Es ist eine weit verbreitete Klage, dass die Erfolgskomödie von heute geschmackloser, vulgärer und regressiver sei als die Komödie von einst. Na und? Hat nicht jede Gesellschaft die Lachkultur, die sie verdient? Womöglich bleibt der deutschen Kommerzkomödie gar nichts anderes übrig, als ihre Multiplex-Schlachten anzupassen an die geschmacklosen, vulgären, regressiven Zeitläufte. Schließlich hat sich in diesem Land ja auch allerhand verändert zwischen, sagen wir mal, Theo Lingens süßem Sechziger-Jahre-Studienrat in Die Lümmel von der ersten Bank und der Pumpgun-Pädagogik in Fack ju Göhte.

Jenseits der Erzählmoden fällt allerdings auf: Die deutsche Gegenwartskomödie hat, anders als etwa die amerikanische, die englische oder auch die französische Komödie, ein Problem mit Frauen. Während man überall sonst auf der Leinwand Heldinnen sieht, die aus der Reihe tanzen, dabei zum Lachen über sich selbst einladen, aber auch subversiven und anarchistischen Eigensinn entwickeln, betreibt die deutsche Komödie die Demütigung und Verdoofung ihrer weiblichen Figuren. Während sie mit eher coolen männlichen Identifikationsfiguren aufwartet, setzt sie ihre Heldinnen nur der Peinlichkeit und Lächerlichkeit aus. Mit achselzuckendem Automatismus ist sie reaktionär und antifeministisch. Es ist nicht das befreiende Lachen der Komödie, dem wir hier begegnen, es ist das sadistische Gelächter des Schulhofs.

In Fack ju Göhte, der vier Mal für den deutschen Filmpreis nominierten, mit sieben Millionen Zuschauern erfolgreichsten Komödie des vergangenen Jahres kriegen auf den ersten Blick alle ihr Fett ab: Lehrer, Schüler, Türken, Deutsche, Prostituierte, Kokser, Hunde. Aber nur bei der Lehrerin Frau Schnabelstedt (Karoline Herfurth), einem streberhaften Trampelchen mit metallischer Quietschstimme, entsteht diese seltsame Mischung aus Unbehagen und Fremdschämen. Ihre Klugheit kann sie nur als Neunmalklugheit ausleben, mit der sie sich permanent selbst entblößt. Sie ist der dramaturgische Fußabtreter des Films, bekommt die billigsten Witze ab, worauf sich die Handlung wieder dem Helden zuwenden kann. Und während Elyas M’Barek als Aushilfslehrer noch geteert, gefedert und geschminkt unwiderstehlich wirkt, bleibt Schnabelstedt ein hysterisches Würstchen, das nach dem fäkalen Schülerstreich heulend durch die Flure läuft. Lockerlassen kann diese Lehrerin erst, als sie beim Besuch auf dem Biobauernhof versehentlich eine Ladung Paarhuferhormone in den Hintern geschossen bekommt.

Was ist eigentlich komisch daran, wenn in Doris Dörries neuem Film Alles inklusive eine ungehaltene Radiomoderatorin (Juliane Köhler) über ihre ungeschickte Technikerin (Nadja Uhl) sagt: "Die ist doch zu blöd, ihre Fotze von ’ner Handtasche zu unterscheiden."?

Und wie soll man sich auf die Seite einer Figur schlagen, geschweige denn eine gewisse Empathie entwickeln, wenn sie nicht einmal von ihrer Regisseurin gemocht wird, angefangen bei der albernen Namensgebung? Apple, die Protagonistin von Alles inklusive, wurde von all ihren Männern ausgenommen, ist traumatisiert von ihrer Kindheit mit einer Hippie-Mutter, ruiniert sich durch die Hüftoperation ihres Hundes und verliebt sich in einen Tierarzt, den sie bei der ersten Verabredung mit ihren Monologen einschläfert. Beim Sex mit dem Arzt täuscht Apple so ungeschickt einen Orgasmus vor, dass er sich gelangweilt abwendet. Beim nächsten Mal legt er ihr einen Maulkorb und ein Hundehalsband an.

Und noch eine Szene, die vermutlich den Tiefpunkt der neudeutschen Komödienerzählung markiert: In Matthias Schweighöfers What a Man wird der Held Alex (Schweighöfer) ins Krankenhaus zu seiner Freundin gerufen: gebrochene Rippe, geprelltes Steißbein, Analverletzungen. Verursacht hat das ein heimlicher Liebhaber, mit dem die Freundin kurz darauf durchbrennen wird. Vor dem Krankenzimmer nimmt der Arzt den nichts ahnenden Alex beeindruckt beiseite: "Unter uns, wie haben sie das rein anatomisch gemacht? Echt krass!" Die Bestrafung der Untreue mag ein uralter Komödientopos sein. Aber die sexuelle Gewalt als Pointe kann sich allein What a man auf die Fahnen schreiben. Und es brauchte den zarten Matthias Schweighöfer, um endlich einmal die Wahrheit auszusprechen: dass Frauen nämlich insgeheim den Typen hinterherlechzen, die ihnen die Rippen brechen.