Robert "Bob" Diamond war schon vieles in seinem Leben: Investmentbanker, bonusgieriger Konzernchef, Hassobjekt vieler Briten angesichts seines Unwillens, nach der Finanzkrise echte Reue zu zeigen. Kürzlich fügte der frühere Vorstandsvorsitzende der Großbank Barclays seiner Vita ein neues Kapitel hinzu: Er gründete im Juli 2012 die Finanzfirma Atlas Mara, sammelte 300 Millionen Dollar ein und investiert damit seither kräftig in Afrika. In Botswana ist der Amerikaner bei der Bank ABC eingestiegen, in Ruanda will er 77 Prozent der Development Bank of Rwanda kaufen.

Wie ehedem geht es Diamond um Expansion und Rendite. Die Wachstumschancen auf dem geschundenen Kontinent sind größer als in den gesättigten Märkten des Westens. So nutzen die meisten der 1,1 Milliarden Afrikaner bisher keine Bankdienstleistungen, nur ein Viertel hat ein Konto, weniger als fünf Prozent haben eine Kreditkarte. Da ist viel Spielraum, um aus sehr wenig sehr schnell sehr viel zu machen, und Diamond mit seiner Atlas Mara ist nicht der Einzige, der das Potenzial sieht. Gerade erst hat der US-Finanzinvestor Carlyle den größten Private-Equity-Fonds für Investitionen südlich der Sahara aufgelegt, und Singapurs Temasek, der zweitgrößte Staatsfonds der Welt, hat angekündigt, sich noch stärker in Afrika zu engagieren.

Diamond, Carlyle und Temasek zeigen: Ausgerechnet Afrika rückt zunehmend ins Visier von Investoren – jener Kontinent, der bislang vor allem für Bürgerkriege, Staatsstreiche und Nepotismus steht. Natürlich gehören Schwellenländer schon seit Jahren zum Pflichtportfolio vieler Anleger, doch dazu zählen die meisten primär Asien und Lateinamerika. Nachdem klassische Schwellenländer wie Türkei oder Argentinien zuletzt in Turbulenzen geraten sind, wecken die Volkswirtschaften zwischen Marokko und Südafrika neues Interesse. Sollten auch Privatanleger ein Investment wagen oder lieber die Finger davonlassen?

Rein von den Zahlen her ist Afrika attraktiv. Für 2014 und 2015 erwartet der Internationale Währungsfonds in der Subsahara ein steigendes reales Wirtschaftswachstum von rund 5,5 Prozent. Südafrika herausgerechnet, seien es sogar 6,5 Prozent. Die politische Stabilität ist größer als früher, viele Länder haben bei ihren Gläubigern einen Schuldennachlass heraushandeln können. Die Mittelschicht wächst, auch der Zufluss privaten Kapitals. Länder wie Ghana, Nigeria oder Kenia zählen inzwischen zu den aufstrebenden Märkten. "Die Krisenresistenz vieler Staaten in der Subsahara hat sich erhöht", schreibt die Commerzbank in einer Studie.

Wie riesig der Nachholbedarf vieler Staaten dennoch ist, belegt eine Zahl sehr eindrucksvoll: Von den 54 Ländern des Kontinents haben nur etwa die Hälfte überhaupt eine Börse. Aktien, in die Fonds investieren können, sind daher Mangelware, bei Anleihen sieht es ähnlich aus. Meist dominieren Aktien von Banken den Markt. Das schränkt die Möglichkeiten für Anleger stark ein. Umgekehrt ist es aber auch ein Indiz dafür, wie groß das Entwicklungspotenzial ist.

Fonds wie Carlyle oder Atlas Mara sind Großinvestoren vorbehalten, auch Direktinvestitionen sind für den Kleinanleger unmöglich oder zu riskant. Für deutsche Kunden gibt es aber rund 20 Aktienfonds mit Schwerpunkt Afrika, von Anbietern wie Templeton, Bellevue, DWS oder Robeco. Hinzu kommen eine Handvoll Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die einen Index nachbilden. Die besten Afrika-Fonds schafften 2013 Zuwächse im hohen einstelligen oder kleinen zweistelligen Prozentbereich, 2014 steht bisher meist ein kleines einstelliges Plus da.

Zum Vergleich: Der Dax gewann 2013 satte 23 Prozent hinzu. Inzwischen rechnen aber viele Experten mit Kurseinbrüchen beim deutschen Leitindex, das jüngste Auf und Ab ist Ausdruck einer Verunsicherung, wie es weitergeht.

Klar ist natürlich, dass bei Investments in Afrika der Rendite in aller Regel ein größeres Risiko gegenübersteht. Sie sollten daher immer nur eine Beimischung fürs Depot sein. In dieser Funktion aber konkurrieren sie mit traditionellen Schwellenländerfonds – und diese haben sich 2013 teils schlechter entwickelt.