Diese kleine Kolumne erzählt normalerweise von Unternehmen mit blödsinnigen Ideen. Dass aber auch Kunden solche Ideen haben können, illustriert das Beispiel Rabenhorst.

Die Firma aus Unkel am Rhein verfügt über rund 200 Jahre Erfahrung in der Fruchtsaftherstellung. Ihre bekannte Marke Rotbäckchen ist in vielen Supermärkten zu finden. Rabenhorst-Säfte sind meist bio und in jeder Hinsicht grün. Trotzdem waren viele Kunden beunruhigt – weil die Flaschen und Tetrapacks Barcodes trugen. Die schwarz-weißen Längsstreifen, die an der Kasse gescannt werden, würden böse Energien bündeln und die Säfte verschlechtern. So sagten sie.

Rabenhorst bestätigt die Geschichte: Derart viele Kunden hätten sich wegen der Barcodes besorgt gezeigt, dass man seit einiger Zeit einen Querstrich auf deren oberes Ende drucke, der die bösen Energien angeblich neutralisiere. Der Seelenruhe verängstigter Safttrinker wegen. Die Querstriche sind also kein Druckfehler, sondern volle Absicht. Es gibt sie auch auf manchen Säften von Voelkl, einigen Sonnentor-Tees und Mineralwässern, die zum Standardsortiment von Bioläden gehören. Esoteriker bezeichnen die bizarre Strichpraktik als "Barcode-Entstörung". Ihr liegt bislang kein anerkanntes Krankheitsbild zugrunde.

Rabenhorst sieht das Thema nach eigenen Angaben neutral. Und erfreulich pragmatisch! Weil die Kunden es wollten, habe man den Querstrich halt aufgedruckt, teilt man mit. Kost’ ja nix. Und recht so! Wo man doch immer fordert, Unternehmen sollten auf die Bedürfnisse der Konsumenten eingehen. In diesem Fall drängen sich dann aber doch Fragen über die Kundschaft auf: Beeinträchtigt der Konsum von Fruchtsäften jene Hirnareale, die für klares Denken zuständig sind? Oder müsste, wer den Begriff der "Entstörung" ernst nimmt, nicht ganz woanders ansetzen?