Der deutsche Markt für Lakritze ist zweigeteilt. Im Norden wird viel Lakritze gegessen, im Süden wenig. Deshalb kann man die Weißwurstgrenze auch als Lakritzstreifen bezeichnen. Was die Norddeutschen und die Süddeutschen jedoch eint: Beide wissen oft nicht, woraus die zähe schwarze Masse eigentlich besteht. Die Hamburger sprechen von Pferdeblut, die Bayern von Bärendreck, in Wahrheit wird Lakritze aus den Wurzeln von Süßhölzern gewonnen.

Süßholzsträucher wachsen wild in China, im Mittleren Osten und in ein paar Mittelmeerländern. Chinesische Süßholzextrakte haben in der Lakritzbranche keinen guten Ruf, umso beliebter ist das Produkt aus dem Iran. Bei der Werner Bruhns Lagereigesellschaft mbH in der Afrikastraße liegen derzeit 500 Tonnen aus den Provinzen Fars und Kerman. Der Duvenstedter Lakritzlieferant Hepner & Eschenbrenner hat sie bestellt. Zehn Tage sind die iranischen Lkw unterwegs gewesen. Das war teurer als der Transport mit dem Schiff. Aber seitdem der Westen Sanktionen gegen den Iran verhängt hat, haben die Reeder keine Lust mehr, iranische Häfen anzulaufen – auch nicht für legale Güter wie Lakritze, die mit dem iranischen Atomprogramm wenig zu tun haben.