Seit Erfindung des Feuers gilt die der Spülmaschine als die absolut hilfreichste, haushaltstechnisch gesehen. Das Spülen von Hand ist nahezu ausgestorben. Daher hängt der Haussegen gleich mal schief, wenn mit dem Geschirrspüler etwas nicht stimmt. Dann ist jegliche Küchen-Routine aus dem Lot, die eingespielte Arbeitsteilung der Mitbewohner muss neu verhandelt werden.

Genau das ist plötzlich eingetreten. Die schlechte Nachricht lautet: Deutschlands Spülmaschinen sind brandgefährlich. Jedenfalls einige. Womöglich auch Ihre? Immerhin sind es jene von renommierten Marken, Bosch, Siemens, Constructa zum Beispiel.

Der Hinweis in einer überregionalen Tageszeitung setzt auf fette Schrift und die Signalfarbe Rot. Mögliche Brandgefahr knallt es aus der Seite. Bitte überprüfen Sie Ihren Geschirrspüler! Prompt sieht man seine gute alte Bosch mit anderen Augen. Stammt sie tatsächlich aus den inkriminierten Baujahren zwischen 1999 und 2005? Riecht es nicht plötzlich irgendwie seltsam? Wer in den vergangenen Jahren mehrmals umgezogen ist, muss überlegen. Wurde dieses Gerät selbst gekauft – oder übernommen, zusammen mit einer Einbauküche? Das Gedächtnis in Sachen Hausgeräte ist völlig unterentwickelt.

Der verunsicherte Verbraucher befolgt daher erst einmal die Hinweise der Anzeige. Er wird aufgefordert, nähere Angaben zu machen, um einzukreisen, ob das Modell zu den gefährlichen gehört. Was sich nur am geöffneten Gerät selbst klären lässt. Ein verblasstes, nach Hunderten von Spülvorgängen fast unleserlich gewordenes Schild ist auf einmal entscheidend. Wo ist die Seriennummer? Wie viele Stellen hat die Chargennummer? Und das in der Mitte, müsste das nicht die Seriennummer sein?

An dieser Stelle könnte manch einer schon aussteigen: Warum soll das Ding plötzlich anfangen zu spinnen, nachdem es jahrelang zuverlässig und unauffällig seinen Job erledigt hat? Könnte sein, dass dann aber dieses Bild vor seinem inneren Auge aufsteigt: die Küche in schwarze Rauchwolken gehüllt, womöglich nachts, wenn alle schlafen ...

Wer also mitspielt und der Website oder dem in der Anzeige genannten Callcenter die drei fraglichen Nummern meldet, erhält nach einigen Tagen Post – zum Beispiel von Bosch. "Alles für die Zufriedenheit unserer Kunden!", steht da. Der Subtext dieser Botschaft lautet eindeutig: Alarmstufe Rot! Mit gutem Grund. Es ist die umfangreichste Rückrufaktion im Segment Haushaltsgeräte, die jemals in Deutschland bekannt geworden ist. Betroffen sind rund zwei Millionen Spülmaschinen von nicht weniger als fünf Marken, nämlich Bosch, Siemens, Constructa, Neff sowie Junker+Ruh, die allesamt unter der Regie der BSH Bosch Siemens Hausgeräte GmbH hergestellt wurden. Und was, um Himmels willen, sitzt denn so Kokelträchtiges im Inneren dieser Maschinen? "Ein elektronisches Bauteil im Bedienfeld, das überhitzen kann und in äußerst seltenen Fällen zu einem Brandrisiko führt", erklärt Johanna Janusch, Sprecherin der BSH. Dass es immerhin 88 Geräte waren, bei denen ein Schmorbrand aufgetreten ist, mag sie so nicht bestätigen. Und ebenso wenig verrät sie, von welchem Zulieferer das fragliche Teil eigentlich stammt.

Erstmals hat die BSH im August vergangenen Jahres flächendeckend ihren Warnhinweis geschaltet. Von der FAZ bis zu der Bild der Frau, vom Spiegel bis zur Apotheken-Umschau. Mit ebenso erstaunlichem wie zufriedenstellendem Echo: " Von knapp 2,7 Millionen Kunden, die uns bislang kontaktiert haben, fallen rund 240.000 Geräte unter die freiwillige Sicherheitsmaßnahme", sagt Janusch. Das sind viele, aber womöglich nicht alle. Aufgrund des Alters der Geräte gehe man davon aus, dass nicht mehr alle davon im Markt sind. Die haben einfach ausgespült, klar.