Weshalb schließen sich Hapag-Lloyd und CSAV überhaupt zusammen?

Hat doch jeder genug eigene Probleme, könnte man meinen. Hapag-Lloyd steckt seit Jahren in der Krise. Erst vor wenigen Wochen hat das Unternehmen 97 Millionen Euro Jahresverlust gemeldet. Die chilenische Reederei CSAV kam zuletzt auf ein Minus von 169 Millionen Dollar. Die Antwort ist nicht schön, aber wahr: Genau deshalb.

Für die Schifffahrt gilt derzeit mehr als für alle anderen Branchen das Motto size matters. Der jetzt in Hamburg entstehende Container-Riese wird über mehr als 200 Schiffe verfügen und rund neun Milliarden Euro Umsatz machen. Er springt so weltweit auf Platz vier hinter Mærsk, MSC und CMA CGM. Allerdings mit weitem Abstand.

Warum ausgerechnet die Chilenen?

Falsche Frage. Unternehmerisch wäre eine Fusion mit Hamburg Süd die Traumhochzeit gewesen. Die Reederei ist größer, finanziell besser dran, hat die moderneren Schiffe und – als Eigentümer einen zerstrittenen Oetker-Clan, der das Geschäft in letzter Minute platzen ließ. Trotzdem könnte sich die Not als Tugend erweisen: Weil die Chilenen die Fusion selbst am nötigsten brauchen, hat Hapag-Lloyd eine starke Position, die Zentrale in Hamburg und 1200 Jobs bleiben erhalten. Mit Hamburg Süd wäre es da schon komplizierter geworden.

Hinter CSAV steht die Familie Luksic, eine der einflussreichsten Familien Chiles – und der Welt. Klar ist allerdings, dass die Luksics nicht für den Hamburger Hafen schwärmen, sondern für ordentliche Renditen. 300 Millionen Dollar Einsparungen soll die Fusion bringen.

Was heißt das für die Stadt?

Achtung, Pathos: Was gut für Hapag-Lloyd ist, ist auch gut für Hamburg – immerhin gehört der Stadt noch der größte Teil der Problemreederei. Über eine Milliarde Euro hat Hamburg bislang in das Unternehmen gesteckt. Eigentlich war geplant, einen Teil der Summe durch Dividenden wieder einzuspielen. Nur: wo kein Gewinn, da keine Ausschüttung.

Will Hamburg eines Tages sein Geld wiedersehen, muss Hapag-Lloyd wettbewerbsfähiger werden. Die Fusion ist ein richtiger Schritt, aber nicht die Rettung. Wenn zwei Einbeinige gemeinsam versuchen zu laufen, ist das eine wackelige, langwierige Sache.