Bundeswehr, sächsisches Innenministerium und die Stiftung Frauenkirche laden ein zur Gotteslästerung. Milder kann ich es nicht nennen. Die Einlader hingegen sprechen von einem "musikalischen Gottesdienst".

Am 30. April 2014 soll in der Dresdner Frauenkirche "das Wehrbereichsmusikkorps III der Bundeswehr unter Leitung von Oberstleutnant Roland Dieter Kahle" aufspielen. Die evangelische Kirche liefert eine liturgische Umrahmung, auf dass Gott nicht klage, sein Haus und sein Name würden pervertiert. Doch ebendas geschieht, durch kirchliche Werbung für die Bundeswehr.

Einst war ich gegen den Wiederaufbau der Frauenkirche. Deren Ruine sollte antimilitaristisches Mahnmal bleiben. In der Nacht zum 14. Februar 1995 stand ich unter den vielhundert Dresdnern, die sich, Kerzen in den Händen, um die Trümmer scharten und Dona nobis pacem sangen.

Dann sah ich den Neubau wachsen und spürte unverhoffte Freude. Der 30. Oktober 2005 machte mich glücklich. An diesem Tag der Weihe verbrachte ich sieben Stunden in der wiedererstandenen Steinernen Glocke. Ihr gilt mein erster Blick, wenn ich nach Dresden komme und der Zug die Marienbrücke überquert.

Was ich nicht wollte: eine Show- und Touristenkirche, einen Tempel protestantischer Selbstdarstellung, ein Institut zur religiösen Veredlung der Staatsideologie, die sich deutlich militarisiert.

Der Protestantismus hat eine lange Geschichte opportunistischer Feigheit und politischen Missbrauchs. Aber christlicher Glaube ist wesenhaft pazifistisch; Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. In Gottes Haus ist jeder Mensch willkommen, auch jeder Soldat. Er möge aber einzeln kommen, nicht als Armee. Und entwaffnet, ohne Pauken und Trompeten.