Früher war es das Engagement einiger weniger Engagierter, heute ist die Philanthropie eine globale Bewegung. Moderne Stiftungen mischen sich in den politischen und gesellschaftlichen Diskurs ein und bringen Themen aufs Tapet, die sonst vergessen gehen.

Gemäß einer Erhebung von Swiss Foundations schütten europäische Stiftungen jedes Jahr rund 83 Milliarden Euro für das Gemeinwohl aus. In der Schweiz verwalten die knapp 13 000 Stiftungen ein Vermögen von gut 70 Milliarden Franken und unterstützen jedes Jahr Projekte mit 1,5 Milliarden Franken.

Mit der finanziellen Zuwendung allein ist es in der modernen Philanthropie allerdings nicht getan. Ebenso wichtig sind das persönliche Engagement der Stifter und Stifterinnen, ihr Know-how und ihr Netzwerk.

Als Beispiel sei die Bertelsmann Stiftung mit Sitz in Gütersloh und rund 300 Mitarbeitenden genannt. Seit ihrer Gründung vor bald 40 Jahren hat sie sich weiterentwickelt und macht heute mit gesellschafts- oder bildungspolitischen Impulsen von sich reden. Die Medienunternehmerin Liz Mohn, die im Vorstand der Stiftung wie auch im Aufsichtsrat wirkt, brachte es in einem Interview auf den Punkt: "Wir wollen nicht nur Seismograf, sondern auch Impulsgeber sein."

Ein Beispiel dafür ist die neuste Studie der Stiftung, die sich mit dem sich dramatisch verändernden Familienbild in Deutschland befasst. Was bedeutet es, wenn die klassische Familie abgelöst wird von neuen Lebensformen? Und welche Konsequenzen hat dies auf die Familienpolitik?

Das Studie macht deutlich, wie folgenschwer es ist, wenn finanzielle Unterstützung oder steuerliche Vergünstigungen an herkömmliche Familienmodelle gekoppelt werden. Die alleinerziehende Mutter, die unter Umständen keine Hilfe bekommt, weil sie nicht in ein administratives Schema passt, ist nur eines von vielen Beispielen, wie fatal sich dies auswirken kann.

Es wäre darum angezeigt, gesetzliche Regelungen nicht an der Normfamilie auszurichten. Vielmehr müssten Unterstützungsangebote überall greifen, wo Kinder leben. Damit diese nicht von Armut betroffen werden – so wie dies in der Schweiz laut einer Unicef-Studie jedes zehnte Kind ist.

Statt eine Normfamilie vor Augen zu haben, müssen wir akzeptieren, dass es diese nicht gibt; dass aber immer mehr Eltern alleinerziehend sind (in 90 Prozent der Fälle die Mütter) und dass diese einen täglichen Spagat leisten zwischen Job, Haus- und Familienarbeit. Dass Kinder nach einer Trennung oft in Patchworkfamilie leben und an mehreren Orten zu Hause sind. Und dass – Beispiel Deutschland – 27 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben.

Das Fazit ist eindeutig: Eine zeitgemäße Familienpolitik darf keine Lebensformen oder Partnerschaftsmodelle bevorzugen. Denn diese werden immer mehr abgelöst von individuellen Lebensentwürfen. Die Politik hinkt damit nicht nur hinter einer fundamentalen Umwälzung unserer Gesellschaft her, sie vergrößert auch das Armutsrisiko jener Kinder, die nicht in der normgemäßen Kleinfamilie aufwachsen. Das darf nicht sein.