DIE ZEIT: Herr Minister, Sie sind jetzt fast drei Monate in Berlin. Ist es hier besonders schwer, eine Wohnung zu finden?

Heiko Maas: Zumindest bin ich nicht der Einzige, der sucht. Auch in München, Hamburg und Frankfurt gibt es immer größere Engpässe. Da hilft es wenig, dass auf dem Land Wohnungen leer stehen. In den Ballungsräumen sind die Wohnungen knapp, und es explodieren die Mieten.

ZEIT: Herr Siebenkotten, mieten Sie?

Lukas Siebenkotten: Ja, ich miete seit 2008 in Berlin eine Wohnung und habe die erste Erhöhung schon hinter mir. Die habe ich aber nur zum Teil akzeptiert. Mit Erfolg.

ZEIT: Sie wollen die Mietpreisbremse also auch aus privaten Gründen?

Siebenkotten: Ich habe sie persönlich nicht gebraucht, aber bei vielen Menschen ist das anders. Allerdings darf die Bremse nicht so kommen, wie der Minister sie plant. Leider will Herr Maas nach Ländern und Kommunen differenzieren. Deren Behörden müssen erst kompliziert feststellen, ob es angespannte Wohnungsmärkte gibt. Das wird viel zu lange dauern. Ich will eine flächendeckende Regelung für ganz Deutschland.

Maas: Wir wollen uns nur dort um das Thema kümmern, wo es wirklich zum Problem wird. In großen Teilen des Landes ist das nicht der Fall. Deswegen überlassen wir den Bundesländern die Entscheidung. Die sind näher dran. Wir sollten nicht von oben runter regieren.

ZEIT: Herr Gedaschko, warum hat die Immobilienbranche etwas gegen die Bremse?

Axel Gedaschko: So, wie sie jetzt geplant ist, wird sie den Bau neuer Wohnungen verhindern. Das kann doch niemand ernsthaft wollen.

Siebenkotten: Das ist das Lieblingsargument der Immobilienbranche. Aber es stimmt nicht. Es steht eindeutig im Gesetzentwurf, dass der Neubau nicht betroffen ist. Neue Wohnungen können so teuer angeboten werden, wie der Vermieter will.

Gedaschko: Mag sein, dass man eine neu gebaute Wohnung teuer vermieten kann. Aber wie kalkulieren nachhaltige Investoren? Wir schauen darauf, ob wir einen Neubau über 20 Jahre hinweg refinanzieren können. Es geht uns also nicht um eine möglichst hohe Anfangsmiete, sondern um einen sehr langen Zeitraum. Und ein Investor, der 20 Jahre lang keine einzige Erhöhung durchsetzen kann, weil die Miete über dem Spiegel liegt, wird gar nicht bauen.

Siebenkotten: Ich halte dieses Szenario für extrem unwahrscheinlich. Ich mache mir keine Sorgen um die Luxuswohnungen. Die werden immer gebaut. Probleme haben wir im preiswerten Segment, wo zu wenig geschieht. Bloß kann dabei das geplante Gesetz auch nicht helfen.

Maas: Da haben Sie recht. Den Wohnungsbau zu fördern ist allerdings nicht das primäre Ziel der Mietpreisbremse. Damit der aber trotzdem nicht zu kurz kommt, verlangen wir von den Ländern, die unsere Mietpreisbremse einführen, dass sie zusätzlich einen verbindlichen Plan zur Bauförderung vorlegen. Außerdem stellt die Bundesregierung mehr als eine halbe Milliarde Euro jährlich für sozialen Wohnungsbau bereit. Damit wollen wir auch Menschen mit geringen Einkommen gutes Wohnen ermöglichen.

Siebenkotten: Die halbe Milliarde Euro hat der Bund in der Vergangenheit schon ausgegeben. Das hat ganz offensichtlich nicht gereicht. Warum sollte sich das jetzt ändern?