DIE ZEIT: An manchen Universitäten kann man heute nicht mehr einfach nur Maschinenbau studieren. Stattdessen muss man sich zwischen stark spezialisierten Studiengängen wie etwa Digitale Produktentwicklung oder Erneuerbare Energien entscheiden. Wie sinnvoll ist das?

Manfred Hampe: Auf der Masterebene mögen solche Spezialisierungen durchaus Sinn machen. Auf der Bachelorebene halte ich sie für völlig übertrieben. Es wäre besser, wenn es an den Unis nur wenige, dafür breit angelegte Studiengänge gäbe.

ZEIT: Warum?

Hampe: Nur so kann im Studium eine gute Grundlage fürs Berufsleben geschaffen werden. Nehmen wir das Beispiel Maschinenbau. In diesem Bereich hat ein Arbeitnehmer früher im Laufe seines Berufslebens vielleicht zweimal die Position gewechselt. Heute macht er das sechs- bis achtmal. Dafür braucht er die Fähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen. Und die erwirbt er am besten in einer breiten Bachelorausbildung. Doch die Unis und mehr noch die Fachhochschulen richten zu eng spezialisierte Modestudiengänge ein – in der Hoffnung, damit Studenten zu gewinnen.

ZEIT: Wie ist das möglich?

Hampe: Seit dem Jahr 2000 gibt es keine Rahmenstudienpläne mehr. Bis dahin hatten die Länder die wesentlichen Inhalte eines Studiums vorgegeben. Dann kam die Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem. Im Zuge der Reform wurden alle Studiengänge von den Hochschulen neu konzipiert. Dabei sind viele inhaltlich zu eng ausgelegt worden. Das war ein Fehler.

ZEIT: Wer ist daran schuld?

Hampe: So mancher Professor möchte gerne seinen eigenen Studiengang haben. Wenn die Fakultät sich dem nicht entgegenstellt, wird der eben eingerichtet.

ZEIT: Aber es kann doch nicht sein, dass jeder Professor sein eigenes Gärtchen pflegt und die Studenten das ausbaden müssen!

Hampe: Das müsste ja auch nicht sein. Es kommt eben darauf an, wer an einer Fakultät für die Entwicklung von Studiengängen verantwortlich ist. Ist da einer, der weiß, was er tut? Wenn man einen Studiengang reformieren oder von Grund auf neu aufstellen möchte, braucht man eine starke Persönlichkeit, die in einer Fakultät etwas durchsetzt – wenn notwendig, auch gegen Widerstände.

ZEIT: Wie sieht eine gute Studienreform aus?

Hampe: Die alles entscheidende Frage, die sich eine Fakultät dabei stellen muss, ist: Was soll der Absolvent können, wenn er die Hochschule verlässt? Oft wird aber nur gefragt: Welcher Stoff ist wichtig, was muss da rein? Dadurch wird ein Studiengang sehr schnell überfrachtet mit Nebensächlichkeiten, die irgendwelche Einzelpersonen für wichtig halten.