Die Geschichte wird oft unter Seglern erzählt: Ein Besatzungsmitglied wird nachts von einem dringenden Bedürfnis geweckt, vielleicht hat er ja am Abend einen über den Durst getrunken, stellt sich an die Reling, um sich zu erleichtern, fällt in Ohnmacht, stürzt ins Wasser und stirbt den nassen Tod.

Nun ist es bekannt, dass Seeleute gern ihr Garn spinnen und es mit der Wahrheit nicht immer genau nehmen – aber diese Fälle gibt es tatsächlich. Auch männlichen Landratten kann das passieren, bei denen geht die Sache aber selten tödlich aus. Allerdings können sie sich zum Beispiel auf dem harten Badezimmerboden den Kopf blutig schlagen.

Medizinisch wird die Ohnmacht beim Wasserlassen Miktionssynkope genannt. Die Ursachen sind nicht vollständig verstanden. Irgendwie löst die schnelle Entleerung der Blase ein Signal im Vagusnerv aus, das dem Herzen vermittelt: Schlag langsamer.

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Die Folge ist ein Abfall des Blutdrucks, das Gehirn bekommt nicht genügend Sauerstoff und stellt aus Sicherheitsgründen für ein paar Sekunden (manchmal bis zu einer Minute) den Betrieb ein.

Längerfristige Schäden durch die Ohnmacht sind nicht zu befürchten. Gefährlich sind aber die Folgen durch den Sturz, am extremsten eben beim Segler, der nur eine Hand frei hat. Falls es noch eines weiteren Arguments dafür bedarf, warum Männer im Sitzen pinkeln sollten – die Miktionssynkope ist eines.

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