Wer hätte das gedacht, Portugal wagt den Sprung zurück auf den Kapitalmarkt. Das kleine Krisenland verlässt die Schutzzone europäischer Rettung und lässt wieder das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage entscheiden, wie hoch die Zinsen für neue Kredite sein sollen.

Auch wenn in Portugal viel zu viele Menschen arbeitslos sind und die Wirtschaft noch nicht ganz gesund ist – dieser Erfolg kommt früher als erwartet. Er konnte nur entstehen, weil die Portugiesen in ihrer Wirtschaft und in ihrem Finanzwesen aufgeräumt haben. Man könnte auch sagen, weil sie einerseits von der Europäischen Zentralbank durch Hilfeversprechen für den Notfall geschützt wurden und weil sie andererseits auf Druck Europas und vor allem Deutschlands ihre eigene Agenda 2010 vollbracht haben.

Das ist eine wichtige Lektion: Die Mischung aus Hilfe und Härte, aus Fördern und Fordern, hat zu einer schnellen Wende in der Krise geführt – und nicht etwa das Instrument der Eurobonds, bei denen alle europäischen Steuerzahler für die Unterlassungssünden einzelner Länder haften, oder der bedingungslose Kauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank. Die einen sind nie gekommen, das andere wurde zum Glück schnell eingestellt. Sosehr Angela Merkel im Ausland und auch in Deutschland dafür beschimpft wurde, dass sie für die Hilfe Europas von den Krisenländern Mut zur Selbsthilfe verlangte, es war doch genau das der Rettungsturbo.

Dumm nur, dass ausgerechnet Frankreich diesen Turbo bisher nur halbherzig nutzt. Zu wenig Reform, zu spät, das ist bisher die Bilanz. Kein Wunder, dass der Nachbar mehr Schulden macht als geplant. Und überhaupt kein Wunder, dass seine Politiker immer wieder unkonventionelle Hilfe von außen fordern, bedingungslos, wie sich versteht. Neuerdings soll sogar die Europäische Zentralbank wieder herhalten und den Währungskurs des Euro nach unten treiben, damit teure französische Waren sich außerhalb der Euro-Zone besser verkaufen.

Wie war das noch mit der Unabhängigkeit der Zentralbank? Solch eine Maßnahme würde zudem nicht bloß die Not der Sparer noch vergrößern, weil dafür die Zinsen sinken oder länger gering bleiben müssten. Es nähme auch den Druck von der französischen Wirtschaft und dem Staat, effizienter, flexibler und billiger zu werden. Doch genau das lehrt die Krisenerfahrung: Staaten müssen sich ihren wirtschaftlichen Erfolg verdienen.