Eine Perücke aus weißem Pferdehaar mit schulterlangen Locken kostet um die 1500 Pfund, umgerechnet rund 1800 Euro. Die Rede ist von der handgeknüpften Haarpracht, die englische Richter und Anwälte seit dem 17. Jahrhundert tragen, wenn sie Justitia vertreten. Vor ein paar Jahren wurden die Perücken in den meisten Gerichten abgeschafft, weil die Regierung dem Steuerzahler die Kosten für die Requisite nicht länger zumuten wollte. Es war ein Vorstoß, der die Gemüter in der Juristenzunft bis heute erregt. "Das geht doch die Politik nichts an, was wir im Gerichtssaal anhaben", empört sich ein Anwalt, der anonym bleiben will.

Nun will die Regierung schon wieder etwas modernisieren, und dieses Mal erhebt sich die City of London, der Finanzdistrikt, zum Protest. Um politischen Sanktionen künftig mehr Wucht zu verleihen, will das Außenministerium all jenen, die geschäftliche Interessen in Schurkenstaaten wie dem Iran oder Syrien haben, den Zugang zu britischen Gerichten verweigern. Das könnte teuer werden, denn Anwälte wie der bereits zitierte – nennen wir ihn Charles – arbeiten am liebsten für milliardenschwere Unternehmer aus Schwellenländern wie Russland, der Ukraine, China oder Mexiko oder eben dem Iran. Diese Klientel trägt ihre Prozesse, wann immer möglich, am liebsten mit Londoner Anwälten vor Londoner Gerichten aus. Die britische Rechtstradition ist hoch angesehen. Weltweit. So ist ein enormer Dienstleistungssektor mit Jahreseinnahmen von mehr als 20 Milliarden Pfund entstanden.

Nun fühlt man sich bedroht. "Welche Geschäftsinteressen mein Klient jenseits des zu verhandelnden Falles hat, kann ich doch gar nicht wissen", sagt Charles, "erst recht nicht, wenn es um dunkle Geschäfte in unheilvollen Ländern geht." Die Sorge der Juristen ist, dass die Kunden künftig lieber gleich woanders hingehen. Nach Singapur beispielsweise, dort gilt auch das britische Rechtssystem – und dort tragen Richter und Anwälte auch noch Perücken.