An diesem Dienstag flatterte uns ein Buch auf den Schreibtisch, dessen Cover einen jackettlosen, weiß behemdeten Gerhard Schröder zeigt, der über einem graulosen Haupt seine Hände ineinanderschraubt: seine typische Jubelpose. Beobachter ließ sie einst an einen technisch nicht ganz ausgereiften Hammerwerfer denken. Heute erinnert sie die SPD daran, dass man Wahlen auch gewinnen kann.

Das Inhaltsverzeichnis besteht aus 55 Namen, und während man diese Namen scannt, spürt man, wie froh man doch ist, nicht Kanzler geworden zu sein – da muss man sich zum 70. Geburtstag wenigstens nicht von Bert Rürup und Kai Diekmann gratulieren lassen. Und schon gar nicht von Carsten Maschmeyer. Dass diese Glückwünsche der SPD-eigne Vorwärts-Verlag schon zwei Wochen nach dem Anlass überbringt, stellt in der SPD-Historie eine erstaunliche Beschleunigung an Versöhnungsbereitschaft dar. Schließlich brauchten die SPD-eigenen Genossen einst zehn Jahre Bundesrepublik, bis sie die soziale Marktwirtschaft in ihre Arme schlossen.

Beim Durchblättern der 55 Quasi-Seligsprechungen blieben wir, na klar, bei Joschka Fischer hängen. Nicht wie Fischer Weggefährten lobt, fasziniert, sondern wie er Widersacher vernichtet. In einem Nebensatz erinnert er an Friedrich Merz – nur dass bei Fischer Merz nicht Merz heißt, sondern März. Das bedeutet: Der ist so gestern, dass keiner mehr weiß, wie er sich schreibt. Wie Fischer wohl über Bernd Rürsupp denkt? Oder über Karsten Matscheimer?