Das Zentrum unserer künstlerischen Arbeit ist die Begegnung", sagt Lucas De Man. Vor fünf Jahren gründete der Belgier das Künstlernetzwerk Stichting Nieuwe Helden, aus "Frustration über das Theaterregisseur-Dasein", wie er sagt. "Sechs Wochen lang sein ganzes Herzblut in ein Projekt stecken, für eine Vorstellung, die dann vielleicht dreimal läuft und nach deren Ende zehn Leute sagen, "War schön", und dann war’s das – das wollte ich nicht mehr." Stattdessen: mehr inhaltliche Nachhaltigkeit, vor allem aber regere Beteiligung des Publikums. Also begann De Man bereits während seines Regie-Studiums an der Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten nach Mitstreitern zu suchen.

Kunst kreieren, Verbindungen etablieren, Begegnungen initiieren. So lässt sich das Konzept der in Amsterdam ansässigen Nieuwe Helden zusammenfassen. Das niederländische Wort für Begegnung ist ontmoeting. De Man trennt es für seine Zwecke in ont-moeting, was dann so viel bedeutet wie Nicht-Müssen. Denn: "Nur eine Begegnung, die nicht erzwungen ist, ist eine echte Begegnung."

Mittlerweile zählt das internationale Netzwerk mit festem holländischen Kern 184 Mitglieder, unterteilt in professionelle Kreatoren und mitarbeitende Helden. Finanzielle Unterstützung kommt von Freunden und Geschäftspartnern. Unter der Marke Stichting Nieuwe Helden initiiert und kuratiert De Man mit seinem Team Kunstprojekte, Installationen und Performances im öffentlichen Raum. Obwohl die Bewegung im fünften Jahr ihres Bestehens längst von einer Menge engagierter und eigenständiger Helden getragen wird, ist De Man noch stets die treibende Kraft. Stichting Nieuwe Helden ohne Lucas De Man wäre wie The Police ohne Sting – vermutlich nicht existent oder zumindest bei Weitem nicht so erfolgreich. Wer ihm begegnet, erlebt einen getriebenen Theatermacher und Kunst-Visionär. Sein Antrieb sei das ständige Gefühl der Sterblichkeit, sagt er. Und die Hilflosigkeit, damit umzugehen. "Man kommt auf die Welt und hört von seinen Eltern: "Wir wissen auch nicht, wie und worum es geht, jetzt los, sei glücklich und lebe!"

Der 32-Jährige sieht sich als Teil einer Generation des Nicht-Wissens. Worum geht es im Leben, warum sind wir hier? Die erste Aktion der Neuen Helden vor fünf Jahren stand denn auch ganz buchstäblich im Zeichen dieser Fragen. Im September 2009 organisierten die jungen Künstler in Mazedonien die Performance Question Mark, bei der sich die Bewohner von Skopje mit brennenden Fackeln zu einem großen Fragezeichen formierten. Eine Antwort auf die ewige Frage nach dem Sinn des Lebens will De Man aber gar nicht geben. Ihm geht es um das Mit-/Teilen einer generationenübergreifenden Ratlosigkeit und das Umwandeln dieses Gefühls in Zuversicht und Energie. Seine Rede Über den Zustand der kreativen Stadt eröffnete er mit "der schlechten Nachricht: Wir sind in der Krise", um drei Sätze später zu triumphieren: "Die gute Nachricht: Wir sind in der Krise. Yes! Endlich!" Lucas De Man greift das Wort Krise bei seinem griechischen Ursprung, in welchem es Wendepunkt, entscheidender Moment oder Umsturz bedeutet, und freut sich darüber, an der aktuellen Krise gestalterisch beteiligt zu sein – in Form von Begegnungen im öffentlichen Raum.

Wichtig ist ihm bei diesen urban actions die Differenzierung zwischen "aktionistischen und sozialen Jeder-kann-mitmachen-Projekten" und seinen professionellen Kunstaktionen, die die Beteiligung des Publikums oder der Bewohner aktiv einfordern. Für die Installation DUIF, die im Spätsommer 2013 auf dem Festival De Basis zu erleben war, entwarf der bildende Künstler Pascal Leboucq eine riesige Friedenstaube, die aus den Kopfkissen der Bewohner der niederländischen Dörfer Zeist, Soest und Soesterberg bestand.