Viele Deutsche sind in diesen Wochen endlich angekommen. Sie haben sich ein Haus gekauft oder eine Wohnung angeschafft. Der Kredit war günstig, die Immobilienpreise steigen. Die Altersvorsorge scheint gesichert, jetzt kann nicht mehr viel passieren.

Von wegen! Nichts ist sicher, und alles kann passieren. Der Trend zum Eigenheim bedroht die ökonomischen Grundfesten dieser Republik. Denn Immobilien sind – falsch gehandhabt – finanzielle Massenvernichtungswaffen.

Dabei waren die Deutschen eigentlich immer ein Volk von Mietern. Nur 43 Prozent aller Wohnungen werden hierzulande von den Eigentümern selbst bewohnt, in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sind es rund 70 Prozent. Mit dem Bau von Mietwohnungen konnte nach dem Zweiten Weltkrieg der Wohnraummangel in den zerstörten Städten beseitigt werden. Und als der Wohlstand im Laufe der Jahre wuchs, mieteten die Menschen einfach weiter. Schließlich ermöglicht das ihnen ein vergleichsweise sorgenfreies Leben: Der Vermieter kümmert sich um die Instandhaltung, und das strenge Mietrecht schützt vor allzu großer Willkür.

Der Traum vom Eigenheim blieb für Millionen von Bundesbürgern genau das: ein Traum. Dem Land und seinen Leuten hat das aber nicht geschadet – im Gegenteil: Das Mietwesen ist ein Grund für die hohe wirtschaftliche und soziale Stabilität der deutschen Volkswirtschaft. Denn wer sich als Normalverdiener eine Immobilie zulegt, der muss dafür in der Regel den Großteil seiner Ersparnisse aufwenden – und setzt damit alles auf eine Karte. Das ist riskant, denn auch für Gemauertes gilt der erste Hauptsatz der Marktwirtschaft: Jede Sache ist nur so viel wert, wie andere dafür zu zahlen bereit sind. Ein Schaden am Haus, eine Umgehungsstraße, ein neuer Flughafen – und das Geld ist weg.

Auch die vermeintliche Sicherheit im Alter kann sich schnell als trügerisch erweisen, wenn das Dach neu gedeckt werden muss oder wenn die Preise irgendwann einmal nicht mehr weiter steigen. Das erscheint im Moment kaum vorstellbar, doch die Bevölkerung schrumpft, und irgendwann wird sich das auch auf dem Immobilienmarkt bemerkbar machen. Schon heute lassen sich Häuser auf dem Land zum Teil nur noch mit kräftigem Abschlag verkaufen.

Es ist eine Grundregel der Geldanlage, das Ersparte möglichst breit zu streuen. Im allgemeinen Immobilienfieber scheint sie nicht mehr zu gelten. "Wir bringen die Haushalte dazu, den Großteil ihrer Ersparnisse in eine Anlage zu stecken, deren Wertentwicklung schwer vorherzusehen ist", sagt Adam Posen, Direktor des Peterson Institute for International Economics in Washington und ehemaliger Gouverneur der Bank von England.

Der Kult ums Eigenheim – er ist ein Spiel auf Risiko. Und es geht dabei keineswegs nur um den eigenen Geldbeutel. Denn fast alle großen Finanzkrisen der jüngeren Geschichte sind auf das Auf und Ab am Immobilienmarkt zurückzuführen. Das gilt auch für die jüngste Krise. Ohne die Wall Street mit ihren Zockerpapieren hätte sie sich nicht so schnell über den Erdball ausgebreitet. Der Auslöser des Schlamassels war ein profaner Einbruch der amerikanischen Häuserpreise.

Er brachte die Geldinstitute in Schwierigkeiten, die die Immobilien finanziert hatten. Und weil ohne Banken nicht viel läuft, stand die Welt plötzlich am Rande des finanziellen Abgrunds. Dasselbe Muster wiederholte sich wenig später dann auch in Europa. Spanien und Irland wurden unter den Rettungsschirm gezwungen, weil eine Immobilienblase platzte und die Rettung der maroden Geldinstitute Unsummen verschlang.

Das ist es, was Immobiliengeschäfte so gefährlich macht: Sie verleiten zum Leben auf Pump, denn wenn das Haus immer mehr wert wird, scheint der Kredit nicht mehr zu drücken. Die Verbindlichkeiten der amerikanischen Privathaushalte haben sich in den Jahren vor der Krise fast verdoppelt, mehr als zwei Drittel aller vergebenen Kredite dienten der Immobilienfinanzierung.