Für 8730 Hamburger Schüler haben in dieser Woche die Abiturprüfungen begonnen. Und pünktlich zum Start wollen zwei Studien beweisen, was viele Bildungsbürger ohnehin schon lange glauben: Das Abitur werde immer leichter. Zum Lösen der Aufgaben reiche es, leidig gut lesen zu können. Schon pfiffige Siebtklässler könnten die Klausuren ohne Weiteres bestehen.

Kurzum: Schüler scheinen das Hamburger Abitur gleichsam nachgeworfen zu bekommen. Nur deshalb, so wollen die Studien belegen, habe die Zahl der Abiturienten in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 75 Prozent steigen können.

Oje. Ist die Reifeprüfung nun endgültig zur Billigware verkommen? Verzocken Bildungspolitiker für eine möglichst hohe Abiturquote die Bildung unserer Kinder?

Hamburgs oberster Schulkritiker Walter Scheuerl verbreitete bereits via Newsletter, nun sei belegt, dass "die Reformpädagogen aus der Schulbehörde immer mehr dazu übergehen, Aufgaben nach dem Muster einer Ostereipädagogik zu stellen: Alle Antworten auf die gestellten Aufgaben werden im Aufgabentext versteckt." Und G-9-Streiterin Mareile Kirsch durfte nach Veröffentlichung der Studien gar in den Tagesthemen erzählen, dass das Hamburger Abitur im G 8 so sehr an Niveau verloren habe, dass es nur ein "G 8 light" sei.

Stellt sich also die bange Frage: Wie schlimm steht es um unser Abi?

Der Mann, der das Hamburger Abitur frontal angreift, heißt Hans Peter Klein. Klein ist Professor für Biologie-Didaktik in Frankfurt und einer der schärfsten Kritiker der derzeitigen deutschen Schulpolitik. Seit Hamburgs Schulsenator Ties Rabe vor anderthalb Jahren die wissenschaftlich äußerst steile These bejubelte, das kürzere Abitur habe die Qualifikation der Absolventen sogar noch verbessert, widmet sich Klein besonders gern der Leistung der Hamburger Schüler. An ihrem vermeintlichen Leistungsabfall beschreibt er beispielhaft einen bundesweiten Abwärtstrend. So fanden sich Hamburgs Schüler in den vergangenen Monaten wenig schmeichelhaft schon in der FAZ , im Spiegel und in der Wirtschaftswoche wieder.

Denn Klein hat sich gemeinsam mit Kollegen Hamburger Abituraufgaben in Mathe und Biologie angeschaut und verbreitet derzeit öffentlichkeitswirksam die Ergebnisse zweier Studien. Sein Fazit: In den Prüfungen würden scheinbar anspruchsvolle Aufgaben (wie: begründe, beurteile, analysiere) gestellt, faktisch müssten die Schüler aber nicht begründen, beurteilen oder analysieren, sondern nur aus dem Begleitmaterial abschreiben.