Der erste Test geht schon mal schief: Tippt man die Anfrage "Tierarzt" ins Suchfeld, liest man "Leider kein Ergebnis gefunden". Beim "Arzt" ohne Tiere aber klappt es dann. Videos erscheinen auf dem Bildschirm: Männer, Frauen, jünger und älter, dazu die genaue Berufsbezeichnung. Ein Klick, schon startet eines davon. Die OP-Schwester Maria Wagner von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen beantwortet sieben Fragen zu ihrer Arbeit. Etwa: "Was ist das Coolste an deinem Job?", "Welche Einschränkungen bringt der Job mit sich?" oder "Wie schaut dein Werdegang aus?".

Einen Berufsinformationsabend zu Hause auf dem Sofa – das bietet die Website Whatchado, die der Österreicher Ali Mahlodji gegründet hat. Schon als Jugendlicher hat Mahlodji unzählige Erwachsene gebeten, ihm ihren Job zu erklären, weil er wissen wollte, welche Berufe es auf der Welt so gibt. Zehn Jahre später merkte er, dass auch andere Mittzwanziger keine Ahnung haben, was die Arbeitswelt ihnen bieten könnte. Und er dachte sich: "Wenn man mit jedem Menschen der Welt nur fünf Minuten sprechen würde, dann hätte man ein umfassendes Wissen von allen Menschen und ihrer Arbeit und könnte sich ein eigenes Bild machen."

Dieses Wissen sammelt er nun seit drei Jahren auf seiner Website – für Einsteiger und junge Arbeitnehmer, die über ihre ersten Schritte ins Berufsleben entscheiden, genauso wie für Menschen, die mitten in ihrem Werdegang stehen und nach neuen Inspirationen suchen. Inzwischen stellt die Seite 1.700 Berufstätige vor, jeden Monat kommen 110 bis 120 Videos dazu: von Künstlern, Mechatronikern, Verkäufern, Unternehmensberatern; Vorstandsvorsitzenden, Abteilungsleitern und Lehrlingen. Zunehmend finden sich hier auch Profile aus Deutschland und der ganzen Welt.

Wer gezielt nach einer Fachrichtung sucht, muss allerdings etwas herumprobieren. Manchmal bekommt man schon Ergebnisse, wenn man lediglich ein Studienfach wie "BWL" oder "Chemie" eingibt. Für "Jura" hingegen erhält man keine Treffer, dafür aber für "Jurist". Einige Suchergebnisse irritieren auch. Unter dem Begriff "Lehrer" erscheinen ein Fußballtrainer, ein Fahrlehrer, ein Steward und ein Franchise-Partner. Hier klappt die Verschlagwortung wohl noch nicht ganz. Andererseits: Das kann auch Horizonte eröffnen.

Dabei hilft zudem das Element Job-Dating. Wer sich in vierzehn Kategorien einschätzt ("Ich möchte einen Job, bei dem ich viel reise/immer am selben Arbeitsplatz bin", "Ich eigne mich besser als Zuhörer/Unterhalter" ...), bekommt eine Auswahl von Berufstätigen zu sehen, die ähnlich denken wie er selbst. So ergibt sich ein Katalog möglicher Jobs, die zum eigenen Profil passen könnten.

Inzwischen fragen auch immer mehr Unternehmen bei Mahlodji an, ob sie ihre Mitarbeiter gegen Bezahlung auf seiner Plattform vorstellen können. Als Nutzer kann man diese Art von Werbung nicht von den anderen Profilen unterscheiden. Damit die Seite trotzdem interessant bleibt, prüft Mahlodji die Anfragen sorgfältig. Er lässt es nicht zu, dass die Frage "Welche Einschränkungen bringt der Job mit sich?" gestrichen oder geschönt beantwortet wird. Wenn die Marke im Mittelpunkt steht und nicht der Mensch, lehnt er ab, ebenso, wenn Models statt Mitarbeiter die Fragen beantworten sollen. Es gehe allein um die Menschen hinter der Arbeit, sagt er.

Und das ist das Charmante an der Seite: Spricht ein sympathischer Mensch zu einem, wirkt auch der Job gleich sympathisch. Wie im echten Leben.