DIE ZEIT: Herr Huber, sind Sie ein Sonnenkönig?

Bernd Huber: Nein, natürlich nicht. Wie kommen Sie darauf?

ZEIT: Sie haben die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zur erfolgreichsten deutschen Uni gemacht. Manche sagen, das habe Sie überheblich und selbstherrlich werden lassen. Sie würden die Uni führen wie ein Sonnenkönig ...

Huber: Ich habe nicht den Eindruck, dass ich durch die Erfolge eigensinnig oder arrogant geworden bin. Ich versuche, in Diskussionen stark zu integrieren. Und ich bin durchaus in der Lage, meine Meinung zu ändern, wenn es dafür gute Argumente gibt.

ZEIT: So wie jetzt im Fall von Annette Schavan: Im September vergangenen Jahres haben Sie durchgesetzt, dass die ehemalige Bundesbildungsministerin Mitglied im Hochschulrat der LMU wird, trotz erheblicher Zweifel. Zu dem Zeitpunkt hatte die Uni Düsseldorf ihr wegen vorsätzlicher Täuschung in ihrer Dissertation den Doktortitel aberkannt, sie klagte dagegen. Nun, nachdem Frau Schavan den Prozess verloren hat, haben Sie kurzerhand beschlossen, dass sie den Hochschulrat wieder verlassen soll. Wer ist nun mehr beschädigt: Frau Schavan, Sie oder die Uni?

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Huber: Die Situation ist für mich, auch menschlich gesehen, nicht einfach. Aber das gilt sicher für alle Beteiligten. Wir haben uns seinerzeit in allen zuständigen Gremien mit der Personalie beschäftigt. In der Gesamtbetrachtung fiel dann das Votum für Frau Schavan. Das war keine einsame Entscheidung. Es erschien uns als ein guter Schritt.

ZEIT: Und heute?

Huber: Ich muss im Nachhinein sagen: Das war ein Fehler. Der Plagiatsvorwurf hat bei vielen an der Universität den Kern des wissenschaftlichen Selbstverständnisses berührt.

ZEIT: Annette Schavan selbst will Ihnen davon abgeraten haben, die Personalie noch während des laufenden Plagiatsverfahrens zu entscheiden. Warum haben Sie dennoch so sehr darauf gedrängt?

Huber: Wir konnten nicht warten, wir mussten zum 1. Oktober zwei neue Mitglieder in den Hochschulrat berufen.

ZEIT: Wollten Sie damit auch ein Zeichen setzen gegen die Universität Düsseldorf, deren Umgang mit dem Plagiatsvorwurf umstritten war? Der Deutsche Hochschulverband sagte, die Ernennung von Frau Schavan zur Hochschulrätin sei ein "Affront". Sie hätten damit gegen den "akademischen Comment" verstoßen.

Huber: Ich kann nur sagen: Das war nicht beabsichtigt.

ZEIT: Aber es bleibt doch ein merkwürdiges Signal: Wie können Sie von Studenten und Doktoranden erwarten, dass diese wissenschaftlich sauber arbeiten, wenn im Kontrollgremium der Uni eine überführte Plagiatorin sitzt?

Huber: Unser Qualitätsanspruch ist völlig unbestritten und davon unberührt. Ich habe dafür geworben, den Plagiatsvorwurf und die großen Verdienste von Frau Schavan auseinanderzuhalten. Heute weiß ich, dass sich das letztlich nicht voneinander trennen lässt.