Die maskierten "grünen Männer", die wir schon aus der Krim kennen, organisieren nun auch den Phantomkrieg in der Ostukraine. Es handelt sich um gut ausgebildete Speznas-Kräfte – Spezialtruppen –, denen bloß die rotbraunen Bérets und die Hoheitsabzeichen fehlen. Putin nennt die Speznaz-Story "Unsinn"; es gebe keine "russischen Einheiten in der Ostukraine". Vom Mars aber kommen die "Grünen" nicht, und General Breedlove, der Oberbefehlshaber der Nato, sinniert: "Schwer zu glauben, dass die maskierten Bewaffneten, die Regierungsgebäude besetzen, spontan aus der Bevölkerung aufgetaucht sind."

Es muss also reiner Zufall (oder antirussische Agitprop) sein, dass die Beobachter der Wiener OSZE in der Donezk-Region inzwischen Fotos von Grünen haben, die schon auf der Krim, gar in Georgien (2008) dabei waren, damals allerdings mit Speznas-Abzeichen. Zufall muss es auch sein, dass sie mit dem Feinsten aus russischer Produktion ausgerüstet sind, das ukrainische Zivilisten nicht im nächsten Jagdgeschäft kaufen können.

Schon orakelt Moskaus Außenminister Lawrow von direkter Intervention. Schuld an allem Unheil seien die "Machtergreifer" in Kiew, "die gröblich das Genfer Abkommen (der Vorwoche) verletzen". Russland sei eine "unabhängige Großmacht, die weiß, was sie will". Gewiss. Sie will die Kontrolle über die Ostukraine – indirekt, wenn möglich; direkt, wenn nötig. Niemand im Westen wird Moskau gewaltsam aufhalten können oder wollen. Spiel, Satz, Match für Putin?

Sein Problem ist es, dass er im 21. Jahrhundert Machtpolitik nach den Regeln des 19. betreibt. Seine Zentralbank könnte es ihm erklären. Im ersten Quartal sind 51 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen worden. Putins Finanzminister Alexej Kudrin glaubt, das Ukraine-Abenteuer werde bis Jahresende 160 Milliarden an Kapitalflucht kosten. Die Weltbank schätzt, dass die russische Wirtschaft bis dahin um zwei Prozent schrumpfen werde – ein Minus von 40 Milliarden. Moskau hat bereits sieben Milliarden an Stütze für die Krim beiseitegelegt.

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Unterstellen wir, dass Amerika es schafft, die Europäer auf echte Sanktionen einzuschwören: gegen den Energie-, Banken- und Bergbausektor. Da Russland sein Einkommen heute noch stärker als vor 20 Jahren aus dem Boden bezieht, der nunmehr für knapp 80 Prozent aller Exporterlöse gut ist, würden dauerhaft harte Sanktionen Moskau in den Ruin treiben. Es wäre das Ende jenes Traumes, den Putin vor acht Jahren niederschrieb: Um eine "Wirtschaftsgroßmacht" zu werden, müsse Russland jährlich um vier bis sechs Prozent wachsen. Wie? Durch "Ausbeutung und Verarbeitung seiner Mineralien". Im Vorjahr, als von Sanktionen noch keine Rede war, ist das Wachstum auf etwas mehr als ein Prozent gefallen.

Fazit: In vergangenen Jahrhunderten wurden Staaten durch ihre Eroberungen reicher; siehe das Gold und Silber, das Spanien aus Lateinamerika herausquetschte. Heute wird Putinland ärmer – kein gutes Geschäft. Kurzfristig aber darf sich Putin in den Umfragen sonnen. Der Einsatz der "grünen Männer" hat seine Popularitätswerte um zehn Punkte im Vergleich zum Jahresanfang angehoben. Doch von "viel Feind, viel Ehr" kann sein Volk nicht leben.