz geben. Das ist viel zu spät. Er und seine Parteifreunde unter 40 haben versagt dabei, für eine faire Lastenverteilung zwischen den Generationen zu streiten. Wäre es ihnen darum wirklich zu tun, hätten sie das Gesetz früher und offensiver ablehnen müssen.

Den Abgeordneten der SPD können zumindest ihre Wähler nichts vorwerfen. Wer sie wählte, wusste um den Unsinn, den sie vertreten: Junge Menschen würden mit der SPD an der Macht mehr zahlen müssen für eine wachsende Zahl an Rentnern.

Die Unionsleute aber hatten sich im Wahlkampf besonders besorgt gezeigt um die Beitragszahler von morgen. Vor allem ihren selbst ernannten Vertretern der Jungen ist kaum zu verzeihen, dass sie sich nicht entschiedener gegen die Rente mit 63 gestemmt haben. Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, beließ es bei der Feststellung, der Koalitionsvertrag sei kein Gesetz. Nun wird er Gesetz. Die Konsequenzen werden die Karriere des Kleinmütigen überdauern, seine Abgeordnetenpension werden sie nicht treffen.

Bei der CSU ist von den Jungen mit Einfluss noch weniger zu erwarten. Dort war Andreas Scheuer, wie sich das so eingebürgert hat bei inhaltsarmen Postensammlern, zunächst mit dem Ablegen seines Doktortitels beschäftigt, um dann als Generalsekretär seiner Partei mit populistischem Dimpfeltum Zuwanderer zu vertreiben. Das ist besonders lustig, weil deren Unterstützung eine der wenigen Chancen ist, das Rentensystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Immerhin wollen nun ein paar Unionsabgeordnete gegen das Gesetz stimmen, die meisten aus dem Wirtschaftsflügel. Mißfelder und Spahn haben Besseres zu tun. Mit anderen Nachwuchskräften veröffentlichten sie kürzlich ein Papier dazu, wie sie sich die Zukunft von Partei und Land so vorstellen. Darin geht es auch um "die Sorge" wegen der Rente mit 63. Fett gedruckt steht aber ein anderer Satz auf den zwei Seiten: "Für einen anhaltenden Erfolg der CDU ist es (...) wichtig, dass junge Köpfe in Partei und Fraktion an verantwortlicher Stelle Profil gewinnen." Spahn und Mißfelder arbeiten hart daran, dass sie dabei sein werden an verantwortlicher Stelle. Es wäre schön, wenn Leute mit Profil sie ersetzten und in Rente schickten. Die jüngere Wählerminderheit braucht sie nicht. Sie braucht mutige Leute angesichts eines Bundestags, der mit seinem Durchschnittsalter von 50 Jahren Politik auf ihre Kosten macht.