Die Liebe treibt einen immer in den größten Unfug. Erst recht die Liebe zu den Dichtern. Anthony Burgess war ein großer Bewunderer von James Joyce, er hat eine kluge, einfühlsame, Lust machende Monografie über den Proto-Modernisten aus Dublin geschrieben. Doch leider wollte er es seiner großen Liebe auch als Schriftsteller gleichtun. Natürlich war er zu klug, einfach als Joyce-Epigone in See zu stechen, aber die Joycesche Idee einer totalen Form-Inhalt-Durchdringung durch die Erfindung einer artifiziellen Sprache, diese Idee wollte er kühn weitertreiben. Also schrieb er Clockwork Orange, was nicht einfach nur eine schrille Dystopie über die formierte Gesellschaft, über Willensfreiheit und Determinierung, über Gehirnwäsche und Gewalt ist, sondern vor allem der Versuch, den rebellischen Geist der sechziger Jahre mit der Verklärung des Outcasts in eine von Joyce inspirierte Sondersprache zu übersetzen: " ›Was läuft denn jetzt, ey?‹ Am Tresen saßen drei Dewuschkas, wir aber waren vier Maltschicks, und bei uns hieß es gewöhnlich einer für alle und alle für einen. Auch die Schnallen waren nach dem Dernier Krieh gekleidet ..."

Ulrich Blumenbach, einer unserer besten Übersetzer, hat dieser halb rotzigen, halb biblischen Kunstsprache jetzt ein neues deutsches Kleid verpasst. Das ist eine Leistung, lebendig wird dieses Glasperlenspiel dadurch aber noch lange nicht. Wir raten von der Lektüre ab und empfehlen, sich lieber an Stanley Kubricks Verfilmung zu halten – die ist um Welten besser als das Buch!