Maria M., geboren 1894:

Um uns wogt der Weltenkampf. Täglich hält der Schnitter Tod seine ungeheure Ernte und rafft zahllose Menschenleben hinweg. Jugendfrohe Menschen, die der Zukunft mutig ins Auge sahen, die mit ihrem Optimismus die ganze Welt zu erobern strebten, werden dem dunklen Reich des Todes überliefert. Ihr Leben erlischt, und der Kampf tobt erbarmungslos über ihren Gräbern.

Grausam ist der Krieg. Doch wie kommt es, daß wir ihn mit solcher Fassung hinnehmen, daß selbst unsere Soldaten der verderbenbringenden Kugel so kühn und freudig entgegensehen? (das schießt über das Ziel hinaus)* [...] Wir führen einen Heiligen Krieg um unsere Nation und gleichzeitig um unsere Eigenart. Das deutsche Volk hat bewiesen, daß es die lebenskräftigste Nation ist. Mit Tatkraft und Mannesmut eilte am 2. August alles zu den Waffen. Millionen Freiwillige standen bereit zum Kampf fürs Vaterland. In Frankreich (das ist nicht richtig!) und England hingegen mußte man sie durch Geld anwerben. Der deutsche schwerfällige Geist hat seinen Idealismus bewahrt, er ist unberührt geblieben von dem Einfluß der französischen Überkultur, er steht dem englischen Utilitarismus fremd gegenüber. Er hat in stetem Kampfe die edlen Eigenschaften errungen, die ihn jetzt so herrlich schmücken: die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Treue und die tiefe Frömmigkeit. Unser innerstes Bewußtsein sagt uns, daß ein Krieg, der um solche Güter geführt wird, heilig sein und mit allen Kräften zu Ende geführt werden muß. Wir erhoffen dann als Lohn unserer Tapferkeit ein verjüngtes, kraftvolles, beispielgebendes Deutschland. [...]

Die Schülerin hat das Thema klar und mit innerer Teilnahme aufgefaßt und weiß es ansprechend darzustellen. So mag die Arbeit, obwohl mancher Gedanke schärfer hätte herausgearbeitet werden müssen, noch als gut bezeichnet werden.
Prof. Borchardt, Direktor

Hertha K., geboren 1897:

[...] Der heilige Krieg läßt sich bei und vor allem durch seine Folgen erkennen. Er hat nur die Teilnahme der besten Triebe im Menschen verlangt und pocht nicht auf Eroberungssucht, Geldgier, Ruhmsucht, er läßt den Soldaten und den Daheimbleibenden aus seinem Eigennutz heraustreten, um für die Allgemeinheit, um für ein höheres Ziel alles einzusetzen. Er ist ein Erzieher für den einzelnen sowie für die Allgemeinheit. Die Parteien nähern sich, weil sie erkennen, daß sie für das gleiche, für das Blühen des Staates und die Hebung der Menschen, kämpfen, und lassen die Zwistigkeiten und Gehässigkeit fallen. Ein heiliger Krieg wird in diesem Sinne von allen Klassen mit Freude durchgekämpft. Denn was sie als höchste Aufgabe ansehen, über sich hinaus zu streben, das bleibt dasselbe auch im Kriege. [...]

Die Schreiberin faßt das Thema in durchaus selbständiger Weise auf und führt die Gedanken in meist klarer Darlegung auch durch. So erscheint der Aufsatz trotz seiner etwas spröden Form als gut.

Ella M., geboren 1896:

[...] Wir stehen gegen eine Welt von Feinden. Sie zogen aus, uns zu vernichten. Haben wir sie herausgefordert? Gaben wir den Anstoß? Nein. Doch sie sahen uns wachsen und mächtig werden, sie sahen, was deutsch heißt, sich ausbreiten über die Welt, sie sahen den kleinen Staat zur Nation, zur europäischen Macht und zur Weltmacht werden – und deshalb zogen sie aus, uns zu vernichten. [...] Sie wollen uns aus der Welt ausstoßen, da wir ihnen im Wege stehen. [...] Wir aber kämpfen für unsere Weltmacht, weil wir sie brauchen, wenn wir leben wollen, und weil sie uns zusteht. Wir wollen alle Fähigkeiten, alles Hohe und Edle in unserem Volke entwickeln können und wollen das Errungene der Menschheit mitteilen. Wir kämpfen gegen die Prahlerei und die Überkultur in Frankreich, gegen die Halbheit und Unkultur in Rußland, gegen den Materialismus in England und gegen die Unwahrheit aller Welt. Und wenn wir uns gegen die Mächte behaupten und sie besiegen, dann retten wir uns und der Menschheit Kultur, Geist, Wahrheit und Idealismus, uns und der Menschheit die heiligsten Güter. [...]

Der Aufsatz zeigt eine klare Gliederung; das Ineinandergreifen der Einleitungs- und Schlußumrahmung ist auch schulkunstgerecht. Der warme Ton ist ansprechend, nur hier und da etwas ins Überschwengliche gesteigert. Gut.

Hanna D., geboren 1895:

[...] Wir alle wissen, wir kämpfen in diesem Kriege um unsere Existenz. Wird Deutschland politisch eingeengt, wird ihm die Möglichkeit genommen, sich nach außen hin frei zu entwickeln, so bedeutet das auch den Untergang seiner inneren geistigen und sittlichen Volkskräfte. Und darum führen wir heute einen wahrhaften und daher heiligen Krieg. Und die Jugend eines so grundehrlichen Volkes, wie das Deutsche es ist, könnte auch nicht mit einer solchen Glut der Begeisterung hinausziehen, wenn sie nicht das Bewußtsein hätte, das Gewissen unseres Volkes ist rein. Es gibt ein tiefes Wort von dem deutschen Mystiker Jakob Böhm. "Jedes Ding hat sein Gegenteil neben sich: Das Gute, das Böse, das Licht, die Finsternis." Und darum steht neben dem wahrhaften Krieg der unwahre, der unheilige Krieg unserer Feinde. Wir wissen, England führt den Krieg für seinen Geldsack, Frankreich für seinen Revanchegedanken, und Rußland treibt der blinde Haß gegen das Deutschtum. Und darum können sie nicht siegen und werden sie nicht siegen über uns, "denn niemals ward das schlechtere Volk Henker des edlen". Und unser Sieg wird sein eine Befreiung der ganzen Welt. Denn in diesem Krieg soll es sich entscheiden, ob jemals wieder ein Geist wie der englische Krämergeist Völker zu blutigem Ringen aufeinander hetzen soll. [...]

Die Darlegung ist nicht tief, aber brauchbar. Der bessere Eindruck des endenden Hauptteils wird durch den papierenen Schluß wieder aufgehoben. Der Aufsatz wird wie die schriftlichen Klassenleistungen als genügend bezeichnet.