Soldaten sind keine Mörder. Jedenfalls nicht in einem Land, dessen Armee keine Angriffskriege führen darf. So steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik. Das heißt: Unseren Soldaten sind nur Verteidigungs- und Friedenseinsätze erlaubt. Sie sind Staatsbürger in Uniform. Trotzdem gibt es jetzt Proteste gegen einen "Militärgottesdienst" in der Dresdner Frauenkirche am 30. April.

Die Begründung: Gerade diese Kirche stehe "als ein Symbol gegen den Krieg und für Versöhnung und Frieden". Zwischen den Zeilen heißt das: Die Bundeswehr symbolisiert den Krieg. So ist es aber nicht. In der Bundesrepublik steht die Armee unter dem Verdikt des "Nie wieder!".

Warum also die Aufregung? Weil auch unsere Soldaten im Ernstfall töten? Damit würden sie in der Tat gegen das christliche Gebot verstoßen. Aber nicht unbedingt gegen die Friedensbotschaft Jesu Christi – etwa bei einem Friedenseinsatz in der Zentralafrikanischen Republik, wo sich derzeit Christen und Muslime gegenseitig massakrieren. Befürchten die Protestierenden, dass auch die Bundeswehr insgeheim kriegerisch, ja aggressiv sei? Das Wort vom "Militärgottesdienst" lässt darauf schließen. Tatsächlich ist nur ein "musikalischer Gottesdienst" angekündigt, zu dem das Landeskommando Sachsen, das sächsische Innenministerium und die Stiftung Frauenkirche einladen. "Es spielt das Wehrbereichsmusikkorps III." Kriegstreiberei klingt anders.

Trotzdem könnte man sagen: Ein Gottesdienst ist kein verfassungspolitischer, sondern ein religiöser Akt. Folglich muss man religiös argumentieren. Die Protestierenden, unter ihnen auch Pfarrer, sagen: "Keine Militärmusik in Kirchen! Schwerter zu Pflugscharen!" Nun ist aber gewaltverherrlichende Militärmusik nicht geplant. Und wenn ein Gottesdienst für alle Menschen da ist, muss er auch für Soldaten da sein. Der Opfertod Jesu Christi erwirkt die Vergebung auch ihrer Sünden. Das nimmt dem Soldaten nicht die Verantwortung für sein Handeln. Das legitimiert keinen Krieg. Aber hatte hier jemand vor, Krieg zu führen? Nein. Im Gegenteil. Das Militär, das in der Kirche spielt, unterwirft sich symbolisch der christlichen Friedensbotschaft.

Leider haben deutsche Christen, deutsche Kirchen diese Botschaft selbst verraten – zuletzt im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Sie segneten Waffen, ermunterten zum Töten. Wahrscheinlich soll in Dresden genau diese Vergangenheit verscheucht werden. Sie ist ein schwerer Einwand gegen die Kirche von damals. Aber nicht gegen die Soldaten von heute.