Zu den bedeutenden Ereignissen im Leben eines Menschen zählen Erlebnisse. Wie das Wort schon sagt, handelt es sich dabei um etwas, das man erlebt. Es geschieht, während man am Leben ist – und nicht etwa nur zugegen. Die eigene Beerdigung ist also normalerweise kein Erlebnis.

Marketingexperten missbrauchen das E-Wort, indem sie Leben und Konsum gleichsetzen: Wer das von ihnen beworbene Zeug nicht gesehen, gekauft oder besucht hat, so behaupten sie, der habe gar nicht gelebt. Oder habe sein Leben nicht ausgekostet, was noch viel schlimmer sei. Die Folge ist eine Erlebnisinflation, die ich hier mal unvollständig typologisiert habe: "Erlebnis" gibt es zeitlich als -tag, -nacht, -woche und -wochenende.

Ferner ist "Erlebnis" auch örtlich in der Variante Erlebnisdorf, Erlebniswald, Erlebnisland und Erlebnismuseum erhältlich. Alte Handwerksbetriebe sind sehr erlebnisreich, etwa als Erlebnisschmiede, -werft, -hof oder -imkerei. Man kann auf Erlebnisjagd gehen, Erlebnisküchen in der Erlebnisgastronomie besuchen oder einen Erlebnisurlaub im Erlebnishotel buchen. Wobei gepflegte Langeweile angesichts dessen jedoch zunehmend an Attraktivität gewinnt.

Erwähnenswert ist noch die "Erlebnis-Oase", bei der die Betreiber einer Bauernhof-Freizeitpark-Hybridanlage aus dem nordrhein-westfälischen Kevelaer-Twisteden gleich zwei klassische Bullshit-Phrasen gekoppelt und sie allen Ernstes auch noch "Irrland" getauft haben (googeln Sie mal). Dort lässt sich der "größte Esel Europas" bestaunen, und zwar nicht nur an der Kasse. Bei einem Besuch sollte man sich jedoch vergegenwärtigen, dass Erlebnisse nicht immer positiv sein müssen. So manche Erlebnisreise vergisst man sein Leben lang nicht. Mehr dazu im psychologischen Wörterbuch unter dem Begriff Trauma.