Wie freigiebig deutsche Universitäten mit ihrem Promotionsrecht umgehen, wissen wir spätestens, seit die zusammenkopierte Arbeit eines adeligen Ministers als Dissertation akzeptiert wurde. Doch nicht nur die Plagiatsfälle zeigen, wie sorglos einige Unis ihr Privileg nutzen, den begehrten Doktortitel zu verleihen. Auch Ehrendoktorwürden werden großzügig vergeben – man muss dafür nicht einmal forschen und eine Dissertation schreiben. Aber Geld sollte man haben oder einen bekannten Namen.

Die Ehrendoktorwürde ist eine Ehre, kein akademischer Grad. Nur Universitäten dürfen den Dr. h. c. verleihen. Sie tun dies gern und häufig, um sich bei Mäzenen zu bedanken oder um sich mit Prominenten ein bisschen Glamour ins Haus zu holen. So dürfen sich etwa der Ex- Tagesthemen-Sprecher Ulrich Wickert, der Schauspieler Mario Adorf und der Unternehmer Carsten Maschmeyer mit dem Titel schmücken.

Zwei Fälle sorgen derzeit für Aufregung. Die Universität Rostock hat vor einer Woche beschlossen, den Whistleblower Edward Snowden zum Ehrendoktor zu machen. Man wolle seine Zivilcourage ehren, heißt es, er habe Missstände aufgedeckt. Es ist sicher richtig, die Enthüllungen über die Abhörpraxis der NSA anzuerkennen, aber muss man ihm dafür einen wissenschaftlichen Titel verleihen? Mit Forschung hat das, was Snowden gemacht hat, nichts zu tun. Man darf vermuten, dass es der Uni Rostock vor allem darum geht, mit der Personalie für etwas Publicity zu sorgen.

Ein weiterer Fall: Am vergangenen Freitag verlieh die Universität Lübeck der ehemaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan die Ehrendoktorwürde für ihre "Verdienste um die Wissenschaft" – vor allem dafür, dass sie die Uni 2010 vor der Schließung bewahrt hat. Und zwar mit einem Finanztrick: Das Kieler Leibniz-Institut für Meeresforschung wurde in die mehrheitlich vom Bund finanzierte Helmholtz-Gemeinschaft überführt. Dadurch spart das Land Schleswig-Holstein jährlich gut 25 Millionen Euro – genau die Summe, die an der Uni Lübeck eingespart werden sollte. So konnte die Uni vor dem Aus gerettet werden. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde dafür ist nicht nur pikant, weil Schavan vor Kurzem erst ihren richtigen Doktortitel wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens verloren hat. Sie hat auch ein Geschmäckle, weil hier eine Politikerin für die Verteilung von Steuergeld ausgezeichnet wird. Eine Ehrenpromotion als Gegenleistung für eine Spende?

In den USA wäre so eine Ehrung undenkbar. Wer sich dort einer Hochschule gegenüber erkenntlich zeigt und etwa als Alumnus Millionen spendet, dessen Name wird in Stein gemeißelt und nicht mit einem Dr. verziert. Einen Hörsaal nach einem Gönner zu benennen – das ist die saubere Lösung.

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde schadet dem ganzen Wissenschaftsbetrieb und diskreditiert diejenigen, die sich redlich mit einer Dissertation mühen. Die Unis, die wegen der Plagiatsfälle ohnehin in der Kritik stehen, sollten mit den Privilegien, die sie haben, sorgsamer umgehen. Sonst werden sie ihnen irgendwann genommen.