Das Programm war kostenlos und schien sehr nützlich. Es sollte das Betriebssystem des Smartphones optimieren. Doch was die App tatsächlich tat, kam erst heraus, als Experten die Software als Spion entlarvten. Sie war in der Lage, das Mikrofon des Gerätes zu aktivieren und damit die Umgebung des Nutzers zu belauschen. Daten, also gespeicherte Kontakte oder Bilder, konnten abgegriffen, SMS verschickt und gelöscht werden. Wer sein derart manipuliertes Smartphone an seinen PC anschloss, aktivierte unbemerkt auch dessen Mikrofon und lief Gefahr, weitere Schadsoftware zu laden.

Das alles ist im Bericht des Hamburger Datenschutzbeauftragten nachzulesen. Solche "bösen Apps" würden nach ihrer Enttarnung meist schnell aus den Stores entfernt und ihre Anbieter gesperrt, heißt es dort weiter. "Jedoch hilft dies nur kurzzeitig, da bald modifizierte Varianten unter neuen Namen auftauchen." Derart hinterhältige Programme zerstören die Privatsphäre ihrer Nutzer. Einige wissen es, manche ahnen es, die meisten ignorieren es – und keiner tut etwas dagegen. Oder doch?

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben Verbraucherschützer den Kampf gegen die Schnüffelei aufgenommen. Mit einer Reihe von Verfahren gegen Google, Facebook und Apple oder deren App Stores wollen sie das Recht auf Privatheit retten. Schließlich ist es in Deutschland von der Verfassung garantiert, also ein Grundrecht. Wenn sich nichts ändert, droht es während der allgemeinen Euphorie um die digitalen Errungenschaften zu verkümmern.

Seit geraumer Zeit mehren sich Berichte darüber, wie wissbegierig die kleinen Programme oft sind. Viele seien wie "Datenstaubsauger", so der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Das ergab der Check von 50 populären Apps. Auch die Stiftung Warentest nimmt sich die kleinen Programme immer mal wieder vor. Nachdem Facebook den Chatdienst WhatsApp gekauft hatte, stuften die Experten die beliebte App als "sehr kritisch" ein. WhatsApp könne die Chats seiner Nutzer mitlesen. Außerdem übertrage die App automatisch Adressbucheinträge an die Firma, und das ohne Zustimmung des Nutzers oder der Personen, deren Kontaktdaten ausgelesen würden. Was die App möglicherweise noch in verschlüsselter Form kommuniziere, ließe sich nicht vollständig prüfen. Selbst Apps, die ihren Nutzern nur den Weg zu billigem Benzin weisen sollen, sammeln und versenden manchmal mehr Daten, als sie zur Erfüllung ihrer Aufgabe brauchten, fand Stiftung Warentest heraus.

Allerdings: Die Schnüffelei scheint die 40 Millionen deutschen Smartphone-Besitzer nicht zu stören. Die meisten von ihnen lieben Apps. Im Schnitt hat jeder fast 40 Stück davon installiert. Apps können nämlich sehr nützlich sein. Sie geben nicht nur Auskunft über die günstigste Tankstelle oder das Wetter, sie zeigen auch an, wann der nächste Zug fährt und ob die S-Bahn-Strecke noch immer gesperrt ist. Aktuelle News und Informationen sind jeder Zeit verfügbar. Und spannende Spiele vertreiben die Langeweile. Wenn es dabei bliebe, wären Apps ein großer Gewinn. Doch weil viele eben mehr tun, als ihre Besitzer ahnen, wurden Verbraucherschützer aktiv. Google und Apple rückten deshalb in ihren Fokus, weil für deren Betriebssysteme in den Smartphones die meisten Apps entwickelt und über deren Stores vertrieben werden.

Bianca Skutnik und Carola Elbrecht kommen schnell zum Punkt. Sie zählen zu dem Team, das sich im Bundesverband der Verbraucherzentralen um die Beschwerden jener Nutzer kümmert, die sich den umfangreichen Vertragswerken der Internetriesen nicht gewachsen fühlen und die bei dem Versuch, Auskünfte zu erhalten, im Nirwana landen oder bei ihrem Wunsch, Daten zu löschen, einfach ins Leere laufen.

Zurzeit betreuen die beiden sieben Gerichtsverfahren: zwei gegen Facebook, drei gegen Google, eines gegen Apple und eines gegen dessen Dienst iTunes. Die juristischen Streitigkeiten haben sich zu einem bizarren und langatmigen Kräftemessen entwickelt.