Peter Fischli wirkt nicht so, als ob ihn gerade das Glück am falschen Ort suche. Rauchend steht der 61-Jährige mit schlohweißem Haar vor seinem Atelier in Dietikon bei Zürich in der Sonne. Er gehört zu den Menschen, denen man das Rauchen verbieten sollte, einfach weil er es so gut aussehen lässt.

"Sucht mich das Glück am falschen Ort?" – das ist die Frage, mit der das sicherlich hinreißendste Kunstbuch aller Zeiten endet, geschrieben von Peter Fischli und David Weiss. Eine sehr eingängige Frage. Wer hat dieses Gefühl nicht schon einmal gehabt? Dass das Glück, vor allem wenn man es braucht, just dort ist, wo man gerade nicht ist? Der charmante Bestseller der beiden Künstler, unter dem Titel Findet mich das Glück? erschienen, gehört neben den Fotos der Wurstserie (1979), den ungebrannten Tonfiguren aus Plötzlich diese Übersicht (1981) und dem herrlichen Werkstatt-und-Chemieunterrichts-Domino im Video Der Lauf der Dinge (1987) zu den Arbeiten des Künstlerduos, die längst zu popkulturellen Phänomenen geworden sind. Fast jeder kennt sie. Und das hat auch damit zu tun, dass niemand so gute Bilder wie Fischli und Weiss dafür gefunden hat, wie absurd und schön zugleich das moderne Leben sein kann.

Im Hausflur steht noch "EG + 1. OG: Peter Fischli / David Weiss". Aber Weiss ist vor genau zwei Jahren an einer Krebserkrankung gestorben, 65-jährig. Wie geht das Arbeiten weiter, wenn der eine Teil eines Künstlerduos nicht mehr da ist? Über den Tod möchte Peter Fischli lieber nicht reden. Er hat deswegen auch lange gezögert, ob er einem Atelierbesuch überhaupt zustimmt. Schließlich treffen wir uns, reden lange, anschließend will er keines seiner Worte in der Zeitung aufgeschrieben sehen. Die Trauer scheint ihm immer noch den Hals zuzuschnüren.

Aber natürlich ist dem Thema Tod nur schwer auszuweichen. Ansammlung von Gegenständen, 1982–2013, die größte Fischli-Weiss-Installation seit Jahren, die kommende Woche während des Gallery Weekends in der Galerie Sprüth Magers in Berlin gezeigt wird, ist die letzte Arbeit, an der Weiss mitgearbeitet hat. Einige der darin versammelten Polyurethan-Objekte, jene verblüffend echt wirkenden Kopien prosaischer Alltagsgegenstände, hat er selber noch geschnitzt. Fischli kann immer noch genau erkennen, welche es sind.

Polyurethan ist ein leichter Hartschaumstoff, der in der Wärmedämmung und auf Filmsets verwendet wird – und aus allen möglichen Ecken von Fischlis Atelier quillt. Vor der Tür reihen sich große Papiertüten mit Schaumstoffresten aneinander, gleich daneben steht ein Stapel Europaletten, die, wie später zu erfahren ist, als Modelle für die Skulpturen gedient haben. Deckenhohe Regale sind mit Werkzeugen und Malutensilien gefüllt, überall stapeln sich Bilderrahmen und Versandkisten. Und zwischendrin liegen noch die Winterreifen von Fischlis Auto.

Der Künstler räumt das Atelier aus – Schuh, Schlitten, Krug, Korb

Die Berliner Installation wird ganz ähnlich aussehen. Ein geschnitzter Traktorreifen wird dort mit einer geschnitzten Motorsäge kombiniert werden, dazu ein einzelner Schuh, ein Keyboard, ein Krug, ein Bauernstuhl, ein Ikea-Plastikhocker, die besagte Europalette und viele andere Dinge. Die Idee zu dieser Art von Abstellkammer kam ihm und Weiss vor zweieinhalb Jahren. Die beiden gingen damals im Atelier herum, und die Regale waren übervoll von lauter Schaumstoffobjekten, die in einem anderen ihrer Werke nie einen Platz gefunden hatten. An einem Wochenende nahm Fischli die ganzen verstaubten Sachen aus dem Regal, viele Überbleibsel, deren Entstehung teilweise bis in die achtziger Jahre zurückreicht. Sie sollten den Grundstock der neuen Installation bilden. Fischli schnitzte aber auch neue Dinge dazu.

Ansammlung von Gegenständen besitzt eine fast schon hypnotische Wirkung. Man fragt sich automatisch, wer diese Gegenstände wo zusammengesammelt hat. Und nach welchem System? Der Raum erzählt eine Geschichte, man weiß nur nicht, welche. Es ist ein ungewolltes Archiv vergangenen Alltagsdesigns und sentimentaler Erinnerungen. Wie lange sind die Kinder schon erwachsen, die den verstaubten roten Plastikschlitten einst benutzt haben? Was ist mit dem Hund passiert, dem der Korb gehörte? Mehr noch als frühere Polyurethan-Installationen von Fischli und Weiss hat diese Arbeit eine emotionale Komponente. Es ist, als hafte an den Gegenständen die Aura von etwas, an dem man lange festgehalten hat und das man nur schwer loslassen konnte. Für Fischli hat die Arbeit viel mit dem Doppelsinn des Wortes "entsorgen" zu tun. Er lacht, als er davon erzählt. Er hat, so könnte man sagen, die Gegenstände entsorgt und ist zugleich eine gewisse Sorge um sie losgeworden. Man muss nicht psychoanalytisch geschult sein, um darin auch eine Form von Trauerarbeit zu erkennen.