Apoll drückt seinen Rücken durch, reckt die athletisch geschwollene Brust und präsentiert kokett sein Hinterteil. Ziemlich unbequem sieht das aus, denn er dreht ja auch noch seinen Kopf bis zum Anschlag. Aber der Gott des Lichts muss sich schon deshalb verrenken, weil er nur eine kleine Himmelsscheibe für sich und seinen Streitwagen zur Verfügung hat. Alles ist, mit viel Gold, in feinen Mosaikteilchen ausgeführt; unwillkürlich denkt man an die Hagia Sophia oder die schimmernden Wandbilder in Ravenna. Ein archaisierender Stil, in dem sich antike Körperlichkeit mit streng stilisierten Elementen mischt.

Irgendwie wirkt das Werk aber auch modern, jeder Kunstgeschichtsprüfling würde ins Schwitzen kommen. Nur schwedische Kunstfreunde oder aufmerksame Stockholm-Besucher werden sich über das Werk nicht wundern, sondern sich an den Goldenen Saal des Stadshuset erinnern. Der schwedische Künstler Einar Forseth gestaltete beim Neubau des Rathauses, 1921 bis 1923, die Ausstattung des gewaltigen Prachtraums. Den Auftrag für das Riesenwerk sicherte sich die Firma Puhl & Wagner aus Berlin. Wie ein goldgleißender Bildteppich überziehen 19 Millionen Mosaiksteinchen alle Flächen; an der Stirnseite hält die Sagenkönigin Mälardrottning die Stadt Stockholm schützend in der Hand. Byzantinische Pracht in einer Kathedrale des Bürgerstolzes. Während der Feierlichkeiten zur Nobelpreisverleihung findet hier traditionell der abschließende Tanzball statt.

Nun tauchte dieses 1,40 mal 1,40 Meter große Probestück auf – eine kleine Sensation. Das Mosaik ist irgendwann zu einem Sofatisch umgearbeitet worden, aber die Messingbeine lassen sich bequem abnehmen, dann hat man ein ziemlich exzentrisches Wandbild. Am 24. Mai kommt der funkelnde Sonnengott bei Herr in Köln unter den Hammer. Dort hat man die Taxe mit 2000 Euro bewusst niedrig angesetzt, aber bei dem Preis wird es kaum bleiben. Apoll wird wohl im Bietergefecht ziemlich flott davonstürmen.

Sebastian Preuss ist stellvertretender Chefredakteur von WELTKUNST und KUNST UND AUKTIONEN