Wenn ein Künstler in einem eher kleinen Land lebt und dort extrem populär ist, muss er notgedrungen akzeptieren, dass ihn ständig fremde Leute auf der Straße ansprechen. Fast automatisch stellt sich da wohl der Wunsch ein, eine Zeit lang einfach unsichtbar zu sein. Ihn erfasste die Sehnsucht kurz vor seinem 60. Geburtstag; so stark, dass er ihr nachgab und spontan nach New York zog – ein Befreiungsschlag, den er sechs Jahre lang genoss: "Ich wohnte im 26. Stock des Olympic Tower an der Fifth Avenue, Ecke 51. Straße. Traumhaft!"

Für eine Spielernatur wie ihn war der "Mr. Nobody" vermutlich nicht nur Flucht, sondern auch eine schöne Rolle. Fast drei Jahrzehnte hatte er zuvor die großen Säle gefüllt und das Publikum zum Lachen gebracht, erst im Team, später als Solist. Humor war ihm von Kindheit an vertraut: "In unserer Familie wurde sehr viel gelacht." Als Schüler gab er den Pausenclown, was von strengen Lehrern mit Nachsitzen bestraft wurde. Dann, unerwartet, wurde er erst einmal – Beamter. Fast neun Jahre hielt er durch, bis er endlich den Mut fand, ein Künstler zu sein. Er schulte um auf Grafiker, gründete eine Kleinkunstbühne, leitete ein Kino. Und nun kam ihm doch noch die Beamtenzeit zugute – als Fundus an Alltags-Anekdoten. Die verwertete er für die Paraderolle des spießigen Tollpatschs, der typische Marotten seiner Landsleute auf die Spitze trieb. Die Kunstfigur wurde Kult; bald spielte er sie in drei Sprachen, gastierte in Nigeria, Ghana, Peking. Ein Wagnis, das glückte, weil in der Figur trotz aller Eigenheiten eben auch ein universeller menschlicher Kern steckt.

Und dann: lange Sendepause in Manhattan. Die erste Ehe war geschieden worden. Eine zweite, jüngere Lebensgefährtin trat in sein Leben. Humoristin wie er, seelenverwandt. Mit ihr kehrte er in die alte Heimat zurück, gründete einen kleinen Verlag. Und nach wie vor geht der über 80-Jährige auf Tournee. Das aktuelle Programm ist ein Dauerbrenner, Hunderte Male war er damit auf der Bühne: "Ich habe einen Tisch, einen Stuhl, ein Glas Wasser. Lese zehn Minuten vor und erzähle neunzig Minuten Geschichten." Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 17:

Buster (Joseph Francis) Keaton (1895 bis 1966) mit dem "pork pie hat" war neben Charlie Chaplin der erfolgreichste Komiker der Stummfilmzeit. "The General" zählt zu den Klassikern der Filmgeschichte. Wiederentdeckt wurde er in Frankreich