Kritik gibt es auch an dem Öko-Kompromiss, selbst wenn die Welthungerhilfe und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ihn mittragen. Warum Cotton made in Africa nicht gleich konsequent Biobaumwolle fördere, fragt zum Beispiel die Konsumentenplattform utopia.de. "Das lässt sich ausweiten", antwortet der Tchibo-Mann Achim Lohrie. In Afrika habe man die Schwerpunkte zunächst auf Anbaupraktiken, Einkommen und soziale Projekte gelegt. "Die Umstellung auf Bioproduktion braucht Zeit und reduziert den Ernteertrag." Das heißt: Die Produktion würde teurer. Da ist er wieder, der Konflikt zwischen Nachhaltigkeit und Massenmarkt.

Immerhin betont Lohrie, in dessen Hamburger Büro Besuchern Biocracker und frische Gemüsestäbchen statt Süßkram offeriert werden: "Bei der Gentechnik sind wir kompromisslos." Gerade dieses Thema hat allerdings heftige interne Debatten ausgelöst. Anfangs drängte vor allem die Gates-Stiftung auf "Technologie-Offenheit". Man beschloss, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) außen vor zu halten. Dafür nahm die Initiative einen erheblichen Rückschlag in Kauf: Als die Regierung des Partnerlandes Burkina Faso vor fünf Jahren GVO-Saatgut zuließ, konnte die dort erzeugte Baumwolle nicht mehr als CmiA-Produkt in Europa vertrieben werden; das Risiko einer Vermischung war zu groß.

Damit am Ende die Einnahmen reichen, müssen 100 Millionen CmiA-Textilien pro Jahr vertrieben werden. Doch bislang sind erst 45 Millionen lizenziert. Davon entfallen zehn Millionen auf die Otto Group, gefolgt von Tchibo mit 3,5 Millionen.

Dass die Menge nicht schneller zunimmt, erklärt Achim Lohrie mit Erwartungen an die Verarbeitungsqualität. Die handgepflückte Baumwolle aus Afrika sei hochwertig. Doch Spinnereien, Webereien, Wirkereien, Konfektionäre: Alle müssten sich auf neue Bezugsquellen und Eigenschaften bei der Verarbeitung einstellen. Das koste anfangs Zeit und Mühe. Bei Tchibo, wo man sich hundertprozentige Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt hat, wurden einige Social-Responsibility-Manager in die Einkaufsabteilung versetzt, um ihr Wissen dort einzubringen. Einkäufer bekommen einen Bonus, wenn sie integre Quellen erschließen und den Anteil nachhaltig produzierter Rohstoffe steigern.

Vielen anderen Unternehmen jedoch ist das alles noch zu viel Aufwand. Oder zu teuer. Denn der Rohstoffanteil am Endpreis eines Kleidungsstücks mag zwar gering sein. Aber wo die Konkurrenz so groß ist wie auf dem Markt für Textilien, da werde, sagen Branchenkenner, um jeden Cent gefeilscht. Die sogenannte "Fast Fashion" mit ihren rasch wechselnden Zwischenkollektionen funktioniere nur bei niedrigen Preisen.

Und mal ehrlich: Wie verbreitet ist "Otto Moralverbraucher" (so lautet der Titel eines neuen Buches über Siegel und Label)? Bei aller Begeisterung für bio, Fair Trade und die vielen anderen Nachhaltigkeitslabels: Bewusster Einkauf sei noch immer die Ausnahme, sagt Achim Lohrie. "Der Kunde ist preissensibel, und dazu haben wir Händler unseren Beitrag geleistet. Jetzt müssen wir ihn daran gewöhnen, dass eine nachhaltige Qualität ihren Preis wert ist."

Das meinen auch die Bauern in Sambia. "Am besten wäre es, wir könnten die Baumwolle auch noch hier im Land weben und nähen", sagen sie. "Wenn ihr in Deutschland mehr zahlt, dann macht ihr uns Mut."