Er ist der Schrecken vieler Banker: Europas Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Rund 30 neue Gesetze für die Finanzbranche hat die Europäische Kommission unter seiner Führung ausgearbeitet. Viele dieser neuen Regeln treten in diesem oder im nächsten Jahr in Kraft. Es geht dabei zum Beispiel um die Frage, wie viel Kapital Banken als Sicherheitspuffer vorhalten müssen. Um die Frage, in welchem Umfang sie Handelstransaktionen betreiben dürfen, die den Markt bewegen. Oder um die Frage, ob sie selbst – im Eigenhandel – noch riskante Geschäfte tätigen dürfen.

Die Banken wehren sich nach Kräften. Einiges nehmen sie zähneknirschend hin, weil sie wissen, dass es darum geht, Auswüchse wie jene, die zur Finanzkrise geführt haben, künftig zu verhindern. Anderes – wie die Pläne für eine Steuer auf Finanztransaktionen oder eine Aufspaltung von Kreditgeschäft und Investmentbanking – lehnen sie rundheraus ab. Manchmal geraten Banker und Politiker offen aneinander, so im Herbst, als Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, schimpfte: "Wir können das sicherste System der Welt haben, aber es funktioniert nicht, wenn es nicht wettbewerbsfähig ist." Es kam zu einem Fernduell mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über die Frage, wie viel Regulierung sinnvoll ist und ob die Banken ihr Folge leisten. Inzwischen hat sich die Atmosphäre wieder etwas entspannt, doch in einem Punkt sind sich die Beteiligten durchaus einig: Die Regulierung wird teuer.

Ende 2013 taxierte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Kosten für deutsche Banken auf neun Milliarden Euro – im Jahr. In einer Studie im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken nannte sie die nationale Bankenabgabe sowie Ausgaben für Personal und IT, die direkt Kosten verursachen. Hinzu kommen noch die Gewinne, die Banken entgehen, weil sie Kapital vorhalten müssen und nicht mehr für Kredite oder andere Geschäfte einsetzen können, also die Folgen einer insgesamt niedrigeren Profitabilität. "Die Skala der Regulierungskosten ist nach oben offen", fürchtete gar Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands. Längst mahnen Vertreter der Großbanken, die neuen Regeln seien für kleinere Banken existenzgefährdend und bremsten zudem die ganze Wirtschaft. "Die Regulierungsflut macht Banken zu einer reifen Industrie mit geringer Profitabilität und geringer Risikobereitschaft", ließ sich Theodor Weimer, Vorstandschef der HypoVereinsbank, vernehmen. "Das ist eine Gefahr für die Finanzierung von innovativen, aber risikoreicheren Unternehmen und Projekten."

Eines wird bei alldem gerne unterschlagen: Den Großteil der Kosten werden die Banken weiterreichen. An die Sparer und Kunden.

Vor allem Privatanleger werden künftig dafür zahlen, dass das System im Ganzen ein wenig sicherer wird. Stephan Rabe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband öffentlicher Banken, gibt zu: "Die Kosten für die Regulierung können die Banken gar nicht aus dem Ertrag stemmen, das ist völlig illusorisch." Er gibt zu bedenken: "Die Regulierung wird immer als große Entlastung der Steuerzahler verkauft – aber jeder Steuerzahler ist immer auch Bankkunde." Ein Sprecher der Deutschen Bank räumt ebenfalls ein: "Die zusätzlichen Kosten für die Regulierung müssen wir natürlich über die Kunden finanzieren."

Drei Stellschrauben stehen der Finanzindustrie dafür zur Verfügung: die Gebühren für Konten und Karten, die Kosten für Kredite und die Zinsen auf Anlageprodukte und Tagesgeld.

Ausgerechnet auf Tagesgeldkonten horten deutsche Bankkunden derzeit rund 40 Prozent ihres Vermögens, in der Hoffnung, dass die Zinsen bald wieder steigen. Derzeit betragen die Zinsen auf Tagesgeld selbst in der Spitze magere 1,4 Prozent. Die Europäische Zentralbank, hierzulande der entscheidende Akteur, wird ihre Zinsen allerdings auf absehbare Zeit kaum anheben, zu groß scheint im Moment die Gefahr einer Deflation, zu sehr kämpfen viele europäische Länder noch mit den Folgen von Bankenrettungen und Schuldenkrise. Doch selbst wenn die EZB alle überraschen sollte: Die Anleger dürfen nicht mit schnell steigenden Zinsen rechnen. Künftig werden Banken gezwungen sein, langfristige Geschäfte auch langfristig zu refinanzieren. Tagesgeld ist aber eine sehr kurzfristige Form der Refinanzierung und wird für Banken generell an Bedeutung verlieren. Mit stark steigenden Zinsen auf Tagesgeldkonten sollte der Verbraucher also nicht mehr rechnen. Das Parken von Geld wird immer weniger lukrativ.